Herzinfarkt: Erste Hilfe & Komplikationen

Erste Hilfe

Bei dem leisesten Verdacht auf einen Infarkt sollte sofort der Notarzt über den Notruf 112 oder die örtliche Notrufnummer alarmiert werden. Jede Minute zählt! Der Umweg über den Hausarzt kostet wertvolle Zeit. Wichtig ist es, im Telefonat den Verdacht auf Herzinfarkt zu äußern.
Bis zum Eintreffen des Notarztes sollten Hilfeleistende den Betroffenen beruhigen. Damit der Patient besser atmen kann, gilt es den Oberkörper hochzulagern und enge Kleidung wie etwa Kragen oder Krawatte zu öffnen. Im Falle eines Kreislauf-Stillstands - also wenn der Patient bewusstlos ist, keine Atmung zu erkennen bzw. kein Puls tastbar ist, und der Patient nicht auf lauten Zuruf oder andere Reize (z.B.Zwicken) reagiert - ist von einem plötzlichen Herzstillstand auszugehen. Sofort muss die 112 angerufen und mit einer Wiederbelebung durch Herzdruckmassage begonnen werden. Alternativ gilt für Geübte noch immer: dreißigmal drücken, zweimal Mund- zu- Mund oder Mund –zu- Nase beatmen. Dies ist fortzusetzen bis der Rettungsdienst eintrifft. Doch auch die alleinige Herzdruckmassage ohne zusätzliche Mund- zu- Mund Beatmung hat sich bewährt und ist für Laien oft einfacher anzuwenden.

Akute lebensbedrohliche Komplikationen

Der gefährlichste Zeitraum für Komplikationen sind die ersten 48 Stunden nach dem Akutereignis! Eine ständige Überwachung auf der Intensivstation ist daher in dieser Akutphase unbedingt notwendig.

Lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen

Etwa 30% der Patienten mit akutem Herzinfarkt sterben, bevor sie das Krankenhaus erreichen. Ursache ist in den meisten Fällen eine schwere Herzrhythmusstörung, das so genannte Kammerflimmern. Die extrem erhöhte Herzschlagfrequenz führt zum funktionellen Herzstillstand. Beim Kammerflimmern müssen sofort lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden. Dazu zählen eine unverzügliche Herzdruckmassage und der Einsatz eines Stromstoßgeräts (Defibrillator).

Herzleistungsschwäche

Da in den meisten Infarkt-Fällen die linke Herzkammer, welche die wesentliche Pumpleistung erbringen muss, betroffen ist, kann sich noch im akuten Stadium oder aber im weiteren Verlauf eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln.  Führendes Symptom der Herzschwäche ist die Atemnot. Sie kommt dadurch zustande, dass sich Blut von der Infarkt-geschädigten Herzkammer in die Lunge zurück staut und sich hierdurch die Sauerstoffaufnahme verschlechtert. Die schwerste Form des Pumpversagens ist der kardiogene Schock bei einem großen Infarkt, in dessen Folge der Kreislauf mehr oder weniger zusammenbricht.

Weitere Akutkomplikationen

Das absterbende Herzmuskelgewebe im Infarktbereich ist, so lange sich noch kein Narbengewebe ausgebildet hat, gegenüber (Blut-)Druckbelastungen weniger widerstandsfähig als im Normalzustand. So ist ein Einriss (Ruptur) der Herzwand im Infarktbereich eine mögliche, glücklicherweise seltene Akutkomplikation des Infarktes - mit unmittelbarer Todesfolge.
Eine schwere Störung der Pumpfunktion der linken Herzkammer kann auch eintreten, wenn der muskuläre Halteapparat der Mitralklappe vom Infarkt betroffen ist (akute Mitralklappeninsuffizienz durch Papillarmuskelruptur oder -Abriss).

Spätkomplikationen

Die Entwicklung einer chronischen Herzschwäche ist die häufigste Spätkomplikation nach einem erlittenen Herzinfarkt. Nach überstandener Akutphase und abgeschlossener Narbenbildung stellt sich allmählich heraus, wie viel arbeitsfähiges Herzmuskelgewebe noch erhalten ist. Dieses versucht sich, durch strukturelle Veränderungen der Mehrbelastung anzupassen. Am Ende dieses mit einer Vergrößerung der Herzkammer einhergehenden Prozesses steht oft die chronische Herzschwäche.

Gelegentlich bildet sich im Bereich der Infarktnarbe eine bis faustgroße Auswölbung (Aneurysma). Wenn ein solches Aneurysma die Pumpfunktion der Herzkammer zu sehr schwächt, kann herzchirurgisch eine Beseitigung dieses Narbengewebes versucht werden.

Weitere häufige Spätkomplikationen sind vor allem Herzrhythmusstörungen, aber auch wieder auftretende Angina-pectoris-Anfälle. Die Wahrscheinlichkeit einen erneuten Herzinfarkt zu erleiden, ist deutlich erhöht.

Experte: Wissensch. Beratung und Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Wolfram Delius, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern Meyer, J. et al. (Hrsg.)
Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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