
Naturheilkunde & Schulmedizin
Unter dem Begriff „Schulmedizin" werden alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zusammengefasst, die dem Denkansatz von Ursache und Wirkung folgen. Ursache und Wirkung sind mit wissenschaftlichen Methoden objektiv nachweisbar. Die Schulmedizin ist vom Denkansatz her primär krankheitsorientiert, isolierte Faktoren stehen als Krankheitsursachen im Vordergrund. Gleichwohl wird der Mensch auch in der Schulmedizin zunehmend als vernetztes System verstanden, dies wird insbesondere durch die modernen Forschungsmethoden ermöglicht. Anstelle von Schulmedizin sollte man deshalb besser von vorwiegend naturwissenschaftlich orientierter Medizin sprechen.
Die Naturheilkunde betrachtet die Gesamtheit von Körper, Seele und Geist in einem ganzheitlichen Ansatz, d.h. sie denkt vernetzt. Der Mensch wird primär als gesund betrachtet, eine naturheilkundliche Behandlung dient der Anregung der Selbstheilungskräfte, der Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts oder der Vorbeugung von Gesundheitsstörungen, d.h. die Behandlung ist gesundheitsorientiert.
Während die Schulmedizin die Naturheilkunde infolge ihrer technischen und pharmazeutischen Möglichkeiten ab etwa Mitte des 20. Jahrhunderts aus der Medizin nahezu verdrängt hatte, ist seit ca. 15 Jahren international eine Umorientierung spürbar: Die medizinische Fachwelt erkennt zunehmend den Nutzen der Naturheilkunde, d. h. dass ein Miteinander beider Richtungen zum Wohle des Patienten sehr erfolgreich sein kann, da sie sich ergänzen. Von den meisten Medizinern wird heute anerkannt, dass eine schulmedizinische Behandlung naturheilkundlichen Methoden unterstützt werden kann, um den Patienten optimal zu behandeln. Die gewachsene Bedeutung lässt sich auch an der Tatsache ablesen, dass die Naturheilkunde seit Anfang der 1990er Jahre an deutschen Universitäten gelehrt wird und Eingang in das medizinische Staatsexamen gefunden hat. Immer mehr niedergelassene Ärzte erwerben seitdem eine Zusatzqualifikation für naturheilkundliche Verfahren.
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