10.07.2011
Unkontrolliertes Fasten mit zusätzlicher Einnahme von Diuretika kann Gicht auslösen
Auch junge Frauen können an Gicht erkranken, wenn sie aus Gründen einer Gewichtsabnahme unkontrolliert fasten und dabei zusätzlich Diuretika einnehmen. Davor warnt der BDRh.
In vielen Lehrbüchern steht zwar, dass Gicht eine typische Männerkrankheit ist und bei Frauen meist nur im höheren Alter nach der Menopause auftritt. Dennoch kann Gicht durchaus auch bei jüngeren Frauen vorkommen, insbesondere wenn sie aus Gründen einer Gewichtsabnahme unkontrolliert fasten und dabei zusätzlich Diuretika einnehmen. Davor warnen die Rheumatologen des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh). „Gicht ist eine Stoffwechsel-Erkrankung, die durch eine erhöhte Harnsäure-Konzentration im Blut ausgelöst wird", erläutert Dr. Edmund Edelmann, Vorstandsvorsitzender des BDRh und praktizierender Rheumatologe in einer Gemeinschaftspraxis in Bad Aibling. „Die meisten Fälle sind genetisch bedingt, Gicht kann aber auch durch eine falsche, zu purinreiche Ernährung hervorgerufen werden, da Harnsäure durch den Abbau von Purinen entsteht und sich dann im Blut ansammelt. Doch auch Fastenkuren oder Nulldiäten können einen Gichtanfall verursachen. Denn wenn ein Mensch in so genannten katabolen Stoffwechsellagen wie Hunger, Diät oder Fasten keine Nahrung zu sich nimmt, bildet er weniger Insulin und nutzt vermehrt das körpereigene Fettgewebe zur Energiegewinnung. Diese Fette werden in der Leber zu Ketonkörpern abgebaut und diese können sich während des Fastens derart ansammeln, dass sie die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren verringern, was den Harnsäurespiegel und damit das Risiko für einen Gichtanfall ansteigen lässt. Deshalb sollte Übergewicht nur langsam abgebaut werden, also höchstens 2-3 Kilogramm pro Monat", rät Edelmann
Gichtanfall kann mehrere Tage anhalten und sehr schmerzhaft sein
Viele in besonderem Maße schlankheitsbezogene Frauen, wie z.B. Models, verwenden Diuretika - also Arzneimittel, die zur Ausschwemmung von Wasser aus dem menschlichen Körper (Diurese) dienen -, um eine beschleunigte Gewichtsabnahme zu erreichen. „Wenn dem Körper mittels Diuretika Wasser entzogen wird, verändert sich auch die Löslichkeit der Harnsäure, so dass deren Konzentration ansteigen kann. Auch wird der Körper beim Fasten, wenn er nur wenige Fettreserven hat, vermehrt Proteinspeicher abbauen. Dabei entstehen Purine, durch deren Abbau wiederum Harnsäure gebildet wird, was folglich den Harnsäurespiegel zusätzlich ansteigen lässt. Daher ist das Risiko für einen Gichtanfall in dieser Kombination von Fasten mit Diuretika besonders groß. Solch ein Gichtanfall kann mehrere Tage dauern. Kennzeichen sind sehr starke Schmerzen, extreme Berührungsempfindlichkeit, Rötung, Schwellung und Überwärmung in einem einzelnen Gelenk. In 80% der Fälle ist ein Gelenk der Beine betroffen, davon in 60% der Fälle das Großzehengrundgelenk. Gelegentlich treten die Gelenksymptomatik begleitend auch Fieber, Kopfschmerzen, Herzjagen und Übelkeit auf", warnt Edelmann.
