22.06.2020

Was ist bekannt über Lebererkrankungen und Covid-19?

Bei Patienten mit Leberzirrhose und Lebertransplantierten werden schwere Covid-19-Verläufe häufiger beobachtet. Betroffene sollten ihre Medikamente auf keinen Fall eigenständig absetzen.

Bislang ist unklar, ob Leberkranke generell ein höheres Risiko von schweren Covid-19-Verläufen haben. Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass Zirrhosepatienten und Lebertransplantierte durch Covid-19 stärker gefährdet sind. Vermutet wird ein erhöhtes Risiko auch bei Leberzellkrebs. Patienten mit nicht-alkoholischer Fettleber haben oft Begleiterkrankungen wie z. B. Diabetes, Bluthochdruck und Adipositas, welche bekannte Risikofaktoren bei Covid-19 sind. Ob eine alleinige Fettleber auch ein Risikofaktor sein könnte, ist derzeit umstritten.

Das Robert-Koch-Institut listet chronisch Leberkranke allgemein als Risikogruppe auf, was wir als Vorsichtsmaßnahme begrüßen. Wenn Leberkranke einen schweren Covid-19-Verlauf haben, steht meist die Sorge um die Lunge im Vordergrund. Inwieweit Covid-19 auch die Leber belastet, wird noch erforscht.

Bei Zirrhosepatienten kann sich die Leberfunktion unter Covid-19 aber verschlechtern (Dekompensation). Dieses Risiko bei Zirrhose kennt man bereits von der Influenza und anderen Bakterien- oder Virusinfektionen und aktuelle Daten bestätigen diese Sorge auch für Covid-19. Bei Lebererkrankungen im Frühstadium ist der Einfluss von Covid-19 auf die Leber noch nicht geklärt. Erhöhte Leberwerte wie GOT und GPT werden z.T. auch bei Lebergesunden mit Covid-19 beobachtet,

Können Erkrankungen mit Covid-19 auch die Leber belasten?

Ernste akute Leberschäden oder gar Leberversagen bei Covid-19-Kranken scheinen seltene Ausnahmen zu sein und sich bislang eher auf schwer Lungenkranke zu beschränken. Wenn Covid-19 schwer verläuft, scheint es häufiger die Lunge als die Leber zu gefährden. Diskutiert werden zudem Schädigungen anderer Organe wie z.B. der Nieren. Bei schwer Leberkranken mit Zirrhose (insbesondere im fortgeschrittenen Stadium Child-Pugh B und C) sowie Lebertransplantierten werden allerdings schwere Covid-19-Verläufe häufiger beobachtet.

Warnung: Immunsuppressiva nicht eigenständig absetzen!

Das Europäische Referenznetzwerk für seltene Lebererkrankungen ERN-RARE LIVER (mit Sitz am Uniklinikum Hamburg) warnte kürzlich, dass Transplantierte sowie Patienten mit autoimmuner Hepatitis keinesfalls „in Eigenregie“ ihre Immunsuppressiva absetzen oder reduzieren sollten. Der Gedanke, hierdurch vermeintlich das Immunsystem zu stärken, kann für Patienten verheerende Folgen haben, wie z. B. Abstoßungen von transplantierten Lebern und schwere Entzündungsschübe bei autoimmuner Hepatitis. Es ist nicht einmal geklärt, ob Immunsuppressiva bei Covid-19 überhaupt schädlich sind – bei schweren Lungenentzündungen könnte ggf. auch das Immunsystem mitbeteiligt sein. Ob Immunsuppressiva bei Covid-19 eine schützende Wirkung haben könnten, ist jedoch ebenso wenig bewiesen und noch „Spekulation“, wie mit EASL, ESCMID und ERN gleich mehrere Fachverbände betonen.

Auch eventuelle Dosisreduktionen sollten, wenn überhaupt, nur in Absprache mit den Fachärzten erfolgen. Im Zweifelsfall sollten Patienten unter Immunsuppressiva mit ihren Ärzten Rücksprache halten, ob sie die Therapie unverändert weiterführen sollen oder eine Umstellung empfohlen wird.

Quelle: Deutsche Leberhilfe e.V. (Stellungnahme am 11. Juni 2020)

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