Gallensteine: Untersuchung, Diagnose & Behandlung

Untersuchungen & Diagnose

„Stumme" Gallensteine, die keine Schmerzen verursachen, werden häufig nur zufällig bei einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung des Oberbauches gefunden. Die Laborwerte dieser Patienten sind unauffällig.

Verursachen Gallensteine Beschwerden, kann oft schon aus der Schilderung der Symptome die Verdachtsdiagnose Gallensteinleiden gestellt werden. Ultraschall- und Blutuntersuchungen reichen dann meistens völlig aus, um den Verdacht zu bestätigen. Weitere Untersuchungen, wie z. B. eine Kernspintomographie der Gallenwege (MRCP) oder eine Endosonographie, müssen nur durchgeführt werden, wenn es spezielle Fragestellungen zu klären gibt. Auf Röntgenbildern lassen sich Gallensteine nachweisen, wenn sie verkalkt sind oder ein Kontrastmittel in das Gallensystem eingespritzt wurde.

Ultraschalluntersuchung

Die Oberbauch-Sonografie ist die Methode der Wahl zur Diagnostik von Gallensteinen. Gallensteine in der Gallenblase sind schon ab einer Größe von 1-2 Millimetern auf dem Ultraschallbild deutlich zu sehen. Die Wand der Gallenblase ist typischerweise zart (1-2 mm), und bei einer akuten Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) verdickt und meist mit einer Flüssigkeitsansammlung (Oedem) um die Gallenblase herum betont; typisch für die Cholezystitis ist eine Schichtung der Gallenblasenwand. Erweiterte Gallengänge sind ein indirektes Zeichen eines steinbedingten Gallengangverschlusses. Nur selten gelingt der direkte sonografische Nachweis von Steinen im Gallengang.

Blutuntersuchung

Bei der typischen Gallenkolik finden sich zumeist normale Blutwerte. Erst bei Auftreten einer Komplikation wie einer Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) zeigen sich erhöhte Entzündungswerte (Leukozyten, CRP). Durch einen Rückstau der Gallenflüssigkeit erhöht sich die Bilirubin-Konzentration im Blut. Auch die Werte für die Enzyme Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT) und alkalische Phosphatase (AP) sind dann erhöht. Bei einer steinbedingten, Bauchspeicheldrüsenentzündung (biliäre Pankreatitis) ist der Wert für das Enzym  Lipase erhöht.

Endosonografie und Kernspintomografie

Wenn sich Gallengangsteine nicht mittels klassischem Ultraschall nachweisen lassen, kann eine Endosonografie (Endoskopie mit im Endoskop eingebautem Ultraschallgerät) Klärung bringen. Hierbei führt der Arzt ein spezielles Endoskop über Speiseröhre und Magen in den Zwölffingerdarm bis vor die Gallengangsmündung (Papilla Vateri). Dort können der Gallengang und eventuelle Steine dann endosonografisch durch die Zwölffingerdarm-Wand hindurch exakt beurteilt werden. Ist die Methode der Endosonografie nicht verfügbar, können die Gallenwege ähnlich gut mittels einer speziellen Kernspintomografie untersucht werden (MRCP = Magnetresonanz-Cholangio-Pankreatikographie).

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Heftigkeit der Beschwerden, die durch die Gallensteine verursacht werden (Schmerzen, Koliken, Fieber oder gar Gelbsucht). Bei einer akuten Gallenkolik verschreibt der Arzt zunächst entzündungshemmende, schmerzlindernde und krampflösende Mittel sowie eine strikte Nulldiät. Liegt eine Entzündung der Gallenblase vor, wird er außerdem Antibiotika verabreichen. Nach einer Kolik sollte der Betroffene erst nach einigen Stunden wieder mit einer leichten Kost beginnen.
Wiederholen sich Schmerzanfälle oder liegt eine akute Gallenblasenentzündung vor, so muss im Regelfall die Gallenblase entfernt werden. Dafür gibt es eine Reihe von Methoden, die im Folgenden aufgeführt sind.
Nur so genannte „stumme" Gallensteine, die von ihren Trägern nicht bemerkt und rein zufällig während einer Ultraschalluntersuchung gefunden werden, bedürfen keiner Behandlung.
Nach einer Magenbypass-Operation ist eine vorbeugende („prophylaktische“) Medikation zur Verhinderung der häufig eintretenden Steinbildung ratsam.

Operation (Laparoskopie)

Wenn der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten es zulässt, kann der Arzt die Gallenblase während einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) herausnehmen. Dafür wird er möglichst einen beschwerdefreien Zeitraum abwarten. Eine akut entzündete Gallenblase hingegen muss er meist rasch innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen entfernen Insbesondere bei schwerer Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) kann mitunter eine offene Bauchoperation mit Schnitt anstatt einer schonenderen laparaskopischen Operation erforderlich sein.

Endoskopisch-retrograde Cholangiografie

Steine im Gallengang kann der Arzt mit Hilfe spezieller Körbchen entfernen. Hierzu wird ein spezielles Endoskop (Duodenoskop) über Speiseröhre und Magen in den Zwölffingerdarm an die Gallengangsmündung (Papilla Vateri) vorgeführt. Anschließend wird der Gallengang sondiert, mit Röntgen-Kontrastmittel angefärbt und dargestellt. Da dies von der Mündungsstelle her und endoskopisch erfolgt, heißt diese Methode endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikographie (kurz: „ERCP“). Um Steine aus dem Gang herauszuziehen, muss üblicherweise die Mündungsstelle etwas erweitert werden, was mittels eines kleinen Schnittes über einen elektrischen Draht erfolgt (sogenannt Papillotomie oder Sphinkterotomie). Sehr große oder festsitzende Steine können mit Zusatzverfahren zerkleinert und anschließend entfernt werden („Mechanische Lithotripsie“, Laser- oder elektrohydraulische Lithotripsie, extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie ( =„ESWL“). 

Chemolitholyse

Nicht verkalkte Cholesterinsteine lassen sich durch regelmäßige Einnahme einer bestimmten Gallensäure (Ursodeoxycholsäure) auflösen. Der Vorgang der Steinbildung wird hierbei umgekehrt. Voraussetzung ist, dass der Stein sehr klein ist und die Gallenblase noch vollständig funktionstüchtig ist und keine chronische Entzündung vorliegt. Allerdings dauert die Behandlung 12-18 Monate, und selbst dann sind die Steine maximal zu 70% aufgelöst. Das Risiko, innerhalb von fünf Jahren erneut Steine zu bekommen, ist verhältnismäßig hoch (über 50% der Fälle). Deshalb wird diese Methode heute nur noch bei speziell ausgewählten Einzelfällen angewandt.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Michael Sackmann, Bamberg

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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