Nierenschwäche (akut): Prognose & Vorsorge

Verlauf & Prognose

Ein akutes Nierenversagen verläuft meist in vier Stadien:

Schädigungsphase (Initialphase)

Diese Phase dauert einige Stunden bis Tage.

Oligo-/anurische Phase

Die Harnausscheidung geht deutlich zurück, so dass der Wasser- und Salzhaushalt gestört wird. Die Dauer dieser Phase liegt zwischen zwei Tagen und neun Wochen, in der Regel dauert sie jedoch zehn Tage.

Erholungsphase

Die Nieren erholen sich wieder und produzieren steigende Urin-Mengen von bis zu fünf Litern und mehr pro Tag. Die Erholungsphase dauert etwa drei bis zwölf Wochen.

Wiederherstellungsphase

Die Nierenzellen werden wieder mehr oder weniger funktionsfähig. Nicht immer heilen die Nieren vollständig aus. Diese Phase kann bis zu zwei Jahren dauern.

Der Verlauf eines akuten Nierenversagens hängt von der zugrunde liegenden Ursache und der Schwere der begleitenden Grunderkrankungen ab. Außerdem verbessert eine frühe Erkennung und Behandlung den Behandlungserfolg. Bei erhaltener Urinausscheidung ist die Prognose deutlich besser als bei fehlender Urinausscheidung.

Selbst bei einer raschen Behandlung verläuft eine akute Nierenschwäche immer noch fast bei jedem zweiten Betroffenen tödlich. Meist ist aber nicht die Nierenschwäche die eigentliche Todesursache, sondern die auslösende, oftmals schwere Grunderkrankung, z.B. ein Schock bei Sepsis oder bei akutem Herzinfarkt. Sind noch andere Organe zusätzlich geschädigt, verschlechtert dies ebenfalls die Prognose. Die häufigste Todesursache sind Infektionen, da der Körper durch die Erkrankung besonders anfällig für Krankheitserreger ist.

In vielen Fällen erholt sich die Nierenfunktion nach einer akuten Nierenschwäche wieder. Vor allem wenn Flüssigkeits- oder Blutverluste, niedriger Blutdruck oder Giftstoffe erfolgreich behandelt wurden, können die Nieren ihre Arbeit wiederaufnehmen.

Manchmal entwickelt sich aus einer akuten Nierenschwäche jedoch ein chronisches Nierenversagen mit Schädigungen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Dies ist meist bei Erkrankungen und Entzündungen der Nierenkörperchen (Glomeruli) der Fall. 10-15% der Patienten müssen dauerhaft mittels Nierenersatztherapie behandelt werden.

Vorsorge & Schutz

Patienten bestehender Nierenerkrankung und eingeschränkter Nierenfunktion sind besonders gefährdet, ein Nierenversagen zu erleiden. Vor der Einnahme von Medikamenten, die die Nieren schädigen können (wie z. B. bestimmte Antibiotika, Kontrastmittel und Schmerzmittel), sollten Sie Ihren Arzt unbedingt auf eine bekannte Nierenerkrankung hinweisen. Ist ihr Einsatz nicht zu vermeiden, so trinken Sie ausreichend.   

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Johannes Mann, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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