Nierenschwäche (akut): Ursachen & Risikofaktoren

Eine akute Nierenschwäche kann bei verschiedenen chronischen Erkrankungen auftreten. Dazu zählen schwere Fälle von Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Leberschwäche. Auch wenn die Nieren bereits vorgeschädigt sind, z. B. bei einer chronischen Nierenschwäche, steigt die Gefahr einer akuten Nierenschwäche.

Man unterscheidet verschiedene Formen des akuten Nierenversagens, je nachdem wodurch die Nieren geschädigt werden. Die unterschiedlichen Formen können gleichzeitig vorkommen oder ineinander übergehen:

„Vor" den Nieren liegende Ursachen (prärenale Nierenschwäche)

Mediziner sprechen von einer prärenalen (übersetzt: vor der Niere liegenden) Ursache einer akuten Nierenschwäche, wenn die Nierendurchblutung stark vermindert wird. In etwa 40% der Fälle von akuter Nierenschwäche besteht eine solche prärenale Ursache. Die Nierendurchblutung wird vor allem stark vermindert bei schweren Blutungen (z. B. während großer chirurgischer Eingriffe) und bei Flüssigkeitsverlusten wie durch Durchfallerkrankungen, durch hohes Fieber, durch Verbrennungen oder zu wenig Trinken (kommt fast nur bei alten, und besonders bei dementen Leuten vor). Auch bestimmte Herzerkrankungen (z. B. Herzschwäche oder Herzinfarkt mit Schock), Schock anderer Ursache - wie z.B. bei Sepsis oder Schock bei schweren allergischen Reaktionen - führen zu einer massiven Verminderung der Durchblutung der Nieren.

„Hinter" den Nieren liegende Ursachen (postrenale Nierenschwäche)

Harnsteine, Infektionen, sowie bei Männern eine Vergrößerung der Prostata können Harnleiter oder Blase ganz oder teilweise blockieren und so den Abfluss von Harn behindern. Dieser staut sich dann bis in die Nieren zurück und führt zu einem Funktionsverlust der Nieren. Mediziner sprechen dann von einer postrenalen (übersetzt: hinter der Niere liegenden) Nierenschwäche. Verschiedene Tumore können ebenfalls zu einem Urinstau führen. Dazu gehören Geschwülste in:

  • Harnblase
  • Gebärmutterhals
  • Darm
  • Prostata
  • Harnröhre

Innerhalb der Niere liegende Ursachen (intrarenale Nierenschwäche)

Die Nieren können auch selbst so plötzlich erkranken, dass eine akute Nierenschwäche entsteht: Mediziner sprechen dann von einer intrarenalen Ursache. Typische Krankheiten sind Entzündungen der Nieren, z.B. durch Bakterien, die eine Nierenbeckenentzündung (lateinisch: Pyelonephritis) hervorrufen. Auch ohne den Einfluss von Bakterien und anderen Erregern können sich die Nieren entzünden, z.B. bei Allergien des Nierengewebes oder bei Autoimmunerkrankungen der Nierenkörperchen. Mediziner dann von interstitieller Nephritis oder Glomerulonephritis (Glomerulus bedeutet Nierenkörperchen, Nephritis bedeutet Nierenentzündung).

Die Nieren werden auch direkt durch bestimmte Schadstoffe geschädigt; dazu zählen:

  • Drogen
  • nierenschädigende Medikamente
  • Röntgenkontrastmittel
  • Schwermetalle (z. B. Gold, Quecksilber, Blei)
  • Pilze
  • Schlangengifte

Abbauprodukte von Blut- und Muskelzellen im Blut können ebenfalls die Nieren angreifen. Wird Muskulatur durch Autoimmunerkrankungen (z. B. Dermatomyositis, Polymyositis), körperliche Überforderung (z. B. Marathonlauf), Alkohol, Infektionen (z. B. Tetanus), Drogen oder Schlangenbisse zerstört, kann dies ebenfalls eine akute Nierenschwäche zur Folge haben.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Johannes Mann, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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