Nierenschwäche (akut): Untersuchungen & Diagnose

Je früher der Arzt die Ursachen für eine akute Nierenschwäche findet, desto besser kann er die Erkrankung behandeln. Da die Krankheitszeichen bei einer akuten Nierenschwäche oft schwer zu deuten sind, achtet der Arzt besonders auf mögliche auslösende Erkrankungen oder Ereignisse. Daher spielt die Krankengeschichte des Patienten und eine körperliche Untersuchung eine entscheidende Rolle bei der Diagnose. Hinweise auf vorbestehende Nierenschäden, andere chronische Erkrankungen und auf die Einnahme bestimmter Medikamente sind ebenfalls wichtig.

Die Prüfung von Blutdruck sowie Atem- und Herzfrequenz sowie die Beschaffenheit der Haut und die Füllung der Halsvenen geben dem Arzt Hinweise auf den Flüssigkeitshaushalt und somit auf ein mögliches prärenales Nierenversagen. Dadurch kann er mögliche Komplikationen wie Infektionen, Herzrhythmusstörungen oder Lungenödeme frühzeitig erkennen. Außerdem misst man engmaschig die Menge des ausgeschiedenen Urins. Mittels einer Ultraschalluntersuchung kann sehr rasch und eindeutig ein postrenales Nierenversagen erkannt werden mit Stau in den Harnwegen. Bei Hinweisen auf Schädigung der Nierenkörperchen kann die Durchführung einer Punktion der Niere zur Gewebeentnahme und histologischen Diagnosesicherung nötig werden.

Blutuntersuchung

Wenn die Nieren das Blut nicht mehr ausreichend filtern können, reichern sich im Blut Kreatinin und Harnstoff an. Der Arzt kann dies durch eine Analyse der Blutwerte kontrollieren. Je mehr Kreatinin und Harnstoff im Blut zu finden ist, desto schwächer ist die Filterfunktion der Nieren. Der Kreatinin-Normalwert liegt bei 8-12 Milligramm pro Liter Blut, die normale Harnstoffkonzentration im Blut zwischen 200 und 450 Milligramm/Liter. Die meisten Labore geben diese Mengen pro 100ml nicht pro Liter an!

Die Konzentration von Kreatinin im Blut wird im klinischen Alltag für eine erste Einschätzung der Nierenfunktion verwendet. Dies ist jedoch nicht sehr genau, da der Kreatinin-Wert erst ansteigt, wenn die Nierenfunktion um etwa die Hälfte abgefallen ist. So kann eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion übersehen werden.

Besser geeignet für eine frühe Diagnose ist die so genannte Kreatinin-Clearance, die angibt, wie schnell die Nieren Kreatinin aus dem Blut herausfiltern können. Eine verminderte Kreatinin-Clearance findet sich vor dem Anstieg des Kreatinins im Blut und kann daher schon früh eine Schädigung der Nieren anzeigen.

Darüber hinaus lässt der Arzt die Anzahl der weißen Blutkörperchen sowie weitere Blutwerte bestimmen, wie z. B. das C-reaktive Protein, Leberwerte und Fettwerte. Das C-reaktive Protein wird während entzündlicher Vorgänge in der Leber vermehrt gebildet und kann den Verlauf einer Nierenschwäche anzeigen. Zusammen mit dem Blutbild, das bei entzündlichen Vorgängen erhöhte weiße Blutkörperchen aufweist, lassen sich so neben der Klinik Entzündungen im Körper nachweisen.

Urinuntersuchung

Da normalerweise im Urin nur wenig oder kein Eiweiß vorkommt, ist eine Ausscheidung von Eiweiß über den Urin ein wichtiger Hinweis auf das Vorliegen einer Nierenkrankheit. Bei einer gesunden Niere ist das Filtergewebe so dicht, dass höchstens 200 Milligramm Eiweiß pro Tag im Urin ausgeschieden werden. Regelmäßige Messungen der Eiweißausscheidung sind auch ein wichtiger Bestandteil der Überwachung des Krankheitsverlaufs, da bei fortschreitender Erkrankung oft immer mehr Eiweiß im Urin nachweisbar ist.

Ein Urinschnelltest mit Teststreifen erlaubt dem Arzt eine erste Einschätzung der Nierenfunktion. Die Teststreifen schätzen den Eiweißgehalt im Urin. Ist das Testergebnis auffällig, muss der Urin auf Art und Menge dieser Eiweiße weiter getestet werden.

Die so genannte Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist ein weiterer Laborwert, durch den der Arzt eine akute Nierenschwäche über den Urin früh erkennen kann. Mit ihrer Hilfe kann er den Schweregrad der Erkrankung einschätzen. Der Normalwert der Glomerulären Filtrationsrate für Kreatinin liegt bei 95-130 Milliliter pro Minute. Das heißt, eine gesunde Niere reinigt pro Minute mindestens 95 Milliliter Blut von Kreatinin, und scheidet es über den Urin aus.

Bei einer mikroskopischen Untersuchung des Urins, dem so genannten Urinsediment, sucht der Arzt nach roten und weißen Blutkörperchen und sogenannten Zylindern, die wichtige Hinweise geben können auf die zugrunde liegende Nierenerkrankung.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Johannes Mann, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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