Chronische Nierenschwäche: Erste Anzeichen & Symptome

Erste Anzeichen

Zu Beginn äußert sich eine chronische Nierenschwäche oft nur durch geringe Krankheitszeichen oder verläuft sogar völlig symptomfrei. Häufig werden die Nierenprobleme durch die Symptome der Grunderkrankung überlagert, also z. B. durch die Beschwerden eines Diabetes oder einer Vaskulitis.

Frühe Symptome einer Nierenkrankheit können sein:

  • Vermehrte Ausscheidung von wenig gefärbtem, hellem Urin
  • Erhöhter Blutdruck
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) an den Beinen, um die Augen oder am ganzen Körper
  • Roter Urin

Symptome

Ein schleichender Verlauf mit wenig oder keinen Beschwerden ist charakteristisch für eine chronische Nierenschwäche. Ein erstmals auftretender Bluthochdruck von über 140/90 mmHg bzw. ein zunehmend schwerer einzustellender Bluthochdruck können ein frühes Krankheitszeichen sein.

Viele Patienten bilden oft hellen, wenig konzentrierten Urin und lagern Wasser in der Haut und in der Unterhaut ein (Ödeme). Schäumender Urin beim Wasserlassen kann ein Hinweis auf Eiweiße im Urin sein. Eine gesunde Niere scheidet pro Tag höchstens 200 Milligramm Eiweiß aus, davon höchstens 30 Milligramm des Bluteiweißes Albumin. Bei höheren Werten spricht man von einer Mikroalbuminurie, ab 300 Milligramm Albumin pro Tag von Proteinurie. Manche Patienten scheiden zudem Blut mit dem Urin aus. Geschieht dies in größeren Mengen, so ist der Urin rot gefärbt (Makrohämaturie). Meist ist jedoch nur so wenig Blut im Urin, dass es mit bloßem Auge nicht sichtbar ist und nur durch Teststreifen erkannt werden kann (Mikrohämaturie).

Mit fortschreitendem Funktionsverlust können die Nieren ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Es kommt zu Störungen des Wasserhaushaltes, des Säure-Basen- und des Elektrolythaushaltes sowie anderer Organsysteme. Außerdem ist der Körper anfälliger für Infektionen. Da die Nieren nicht mehr genügende Mengen des blutbildenden Hormons Erythropoetin (EPO) bilden, geht die Anzahl der roten Blutkörperchen zurück. Eine solche Blutarmut (Anämie) führt zu Müdigkeit, Schwäche, Konzentrationsschwierigkeiten und abnehmender körperlichen Belastbarkeit.

Eine auffällige Blässe der Haut ist ein möglicher weiterer klinischer Hinweis. Außerdem leiden die Patienten kurz vor dem Beginn einer Dialyse oft unter Übelkeit, Erbrechen oder Durchfällen. Weitere Symptome können Gedächtnisstörungen, Juckreiz und Brennen in den Beinen und Muskel- und Knochenschmerzen sein.

Im fortgeschrittenen Stadium einer chronischen Nierenschwäche sind nahezu alle Organsysteme durch die fehlende Entgiftungsfunktion der Nieren geschädigt (urämisches Syndrom). Es finden sich krankhafte Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem, im blutbildenden System, im Magen-Darm-Trakt, im peripheren und zentralen Nervensystem, der Haut, dem Hormonsystem und den Knochen.

Typische Symptome einer Nierenschwäche im Endstadium (terminales Nierenversagen) sind:

  • Nicht mehr einzustellender Bluthochdruck
  • Rückgang der Urinmenge
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Luftnot
  • Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit
  • Unregelmäßiger Herzschlag
  • Benommenheit, Schläfrigkeit
  • Krämpfe, Koma

Mit Hilfe der so genannten Glomerulären Filtrationsrate (GFR) wird die chronische Nierenschwäche in fünf Stadien eingeteilt. Die GFR ist ein Laborwert, der bei normal funktionierenden Nieren bei 90-130 Milliliter pro Minute liegt. Das heißt, eine gesunde Niere reinigt pro Minute mindestens 90 Milliliter Blut von frei filtrierbaren Stoffen und scheidet diese über den Urin aus.

Stadium I: GFR größer als 90 Milliliter/Minute

In dieser Phase haben die Patienten oft keinerlei Symptome. Die Blutwerte für Kreatinin sind noch normal, lediglich die Eiweißausscheidung über den Urin kann erhöht sein oder es gibt andere Hinweise, z. B. im Ultraschall, auf eine Nierenkrankheit. Werden mögliche Ursachen bereits jetzt erkannt, kann eine Verschlechterung der Erkrankung sehr oft noch verhindert werden.

Stadium II: GFR zwischen 60-89 Milliliter/Minute

Auch in diesem Stadium ist die Nierenschwäche oft noch nicht über Blutuntersuchungen zu erkennen. Die Nieren scheinen weiterhin ausreichend zu funktionieren, aber genauere Untersuchungen zeigen eine Nierenkrankheit z. B. mit Messung von Urineiweiß oder mit Ultraschall. Außerdem können genauere Messungen, z.B. die Kreatininclearance, eine beginnende Nierenschwäche nachweisen.

Stadium III: GFR zwischen 30-59 Milliliter/Minute

Die Nierenschädigung ist nun soweit fortgeschritten, dass auch im Blut erhöhte Kreatinin- und Harnstoffwerte gemessen werden. Die Betroffenen leiden unter Bluthochdruck, Leistungsminderungen und rascherer Ermüdung. Im Stadium III steigt zudem das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich an. Die Symptome lassen verschiedene Interpretationen zu und deuten nicht zwangsläufig auf eine Nierenschwäche hin. Medikamente, die normalerweise über die Nieren wieder ausgeschieden werden, müssen jetzt in ihrer Dosis reduziert werden, damit sie keine Nebenwirkungen verursachen.

Stadium IV: GFR zwischen 15-29 Milliliter/Minute

In diesem Stadium sind bereits so viele Nierenzellen defekt, dass die mangelhafte Ausscheidung der Giftstoffe den gesamten Organismus in Mitleidenschaft zieht. Die Beschwerden nehmen deshalb zu: Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Übelkeit, Nervenschmerzen, Juckreiz und Knochenschmerzen. Weil der Körper weniger Salze und Wasser ausscheidet, kommt es außerdem zu Ödemen.

Stadium V: GFR unter 15 Milliliter /Minute

Ist die Nierenfunktion sehr stark eingeschränkt oder fallen die Nieren vollständig aus, spricht man auch von einer terminalen Niereninsuffizienz. Das Blut muss in diesem Stadium regelmäßig durch eine Blutwäsche (Dialyse) von Giftstoffen gereinigt werden, ansonsten wird der Körper vergiftet. Trotz regelmäßiger Blutwäsche kann es bei einer terminalen Niereninsuffizienz dennoch zu einer gelblichen Verfärbung der Haut und zu Hautjucken kommen. Beides liegt an der Einlagerung von Substanzen in die Haut, die eigentlich über den Urin ausgeschieden werden müssten.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Johannes Mann, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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