Nierenschwäche (chronisch): Ursachen & Risikofaktoren

Häufige Ursachen einer chronischen Nierenschwäche sind die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und der Bluthochdruck, auf die jeweils etwa 35% aller Fälle zurückgehen. 15% der Nierenschwäche-Patienten leiden unter entzündlichen Erkrankungen der Nierenkörperchen, den so genannten Glomerulonephritiden. Erbliche Erkrankungen wie Zystennieren (8%) sowie nierenschädigende Medikamente oder chronische Nierenbeckenentzündungen (je 5%) sind weitere Ursachen. Die verschiedenen Erkrankungen führen unterschiedlich schnell zu einem Abfall der Nierenfunktion.

Blutzucker und Blutdruck beeinflussen Entstehung und Fortschreiten einer chronischen Nierenschwäche maßgeblich. Bereits ein leicht erhöhter Blutdruck kann eine Nierenschwäche zusammen mit einem Diabetes rascher voranschreiten lassen. Der systolische Druck liegt bei gesunden Menschen im Bereich von 110-130 mmHg, der diastolische Druck zwischen 70-80 mmHg. Ein Druck von 140/90 und darüber gilt als erhöhter Blutdruck.

Allerdings sind die Gründe für eine chronische Nierenschwäche nicht in jedem Fall bekannt. Es scheint eine genetische Veranlagung dafür zu geben, da Menschen mit nierenkranken Verwandten ebenfalls leichter an einer Nierenschwäche erkranken. Außerdem weiß man heute, dass auch Übergewicht und Rauchen die Gefahr einer chronischen Nierenschwäche erhöhen können.

Zuckerkrankheit

Häufige Ursache einer chronischen Nierenschwäche ist Diabetes. Bleibt der Blutzuckerspiegel längere Zeit erhöht, besteht die Gefahr einer chronischen Nierenerkrankung. Ein erhöhter Blutzucker schädigt auf Dauer die Wände der Blutgefäße. Dies behindert den Blutfluss und damit den Nährstofftransport zu den Organen. Die Spätschäden des Diabetes an den Nieren nennt man auch diabetische Nephropathie.

Durch die Schädigung der kleinen Blutgefäße in den Nieren wird ihre die Wand durchlässiger. Kleine Eiweißpartikel, so genannte Albumine, schlüpfen durch die Gefäßwände hindurch und werden mit dem Urin ausgeschieden. Der Nachweis von Albumin im Urin ist das erste Alarmzeichen dafür, dass die Zuckerkrankheit die Nieren schädigt. Die Verengung der kleinen Blutgefäße in den Nieren hat auch zur Folge, dass das Nierengewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird und die Nierenzellen absterben.

Glomerulonephritiden

Die Nierenkörperchen sind die „Mikrofilter" der Nieren und werden auch als Glomeruli bezeichnet. Sie bestehen aus winzigen zusammengeknäuelten Blutgefäßen und filtern Salze, Stoffwechselprodukte, Schadstoffe und vor allem Flüssigkeit aus dem Blut. Jede Niere hat etwa ein halbe bis eine Million Glomeruli. Der Kontakt mit Schadstoffen im Blut kann dazu führen, dass sich die Nierenkörperchen entzünden. Die Entzündungen betreffen immer beide Nieren und mehr oder minder stark alle Nierenkörperchen.

Zystennieren

Diese angeborene Nierenfehlbildung führt in der Regel ab dem 40. Lebensjahr zu einer Nierenschwäche. Zahlreiche flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten) schränken die Funktion des Nierengewebes ein. Im Kindesalter sind diese Zysten klein, füllen sich im Laufe des Lebens immer mehr mit Flüssigkeit und verdrängen dann das normale Nierengewebe. So entsteht dann die Nierenschwäche, die oft im sechsten Lebensjahrzehnt zur Dialyse führt.

Bluthochdruck

Bluthochdruck kann sowohl Ursache als auch Folge einer chronischen Nierenschwäche sein. Einerseits schädigt ein hoher Blutdruck die Nierenkörperchen (Glomeruli), so dass diese nach und nach ausfallen. Auf der anderen Seite werden bei nachlassender Nierenfunktion vermehrt blutdrucksteigernde Hormone gebildet. Außerdem verbleibt zu viel Salz und Wasser im Körper, was den Blutdruck ebenfalls ansteigen lässt.

Eine gestörte Nierenfunktion und Bluthochdruck bedingen und verstärken sich also gegenseitig. In vielen Fällen sind Bluthochdruck-Patienten deshalb gleichzeitig auch Nieren-Patienten und umgekehrt.

Medikamente

Als wichtiges Ausscheidungsorgan des Körpers filtern die Nieren auch viele Medikamente oder deren Abbauprodukte. Einige dieser Substanzen können das Nierengewebe jedoch schädigen. Solche Nierenschäden durch Medikamente sind generell selten und treten entweder nur bei sehr hohen Dosen auf (Beispiel Paracetamol, siehe auch weiter unten) oder bei Patienten mit bestimmten Risiken. So schädigt z. B. Diclofenac eher die Nieren älterer Personen mit Arteriosklerose, die Blutdrucksenker und harntreibende Substanzen einnehmen. Medikamente, die gelegentlich solche Nierenschäden hervorrufen können, sind beispielsweise:

  • Schmerzmittel: z. B. Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac
  • Antibiotika: z. B. Aminoglykoside (Amikacin, Gentamycin, Neomycin oder Streptomycin)
  • Krebsmedikamente (Chemotherapeutika)
  • Jodhaltige Kontrastmittel

Freiverkäufliche Schmerzmittel, können bei dauerhafter Einnahme die Nieren schädigen. So kann der Wirkstoff Paracetamol ab einer Gesamtdosis von 1.000 Gramm nierenschädigend wirken - eine Menge, die bei zweimal täglicher Einnahme von 500-Milligramm-Tabletten nach drei Jahren erreicht wird. Auch bei der Dauereinnahme von Pantoprazol und anderen Blockern der Magensäure (sogen. PPIs) wird eine Nierenschädigung in letzter Zeit vermehrt diskutiert.

Bei unsachgemäßer Anwendung oder falscher Dosierung oder können auch Bluthochdruckmittel und harntreibende Medikamente (Diuretika) ein eher akutes Nierenversagen auslösen.

Erkrankungen der Blutgefäße

Chronische Erkrankungen der Blutgefäße können die Nierenfunktion beeinträchtigen. Gefäßerkrankungen können zu einem verringerten Blutfluss führen und so eine Minderdurchblutung der Nieren auslösen. Ablagerungen von Kalk und Fetten (sog. Plaques) an der Gefäßwand, wie z. B. bei einer Arteriosklerose, können die Gefäße allmählich komplett verschließen, so dass das dahinter liegende Nierengewebe gar nicht mehr durchblutet wird und abstirbt. Dies kann auch Blutgefäße betreffen, die außerhalb der Nieren liegen. Entsteht beispielsweise eine Engstelle zwischen der Bauchschlagader (Aorta) und der Niere, spricht man von einer Nierenarterienstenose.

Blutgefäße können sich auch entzünden, man spricht dann von Vaskulitis (aus dem Lateinische vas für Blutgefäß). Solche Gefäßentzündungen spielen sich manchmal nur an der Niere ab, häufiger sind die Niere und andere Organe betroffen. Sie verlaufen oft sehr rasch, d.h. die Nierenfunktion kann innerhalb von Wochen komplett verloren gehen. Erfreulicherweise haben die Ärzte sehr gute Medikamente um Gefäßentzündungen zu heilen, jedenfalls bei rechtzeitiger Diagnose.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Johannes Mann, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.