Chronische Nierenschwäche: Behandlung

Eine unbehandelte chronische Nierenschwäche führt oft nach Jahren zu einem völligen Versagen der Nieren (terminale Niereninsuffizienz), insbesondere bei Erbkrankheiten der Nieren oder wenn viel Eiweiß im Urin vorhanden ist. Je mehr eine Behandlung die Eiweißwerte im Blut verringern kann, desto eher kann sie ein völliges Nierenversagen verhindern.

Ziel einer jeden Behandlung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Eine völlige Heilung ist zwar in den meisten Fällen nicht möglich, je früher aber eine Nierenschwäche behandelt wird, desto höher sind die Erfolgsaussichten. Bei manchen erblichen Erkrankungen wie der familiären Zystenniere gibt es allerdings bis heute keine Therapie.

Man unterscheidet zwischen einer Behandlung der Erkrankung, die der Nierenschwäche zu Grunde liegt, z. B. Diabetes, Bluthochdruck oder Glomerulonephritis, sowie einer symptomatischen Behandlung, welche die Auswirkungen der Nierenschwäche mildern soll, z. B. Blutarmut, Ödeme, Kalium-Anstieg. Die frühzeitige Therapie der Grunderkrankung ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung einer Nierenschwäche.

Ist eine Nierenschwäche noch nicht allzu weit fortgeschritten, kann sie mit Medikamenten behandelt werden. Später ist meist eine künstliche Blutreinigung (Dialyse) oder eine Nierentransplantation erforderlich.

Medikamentöse Behandlung

Diabetesmedikamente

Bei einem Diabetes mellitus kommen blutzuckersenkende Medikamente, bei Bluthochdruck blutdrucksenkende Mittel und bei Entzündungen der Nierenkörperchen entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck und eine permanente Kontrolle dieser beiden Werte können das Auftreten einer Nierenerkrankung von vornherein verhindern bzw. das Fortschreiten einer bestehenden Nierenschwäche verlangsamen.

Blutdruckmedikamente

Bei Patienten mit Bluthochdruck können blutdrucksenkende Mittel das Fortschreiten der abnehmenden Nierenfunktion verlangsamen. Hierbei werden bevorzugt so genannte ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten eingesetzt, die neben der blutdrucksenkenden Wirkung auch die Nieren kaum belasten. Bedeutsam ist, dass die nierenschützende Wirkung der ACE-Hemmer blutdruckunabhängig ist. So werden die ACE-Hemmer auch bei normalen Blutdruckwerten verordnet. Als Zielwert gilt ein Blutdruck von 130/80. Um dies zu erreichen, müssen in vielen Fällen mehrere Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen eingesetzt werden. Die Patienten können die medikamentöse Therapie durch körperliche Aktivität, kein Nikotin und kochsalzarme Ernährung unterstützen.

Entzündungshemmer

Entzündungen der Nierenkörperchen (Glomerulonephritiden) können mit Medikamenten, welche die Aktivität des Immunsystems verringern, behandelt werden. Zu diesen so genannten Immunsuppressiva gehören Medikamente wie z. B. Kortison, Cyclosporin oder Cyclosphosphamid.

Hormone

Da bei einer Nierenschwäche auch die Bildung neuer roter Blutkörperchen zurückgeht, wird bei einer Blutarmut (renalen Anämie) das Nierenhormon Erythropoetin (Epo) verabreicht, das die Blutneubildung fördert und so die Anzahl der roten Blutkörperchen erhöht. Vor Einsatz von Epo wird der Arzt die Eisenmenge im Körper messen, denn bei chronischer Nierenschwäche und Blutarmut fehlt häufig auch Eisen.

Fettsenker

Blutfettsenkende Medikamente, z. B. Statine, werden zur Behandlung von erhöhten Cholesterinwerten und zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose eingesetzt.

Diuretika und Phosphatbinder

Harntreibende Medikamente, so genannte Diuretika, erhöhen die Salz- und Wasserausscheidung. Zwar können die Mittel die Harnmenge vergrößern, sie verbessern jedoch nicht die Entgiftungsfunktion der Nieren. Wenn eine phosphatarme Diät bei fortschreitender Abnahme der Nierenfunktion die Phosphat-Werte nicht mehr stabil halten kann, kommen so genannte Phosphatbinder zum Einsatz, z. B. Kalziumkarbonat, Kaliumazetat, Kalziumzitrat. Diese binden einen Teil des Phosphats in der Nahrung bereits im Magen-Darmtrakt. Sie sollten in der richtigen Dosierung unmittelbar vor oder zu Beginn des Essens eingenommen werden.

Eine Behandlung mit Vitamin D und/oder Vitamin-D-Analoga dient ebenfalls dazu, den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel zu normalisieren.

Dialyse

Nach den heutigen Vorgaben wird die Einleitung einer Nierenersatztherapie (Dialyse) spätestens bei einer Kreatinin-Clearance von weniger als 5-10 Milliliter/Minute empfohlen, bei Diabetes-Patienten auch früher. Wenn ein Patient bereits unter einer Schädigung vieler Organe (urämisches Syndrom) leidet oder wenn Ödeme oder Bluthochdruck sich anders nicht mehr unter Kontrolle bringen lassen, sollte auch schon früher mit der Nierenersatztherapie begonnen werden.

Wichtig ist, dass die Vorbereitung und Einleitung einer Nierenersatztherapie rechtzeitig erfolgt. Ein ausreichender Ernährungszustand, ein gut eingestellter Blutdruck und ein ausgeglichenes Blutbild sind wichtige Voraussetzungen.

Kommt es trotz aller therapeutischen Maßnahmen zu einer terminalen Niereninsuffizienz, kann nur noch eine Dialyse oder Nierentransplantation helfen. Dies ist dann der Fall, wenn die Folgen der Nierenfunktionseinschränkungen durch eine angepasste Ernährung und Medikamente nicht mehr beherrschbar sind. Da ein frühzeitiger Beginn die Behandlungsaussichten verbessert, sollte rechtzeitig mit den Vorbereitungen dafür begonnen werden. Es gibt heute zwei verschiedene Blutreinigungsverfahren: einerseits die Hämodialyse als das am häufigsten angewandte Verfahren, und andererseits die Bauchfelldialyse.

Nierentransplantation

Bei einer Nierentransplantation erhält ein Nieren-Patient eine gesunde Niere von einem lebenden oder verstorbenen Spender. Dabei verpflanzt der Chirurg dem Patienten entweder eine Niere von einem gestorbenen oder von einem lebenden Verwandten oder nahe stehenden Menschen. Dies ist ohne gesundheitliche Einschränkungen für den Spender möglich, da von den beiden Nieren, die jeder Mensch in der Regel besitzt, eine einzelne, für die Blutreinigung und Urinbildung ausreicht.

Voraussetzung zur Organentnahme für eine Spende von einem Verstorbenen ist nach dem 1997 in Kraft getretenen Transplantationsgesetz in Deutschland die Feststellung des Hirntodes. Bei einer Lebendspende dürfen keine wirtschaftlichen Beweggründe oder emotionalen Zwänge die Entscheidung für die Spende beeinflussen. Voraussetzung ist, dass die Blutgruppe und andere bestimmte genetische Merkmale von Spender und Empfänger übereinstimmen, damit die neue Niere nicht vom körpereigenen Immunsystem des Empfängers abgestoßen wird.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Johannes Mann, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.