Ursachen und Risikofaktoren für Potenzstörungen

Eine neu aufgetretene erektile Funktionsstörung kann ein erstes Anzeichen für eine beginnende Gefäßerkrankung sein, die zu einer Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose) führen kann.

Durch die altersbedingte Zunahme von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren (wie z. B. Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, erhöhte Blutfettwerte u.a.) werden die Wände der Blutgefäße geschädigt, es kommt zu einer sogenannten „endothelialen Dysfunktion“, das heißt die Blutgefäße können ihre Gefäßweite weniger gut regulieren, die Durchlässigkeit der Gefäßwand und die Interaktion mit den Blutplättchen sind gestört. Damit wird auch die Durchblutung der Penisschwellköper beeinträchtigt, zumal wichtige Neurotransmitter wie z.B. Stickoxide und Prostaglandine ebenfalls abnehmen.

Eine Erektionsstörung kann auch ein Hinweis auf eine beginnende koronare Herzkrankheit sein, also einer Erkrankung, bei der die Durchblutung der Herzkranzgefäße gestört ist. Die koronare Herzkrankheit geht einher mit einem hohen Risiko für akute Durchblutungsstörungen des Herzens, die zu einem Herzinfarkt führen können. Außerdem kann eine Arteriosklerose zu Durchblutungsstörungen der gehirnversorgenden Blutgefäße führen, was zu einem Schlaganfall führen kann.

In höherem Alter kann eine gutartige Prostatavergrößerung die Ursache für Potenzstörungen darstellen. Symptome einer Prostatavergrößerung sind nächtliches Urinieren, schwacher Urinstrahl, starker Harndrang bis hin zur Dranginkontinenz sowie eine unvollständige Entleerung der Blase, die sogenannte Restharnbildung. Als Faktoren, die zu einer Potenzstörung bei vergrößerter Prostata beitragen, kommen unter anderem die chronische Sauerstoffminderversorgung des Gewebes bei Arteriosklerose sowie eine altersbedingte Abnahme der wichtigen Neurotransmitter in Frage. Auch Medikamente wie z. B. Finasterid oder Tamsulosin, die zur Therapie einer vergrößerten Prostata eingesetzt werden, können Libido-, Erektions- und Ejakulationsstörungen verursachen. Insgesamt leiden ca. 50-70 % aller Männer mit vergrößerter Prostata unter Potenzstörungen.

Ein Libidomangel, also eine Störung des sexuellen Verlangens (der sexuellen Appetenz) kann bedingt sein durch zu niedrige Werte an männlichen Sexualhormonen. Testosteron ist maßgeblich für die Libido (sexuelle Begierde) des Mannes verantwortlich. Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel, daher sind vor allem bei älteren Männern sowohl die Potenz als auch die Libido, also die Erektionsfähigkeit des Penis und das Sexualverlangen, vermindert.

Als Ursache für Libidoverlust könnte auch eine nicht ausgelebte Sexualpräferenz (z. B. Homosexualität) oder Geschlechtsidentitätsstörung (z. B. Transsexualität) vorliegen.

In sehr seltenen Fällen kann die Ursache eines niedrigen Testosteronwertes auf einen gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse zurückzuführen sein. Entweder weil die Raumforderung des Tumors die Bildung von Testosteron-stimulierenden Hormonen unterdrückt, oder weil der Tumor selbst ein Zuviel an Hormonen, wie z. B. Prolaktin, produziert, welche die Testosteron-stimulierenden Hormone unterdrücken. Eine Erhöhung von Prolaktin kann auch durch die Einnahme verschiedener Medikamente, wie z. B. Risperidon oder Haloperidol, verursacht werden.

In manchen Fällen kann eine Erkrankung der männlichen Keimdrüsen, ein sogenannter primärer Hypogonadismus vorliegen. Hier liegt eine Problematik am Hoden vor, welche die Testosteronproduktion und/oder die Spermienproduktion beeinträchtigen. Als Ursachen kommen erworbene Erkrankungen (z. B. eine Hodentorsion nach Trauma oder Hodentumore), Medikamente (z. B. nach einer Chemotherapie), Infektionen (z. B. Mumps) oder angeborene Störungen (z.B. Klinefeltersyndrom) in Frage.

Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können zu einem Libidoverlust führen. In manchen Fällen geht der Libidomangel auch auf die Einnahme bestimmter Medikamente wie z. B. Neuroleptika oder Antidepressiva zurück, die zur Therapie von psychischen Störungen und Depressionen eingesetzt werden.

Eine verminderte Zeugungsfähigkeit wird häufig durch fehlende oder deformierte Spermien verursacht, aber auch angeborene Fehlbildungen, wie z. B. das Fehlen des Samenleiters oder Fehlbildungen der Hoden. Sie kann aber auch die Folge von kindlichem Hodenhochstand, von einer Hodentumorbehandlung (Chemotherapie oder Bestrahlung im Bereich der Hoden oder des Kopfes) oder von Infektionen der Prostata, des Hodens oder des Nebenhodens sein. Auch einige Medikamente, Drogen oder Nikotin können die Spermienbildung beeinträchtigen.

Zusammenfassung der Risikofaktoren für die Entwicklung einer Potenzstörung:

  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Typ-2-Diabetes
  • Erhöhte Cholesterinwerte (erhöhtes LDL-Cholesterin, erniedrigtes HDL-Cholesterin)
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Nikotinkonsum (Rauchen von Tabak oder E-Zigaretten), Drogenmissbrauch
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Vergrößerte Prostata
  • Testosteronmangel
  • Infektionen (u.a. des Urogenitaltraktes)
  • Neurologische Erkrankungen
  • Nieren- und Lebererkrankungen
  • Bestrahlungen
  • Genetischer Defekt

 

 

Autor/Autoren: Wissenschaftliche Ausarbeitung: Dr. med. Kathrin Popp, München

Experte: Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. med. Günter K. Stalla, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: J. Meyer et al. ; Elsevier, 11/2018

Letzte Aktualisierung: 11.02.2020

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