Potenzstörungen: Diagnostik und Untersuchungen

Betroffene sollten sich einen ärztlichen Ansprechpartner suchen. Hierfür eignet sich der Hausarzt ebenso wie ein Androloge (Facharzt der Männerheilkunde), ein Urologe (Facharzt der harnbildenden und harnableitenden Organe) oder ein Endokrinologe (Facharzt für hormonelle Leiden). Der Arzt wird spezielle Fragen über das Sexualverhalten und -verlangen stellen und daraus die notwendigen Untersuchungen ableiten. Diese Fragen beziehen sich auf nächtliche und morgendliche Spontanerektionen, Vorerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus, Bluthochdruck, bekannte Gefäßerkrankungen, Operationen, einzunehmende Medikamente, Konsum von Alkohol und Drogen, psychische Erkrankungen sowie neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel Neuropathie, Bandscheibenvorfälle, Parkinsonsyndrom, Multiple Sklerose und Schlafapnoesyndrom.

Im Mittelpunkt der körperlichen Untersuchung stehen die Hoden und die Prostata. Bei der digitalen rektalen Tastuntersuchung der Prostata wird die Funktion des Schließmuskels überprüft und die Oberfläche und Größe der Prostata über den After mit den Fingern abgetastet. Gegebenenfalls wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Dazu wird über den Analkanal eine Untersuchungssonde eingeführt, um die Prostata detailliert betrachten zu können. Die Hoden werden abgetastet, um mögliche Verhärtungen oder Wassereinlagerungen festzustellen. Wenn nötig, wird ein Ultraschall der Hoden durchgeführt. Dabei werden die Größe und Beschaffenheit der Hoden und Nebenhoden beurteilt

Bei einer neurologischen Untersuchung wird auf Störungen der Urogenitalregion geachtet, also auf Probleme wie Inkontinenz, Abszesse oder traumatische Verletzungen. Die Sensibilität und die Muskelreflexe werden getestet.

Zur Basisuntersuchung gehört ebenfalls eine Blutuntersuchung. Hier werden neben den Sexualhormonen (wie Testosteron, Estradiol, LH und FSH, welche aufgrund ihrer Tagesrhythmik am Morgen zwischen 8.00 und 10.00 Uhr bestimmt werden sollten) auch Prolaktin bestimmt. Des Weiteren ist es sinnvoll, vor dem Frühstück die Blutfette und Glukosestoffwechselparameter zu analysieren. Hierzu gehören neben dem Gesamtcholesterin auch das HDL- und LDL-Cholesterin sowie die Neutralfette „Triglyceride“, und bei den Glukosestoffwechselparametern Nüchternzuckerwert, Insulin und HbA1c-Wert („Langzeitblutzucker“). Sinnvoll zum Ausschluss ernster Systemerkrankungen sind eine Routineblutuntersuchung mit Analyse der Leberwerte, die Nierenwerte (Kreatinin und Harnstoff), und des PSA-Wertes. Außerdem angebracht ist ein Blutbild zum Ausschluss einer Polyglobulie, also eine Vermehrung der festen Blutbestandteile, beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom.

Ein spezieller Fragebogen, der Index of Erectile Function (IIEF-5), kann durch gezielte Fragestellungen eine Einteilung der erektilen Dysfunktion in entweder „keine“ oder eine „leichte“, „mittelschwere“ bzw. „schwere Form“ ermöglichen.

Die weiterführende Diagnostik erfolgt je nach Befund. Bei Anzeichen einer Gefäßerkrankung sollte eine weiterführende kardiologische Untersuchung gemacht werden. Bei einer andrologischen oder urologischen Erkrankung (wie z. B. ein Abknicken des steifen Gliedes im Rahmen einer Induratio penis plastica) kann möglicherweise eine operative Therapie in einem Klinikum durchgeführt werden. Bei Hinweis auf Nervenschäden (z. B. infolge eines Bandscheibenvorfalls oder degenerativer Nervenschäden) ist eine weiterführende neurologische Diagnostik angezeigt. Bei Verdacht auf eine psychiatrische Erkrankung sollte eine weiterführende psychiatrisch-psychologische Untersuchung erfolgen.

Autor/Autoren: Wissenschaftliche Ausarbeitung: Dr. med. Kathrin Popp, München

Experte: Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. med. Günter K. Stalla, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: J. Meyer et al. ; Elsevier, 11/2018

Letzte Aktualisierung: 11.02.2020

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