Potenzstörungen: Behandlungsmöglichkeiten

Behandlung von Testosteronmangel im Sinne eines Hypogonadismus

Bei Vorliegen von Potenz- und Libidoproblemen (mangelnde Erektionsfähigkeit des Penis und verringertes Sexualverlangen) und nach mehrfachem Nachweis von erniedrigtem Gesamttestosteron kann ein Therapieversuch mit Testosteron unternommen werden.

Falls der erniedrigte Testosteronwert auf eine medikamentenbedingte Erhöhung von Prolaktin zurückzuführen ist, kann ein Wechsel des Wirkstoffes in Absprache mit den behandelnden Ärzten bereits erfolgreich sein.

Bei Nachweis eines prolaktinproduzierenden Tumors in der Hirnanhangsdrüse gibt es spezielle Medikamente, die sog. Dopaminagonisten, die eine Schrumpfung des Tumors herbeiführen können und die Bildung von Prolaktin hemmen. Dies führt häufig zu einem spontanen Wiederanstieg von Testosteron und einer Besserung der damit zusammenhängenden Symptome.

Behandlung erektiler Funktionsstörungen mit behandelbarer Ursache

Eine Vielzahl an Lebensstilinterventionen – wie z. B. systematische Maßnahmen zur Stressreduktion durch Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung - kann bereits eine Verbesserung der erektilen Funktion bewirken. Übergewicht kann durch vermehrte Bewegung, Muskel- und Ausdauertraining sowie durch diätische Maßnahmen verringert werden. Insbesondere auch bei Kinderwunsch ist der Verzicht auf Nikotin und Drogen ratsam.

Ursächliche Systemerkrankungen wie z. B. Bluthochdruck, Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes mellitus sollten regelmäßig kontrolliert und medikamentös gut eingestellt sein.

Falls eine Depression oder eine Beziehungs- / Persönlichkeitsstörung vorliegen, kann eine sexualmedizinische Therapie oder eine Paar- / Psychotherapie zur Verbesserung beitragen.

Wenn die erektile Funktionsstörung als Nebenwirkung einer Medikation auftritt, kann ein Wechsel des Präparates in Absprache mit dem behandelnden Arzt bereits zu einer Besserung der Problematik führen. In Frage kommen hierbei Blutdrucksenker, Herzmedikamente, Antidepressiva, Sedativa, Medikamente gegen die gutartige Prostatavergrößerung, 5?-Reduktasehemmer (= Medikamente, welche die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron unterdrücken und gelegentlich zur Therapie von Haarausfall bei Männern, sog. androgenetische Alopezie, eingesetzt werden), Medikamente gegen Gicht, Lipidsenker, Medikamente gegen Infektionserkrankungen, Antidiabetika, Antiepileptika, Blutgerinnungshemmer u. v. m.

Wenn die Erektion über die Dauer der sexuellen Aktivität nachlässt, kann möglicherweise eine venöse Insuffizienz, also eine Blutabflussstörung aus dem Penis, vorliegen, die sich durch verschiedene venenchirurgische Verfahren (wie z. B. antegrade  Embolisierung, interventionelle Katheterbehandlung mit operativem Verschluss der funktionsgestörten Venen) behandeln lässt. Symptomatisch kann man sich in manchen Fällen mit einem Penisring behelfen.

Behandlung erektiler Funktionsstörungen ohne kausal behandelbare Ursache

Falls eine Arteriosklerose für die erektile Dysfunktion ursächlich ist, kann eine Vielzahl an spezifischen Medikamenten eingesetzt werden. Am bekanntesten ist der PDE5-Hemmer Viagra. Hiervon gibt es inzwischen mehrere zugelassene Substanzen und Generika, z. B. Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil und Avanafil. Zudem werden Arzneimittel wie Yohimbin und Apomorphin rezeptiert.

Diese Therapieverfahren sollten nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt angewendet werden, da die Behandlung individuell auf die Vorerkrankungen und Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden sollte. Aufgrund vieler Arzneimittelinteraktionen (z. B. mit Nitraten) und Kontraindikationen (z. B. bei Vorliegen einer Herzmuskelerkrankung) sollte keine eigenmächtige Medikation erfolgen.

Als nicht-invasive Alternative gibt es Prostaglandine (z. B. Alprostadil), die direkt in die Öffnung der Harnröhre an der Penisspitze injiziert werden können (sog. intra-/transurethrale Therapie). Hierdurch wird der Blutfluss in den Penis verstärkt. Da der Wirkstoff nicht in das Gewebe gespritzt wird, besteht nicht das Risiko einer Infektion oder einer Abszess-Bildung. Auch eine Injektion von Alpostadil in den Schwellkörper als Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (intrakavernöse Therapie) ist möglich, aber etwas risikoreicher, da es zu Infektionen, Blutergüssen und Abszessen kommen kann. Dennoch gilt Alpostadil als wenig invasiv, da es lokal wirkt und nicht über die Leber verstoffwechselt wird.

Demgegenüber ist der Einsatz einer Vakuumerektionshilfe ein weitgehend antiquiertes Verfahren.
Wenn die genannten Therapieoptionen nicht erfolgreich sein sollten, gibt es als ultima ratio noch die Möglichkeit, eine Penis(teil)prothetik, z. B. ein Schwellkörperimplantat, einzusetzen.

Behandlung von Ejakulationsstörungen  

Zur Therapie der vorzeitigen Ejakulation gibt es einige nicht-medikamentöse Verfahren. Beispiele hierfür sind gezieltes Beckenbodentraining, die Squeezing-Technik (Kompression der Penisspitze kurz vor der Ejakulation, bis der Ejakulationsdruck nachlässt) oder die Stopp-Start-Methode (Aussetzen der sexuellen Stimulation kurz vor der Ejakulation bis zum Nachlassen des Ejakulationsdrangs).

Neben den nicht-medikamentösen Therapien ist das Medikament Dapoxetin zur Therapie der vorzeitigen Ejakulation zugelassen. Zum Herabsetzen der Sensitivität des Penis kann ein Lokalanästhetikum eine halbe Stunde vor dem Geschlechtsverkehr auf den Penis aufgetragen werden.

Zur Therapie der verzögerten Ejakulation sollte zunächst eine möglicherweise ursächliche Medikation (wie z. B. Antidepressiva) umgestellt werden.

Zudem sollte eine mögliche Paarproblematik oder Angststörung psychotherapeutisch behandelt werden.

Behandlung von Libidoverlust

Liegen die oben genannten Ursachen eines Testosteronmangels vor, können diese behoben und das fehlende Testosteron ersetzt (substituiert) werden.

Zudem kann durch Lebensstil-Modifikationen wie Gewichtsreduktion und Bewegung und eine gründliche Behandlung von bisher nicht gut therapierten Grunderkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Depressionen) eine Verbesserung erzielt werden.

Autor/Autoren: Wissenschaftliche Ausarbeitung: Dr. med. Kathrin Popp, München

Experte: Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. med. Günter K. Stalla, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: J. Meyer et al. ; Elsevier, 11/2018

Letzte Aktualisierung: 11.02.2020

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