Schwangerschaft & Schilddrüsenentzündung

Etwa 6% der Frauen haben eine genetische Veranlagung, an einer Hashimoto-Schilddrüsenentzündung zu erkranken. Bei etwa 8% der Frauen vor den Wechseljahren (Klimakterium) lassen sich im Blut die für die Hashimoto-Thyreoiditis typischen Abwehrstoffe (MAK, TAK) nachweisen. Nach den Wechseljahren haben sogar etwa 16% der Frauen diese Antikörper im Blut. Gelangen sie über den Mutterkuchen (Plazenta) in das Blut des Kindes, kann sich beim Neugeborenen eine Schilddrüsenüberfunktion entwickeln.

Levothyroxin kann Entzündung stoppen

Frauen mit einer Hashimoto-Schilddrüsenentzündung haben ein etwa 3-mal so hohes Risiko wie gesunde Frauen, dass sie ihr Kind durch eine Fehlgeburt verlieren. Dieses Risiko ist vermutlich unabhängig davon, ob die Schilddrüsenhormon-Werte normal sind oder nicht. Sind diese geringer als normal, sollten die Frauen Schilddrüsenhormone (Levothyroxin) einnehmen. Während der Schwangerschaft benötigen Frauen mehr Schilddrüsenhormone, die Dosis muss deshalb meist um 25-50% erhöht werden.

Doch auch wenn die Hormonwerte normal sind, können schwangere Frauen mit Hashimoto-Schilddrüsenentzündung von einer Levothyroxin-Einnahme profitieren: Die Schilddrüsenhormone scheinen auch bei normalen Schilddrüsenwerten zu verhindern, dass die Erkrankung fortschreitet. Experten empfehlen daher auch Schwangeren ohne Schilddrüsenunterfunktion, Levothyroxin einzunehmen, wenn Antikörper gegen Schilddrüseneiweiße (TAK, MAK) im Blut nachgewiesen werden.

Auch das ungeborene Kind benötigt Jod

Zusätzlich zu ihrem eigenen Bedarf muss die Schwangere ihr ungeborenes Kind ausreichend mit Jod versorgen. Oft reicht der Jod-Gehalt der normalen Ernährung für die Mutter und ihr Kind nicht aus. Schwangere brauchen täglich etwa 230 Mikrogramm Jod pro Tag. Diese Menge können die meisten Frauen über die Ernährung nicht aufnehmen. Frauenärzte empfehlen Schwangeren daher, ab der 10.-12. Schwangerschaftswoche täglich 100-200 Mikrogramm Jod in Form von Jodtabletten zu sich zu nehmen. Nimmt die Schwangere nicht genügend Jod zu sich, kann sich das Kind im Mutterleib nicht richtig entwickeln. Bei der Mutter kann sich ein Kropf (Struma) bilden.

Leidet eine schwangere Frau mit Hashimoto-Schilddrüsenentzündung unter einer Unterfunktion der Schilddrüse, ist die Versorgung ihres Kindes mit Jod nicht sichergestellt. Experten empfehlen diesen Patientinnen, Jod einzunehmen, auch mit dem Risiko, dass sie möglicherweise eine Schilddrüsenüberfunktion entwickeln oder sich die Entzündung verschlimmert. Doch die Jodversorgung des ungeborenen Kindes ist in diesem Falle wichtiger.

Ob sich die Hashimoto-Schilddrüsenentzündung mit der Jodtherapie verschlimmert, kann der Arzt an den MAK- bzw. Anti-TPO-Werten erkennen. Er wird daher regelmäßig Blut abnehmen, um die Werte zu kontrollieren. Zusätzlich sollten etwa alle 2 Monate die Schilddrüsenhormonwerte bestimmt werden.

Postpartale Schilddrüsenentzündung

Frauen, die gerade ein Kind geboren haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine Schilddrüsenentzündung. 6-24 Wochen nach der Geburt entwickeln etwa 4% der Wöchnerinnen eine so genannte Post-Partum-Thyreoiditis. Die Schilddrüsenentzündung führt in den ersten 2 Monaten häufig zu einer Überfunktion der Schilddrüse, die dann nach etwa 6-8 Monaten in eine Unterfunktion übergeht. Es kann jedoch auch zunächst eine Unter- und später eine Überfunktion auftreten. Bei einer Unterfunktion verschreibt der Arzt Schilddrüsenhormone. Eine vorübergehende Überfunktion kann mit Betablockern behandelt werden.

Frauen mit einer postpartalen Thyreoiditis sollten regelmäßig ihre Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen, am Anfang etwa alle 4-8 Wochen. Nimmt die Patientin wegen einer Schilddrüsenunterfunktion Schilddrüsenhormone (Levothyroxin) ein, kann nach etwa einem halben Jahr das Medikament probeweise abgesetzt werden. In den meisten Fällen normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion ein Jahr nach der Geburt wieder. Doch etwa 10% der Frauen mit einer postpartalen Thyreoiditis entwickeln eine chronische Hashimoto-Schilddrüsenentzündung. Einmal jährlich sollte der Arzt daher bei diesen Frauen Schilddrüsen- (TSH, T3 und T4) und Antikörperwerte (MAK, TRAK) kontrollieren und eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durchführen.

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