Schilddrüsenüberfunktion: Untersuchungen & Diagnose

Während früher eine Schilddrüsenvergrößerung mittels Tastbefund und Messung des Halsumfanges ledigliche vermutet werden konnte und eine Funktionsstörung nur klinisch oder durch unsichere Verfahren (z.B. Grundumsatz) erfasst wurden, stehen heutzutage eine Reihe moderner Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Auswahl und Reihenfolge legt Ihr Spezialist (Internist/Endokrinologe) fest. Den gezielten Diagnosemethoden gehen eine eingehende Befragung der Patienten zu Vorerkrankungen, Schilddrüsenkrankheiten in der Familie, Beschwerden, Essgewohnheiten (Jod-Mangel), erhöhter Jod-Aufnahme (z.B. durch Röntgen-Kontrastmittel) usw. sowie eine körperliche Untersuchung mit Abtasten der Halsregion voraus.

Eine etwaige Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), die sich manchmal mit Hilfe eines einfachen Spiegeltests selbst erkennen lässt, liefert erste Hinweise auf eine Schilddrüsenvergrößerung. Sicher kann sie jedoch nur von einem Spezialisten (z.B. Internisten, Endokrinologen) ertastet und beurteilt werden. Eine orientierende Einteilung der Vergrößerung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vorgenommen. Die Einteilung reicht von Grad 0 (= normal große Schilddrüse) über Grad I (= tastbare, nicht sichtbare Vergrößerung), Grad II (tastbare und sichtbare Schilddrüse) bis zum Grad III (sehr große, nicht zu übersehende Schilddrüse).

 

Labormedizinische Untersuchungen

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung wird dem Patienten Blut abgenommen, um die Hormonwerte in einem Fachlabor auszuwerten. Zur Ermittlung einer Schilddrüsenfehlfunktion stehen verschiedene Tests zur Verfügung:

Der TSH-Test ermittelt die Werte des Hormons Thyreotropin, das im Vorderlappen der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Ein erniedrigter TSH-Wert bestätigt den Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion - allerdings nur, wenn gleichzeitig auch die Hormone T3 und T4 im Blut im oberen Normbereich liegen (Grenzwerthyperthyreose) bzw. erhöht sind (manifeste Hyperthyreose). Man misst heutzutage die sog. freien Hormone fT3 und fT4. Normale TSH-Werte dagegen schließen eine Überfunktion in der Regel aus. Selbst bei Neugeborenen kann man bereits auf diesem Weg eine angeborene Fehlfunktion der Schilddrüse nachweisen, was heutzutage regelhaft beim sog. „Neugeborenen-Screening" erfolgt.

Im Einzelfall können die Testergebnisse beispielsweise durch die Einnahme von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure verfälscht werden. Auch höher dosierte und längerfristig verabreichte Kortikoide („Kortison“) können zu einer TSH-Erniedrigung führen.

Bei Anzeichen für eine Immunhyperthyreose stehen verschiedene Formen der Autoantikörperbestimmung zur Verfügung: insbesondere die TSH-Rezeptor stimulierenden Antikörper (TRAK) und sog. mikrosomale Antikörper (MAK) - diese entsprechen den Antikörpern gegen die Thyroxin-Peroxidase (TPO-AK).

 

Ultraschall (Sonographie)

Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ist strahlenfrei und kann daher beliebig oft bei einem Patienten eingesetzt werden. Der Schilddrüsen-Spezialist führt die Untersuchung am liegenden Patienten durch und tastet dabei die Halsregion mit einem Schallkopf von außen ab. Das auf diese Weise erzeugte Bild zeigt Lage, Form, Struktur und Größe der Schilddrüse. Die Ultraschalluntersuchung erlaubt jedoch nur gewisse Rückschlüsse auf die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse, z. B. Durchblutungskriterien.

Bei Verdacht auf Morbus Basedow kommt diese Methode zusätzlich für die Untersuchung der Augenhöhlen (bei spezialisierten Augenärzte) zur Anwendung.

 

Radio-Jod-Test

Der Radio-Jod-Test dient der Überprüfung der Jodspeicherung der Schilddrüse. Da die Strahlenbelastung relativ hoch ist, wird der Test mittlerweile nur noch genutzt, um die richtige Strahlendosis vor einer Radio-Jod-Therapie zu ermitteln.

Zu Untersuchungsbeginn wird radioaktives Jod-131 verabreicht. Dadurch steigt die radioaktive Aktivität in der Schilddrüse zunächst an, sinkt dann aber wieder ab, wenn das radioaktive Jod in die Hormone eingebaut wird und diese die Schilddrüse verlassen. Dabei wird die radioaktive Aktivität in der Schilddrüse in bestimmten Zeitabständen (z. B. nach 6, 24, 48 Stunde) gemessen. Mit dieser Methode wird der Jod-Umsatz in der Schilddrüse angezeigt.

 

Szintigrafie

Die Szintigrafie ist eine bildgebende Methode, mit welcher der Arzt die Funktionsfähigkeit von Teilen der Schilddrüse untersuchen kann. Allerdings belastet die dabei eingesetzte radioaktive Strahlung den Körper. Da ihre Ergebnisse jedoch sehr aussagekräftig sind, gehört sie zu den Standarduntersuchungen bei vorhandenen Schilddrüsenknoten.

Für diese Untersuchung der Schilddrüse wird heutzutage nur noch Tc-99m (radioaktives Pertechnetat, ein Salz der Technetiumsäure) verabreicht, das sich in dem Organ anreichert, dort aber nicht gespeichert wird. Durch Messung der radioaktiven Aktivität gewinnt der Arzt Bilder, die er mit Hilfe eines Computers auswertet. So sind Lage, Größe, Funktionsfähigkeit der Schilddrüse und eventuell vorhandene Knoten erkennbar. Je nach dem Ausmaß der Speicherung in einem Knoten spricht man bei geringer bzw. fehlender Speicherung von einem kühlen bzw. kalten Knoten bzw. bei deutlicher oder verstärkter Speicherung von einem warmen bzw. heißen Knoten.

 

Feinnadelpunktion

Bei dieser Methode wird durch eine dünne Hohlnadel eine winzige Zellprobe aus der Schilddrüse entnommen. Die Nadel wird mit Hilfe von Ultraschall an der gewünschten Stelle positioniert. Mittels Unterdruck kann der Spezialist einzelne Zellen heraussaugen und zur Untersuchung in ein Speziallabor eines Pathologen geben.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Otto-Albrecht Müller, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 11/2016

Thyreotoxische Krise: Medizinische Klinik Intensivmedizin Notfallmedizin 2012, Band 107, Seite:448–453

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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