Schilddrüsenunterfunktion: Ursachen

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann verschiedene Ursachen haben. Es gibt sowohl angeborene als auch erworbene Formen einer Unterfunktion.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion

Die Unterfunktion ist vererbt oder bildet sich während der Schwangerschaft im Mutterleib aus.

Menschen mit einer angeborenen, zunächst unerkannten Schilddrüsenunterfunktion leiden in der Regel ein Leben lang unter den Folgen dieses Defektes, die sich so gut wie nie völlig zurückbilden.

Folgende Fehlentwicklungen liegen einer Schilddrüsenunterfunktion zu Grunde:

  • Schilddrüse ist vorhanden, sie bildet jedoch keine oder zu wenig Hormone.
  • Schilddrüse fehlt teilweise oder ganz (Athyreose).
  • Hormonproduktion ist durch eine falsche Jodverwertung gestört.
  • Zielorgane sind gegenüber den Hormonen der Schilddrüse unempfindlich.
  • Bildung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) der Hirnanhangdrüse ist vermindert.

Eine während der Schwangerschaft entwickelte Unterfunktion kann sich dagegen vollständig normalisieren. Sie hat folgende Ursachen:

  • Jodmangel oder erhöhte Jodaufnahme während der Schwangerschaft
  • Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft, die eine Schilddrüsenüberfunktion hemmen (Thyreostatika).
  • Schädigung durch das körpereigene Immunsystem (Autoimmunerkrankung)

Erworbene Schilddrüsenunterfunktion

Auch im Verlauf des Lebens kann sich eine Unterfunktion der Schilddrüse herausbilden. Möglicherweise erhöht eine familiäre Vorbelastung das Risiko dafür.

Sie kann ausgelöst werden durch:

  • Entzündungen der Schilddrüse, vor allem eine Hashimoto-Thyreoiditis
  • Operation an der Schilddrüse oder nach einer Strahlentherapie
  • Über- oder Unterversorgung des Körpers mit Jod (z.B. kann es auch nach einem Jodexzess für wenige Wochen zu einer Unterfunktion kommen)
  • Behandlung einer Überfunktion mit hormonhemmenden Medikamenten (Thyreostatika)
  • Störungen der Hirnanhangdrüse, die weniger TSH herstellt und die Funktionen der Schilddrüse steuert (sog. sekundäre, hypophysäre Hypothyreose)
  • Gutartige und bösartige Geschwülste (Tumore) in der Schilddrüse nach Therapie
  • Antikörper aus dem eigenen Immunsystem, die Schilddrüsenhormone binden und somit die Funktion stören
  • Unempfindlichkeit der Zielorgane gegenüber Schilddrüsenhormonen

Hashimoto-Thyreoiditis

Neben sehr seltenen akuten Entzündungsformen der Schilddrüse (infolge von Viren, Bakterien) sind auch chronisch-entzündliche Formen bekannt. Diese entstehen durch ein fehlgesteuertes Immunsystem. Die bekannteste ist nach ihrem Entdecker, dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto (1881-1934), benannt und betrifft vor allem Frauen mittleren Lebensalters.

Normaler Weise schützen die körpereigenen Abwehrstoffe vor eindringenden Fremdkörpern. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis richten sich die Antikörper allerdings gegen die eigene Schilddrüse und lösen eine Entzündung (Thyreoiditis) aus. Das Drüsengewebe wird zerstört und durch hormonell nicht mehr aktives Bindegewebe ersetzt. Dadurch werden zu wenige Hormone T4 und T3 produziert. Warum Antikörper gegen das Gewebe der Schilddrüse gebildet werden, es schädigen und sogar zerstören, ist - wie auch bei anderen Autoimmun-Erkrankungen - unbekannt.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Otto-Albrecht Müller, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J (Hrsg.); Elsevier 11/2016
Thyreotoxische Krise: Medizinische Klinik Intensivmedizin Notfallmedizin 2012, Band 107, Seite:448–453

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