Systemische Lupus erythematodes: Beschwerden & Krankheitsbild

Wie macht sich der SLE bemerkbar?

Der SLE kann viele unterschiedliche Beschwerden verursachen. Das Krankheitsbild ist daher vielfältig und die Erkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich. Sie kann plötzlich (akut) oder ganz langsam (subakut) einsetzen sowie in wechselnden Schüben oder konstant aktiv über viele Jahre verlaufen. 

Allgemeinbeschwerden

Viele SLE-Patienten leiden unter Allgemeinbeschwerden wie Fatigue (Abgeschlagenheit, Müdigkeit), Fieber und ungewolltem Gewichtsverlust.

Bewegungsapparat

Gelenkschmerzen (Arthralgien) und Gelenkentzündungen (Arthritiden) werden von bis zu 85 % der SLE-Patienten angegeben. Deutlich seltener sind schmerzhafte Entzündungen der Muskulatur (Myositis) oder aber auch Gelenkverformungen (Jaccoud-Arthropathie) zu beobachten.

Haut und Schleimhaut

Die Haut ist in 78 %, die Schleimhäute sind in 52 % der Fälle betroffen. Die Veränderungen reichen vom klassischen Schmetterlingserythem im Gesicht, über tiefere, fleckförmige (diskoide) Veränderungen, kleinflächigen oder diffusen Haarausfall (Alopezie) bis hin zu offenen Schleimhautstellen (Ulzera). Besonders betroffen ist die Haut an sonnenexponierten Stellen. UV-Strahlung kann nicht nur zur Verstärkung des Hautbefalls sondern auch zu Schüben führen.

Nieren

Bei nahezu dreiviertel der SLE-Patienten kommt es zu einem Nierenbefall (z. B. Lupusnephritis), welcher oft beschwerdearm verläuft und insofern vom Patienten auch meist nicht bemerkt wird. Hierbei lässt die Nierenfunktion nach, das Kreatinin (ein Nierenfunktionswert) im Blut steigt an und es wird vermehrt Blut und Eiweiß über den Urin ausgeschieden. Zur Sicherung dieses Nierenbefalls durch den SLE und zur Festlegung der optimalen Therapie ist dann eine Gewebsprobe aus den Nieren (Nierenbiopsie) notwendig. Unerkannt und unbehandelt verlieren die Nieren ihre Funktionsfähigkeit. Auch deshalb sind regelmäßige Blut- und Urinkontrollen erforderlich.

Herz und Lunge

Ein Herz- oder Lungenbefall kann sich entweder im Rahmen einer schmerzhaften Entzündung des Lungenfells (Pleuritis) oder des Herzbeutels (Perikarditis), weniger häufig in einem Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie), in einer Entzündung mit Vernarbung des Lungengewebes (Lungenfibrose) oder in ganz seltenen Fällen, in einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) äußern. Um diese Veränderungen möglichst früh erkennen und auch behandeln zu können, sind regelmäßige Herz- (Herzultraschall) und Lungenuntersuchungen (Lungenfunktionstest einschließlich Testung des Gasaustausches, der sogenannten Lungendiffusion) von hoher Wichtigkeit.

Gefäße

Im Rahmen des SLE kommt es in mehr als der Hälfte der Fälle zu einem Befall der Gefäße, im Sinne einer Gefäßentzündung (Vaskulitis) oder eines Gefäßkrampfs (Raynaud-Syndrom). Beim Raynaud-Syndrom, das ein erstes Anzeichen für eine SLE sein kann, kommt es beispielsweise durch Kälte oder Vibration zu einem Krampf der Finger- oder Zehengefäße (Vasospasmus). In der Folge verfärben sich diese erst weiß, dann blau und schließlich rot. Im Volksmund spricht man auch von der Leichen- oder Weißfingerkrankheit. Bei einer Vaskulitis kann es zu kleinen, roten, nicht wegdrückbaren Punkten der Haut (Petechien) kommen.
Bei circa einem Drittel der SLE-Patienten kommt es zu einem sogenannten Antiphospholipid-Syndrom. Dieses ist mit einem erhöhten Risiko für arterielle und venöse Blutgerinnsel (Embolien und Thrombosen) vergesellschaftet. Bei schwangeren SLE-Patientinnen besteht hierbei ein erhöhtes Risiko für Früh- oder Fehlgeburten.

Zentrales und peripheres Nervensystem

Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, psychische Veränderungen wie Depressionen oder Psychosen, Krampfanfälle, Missempfindungen oder Sehstörungen können Ausdruck eines Befalls des Nervensystems durch den SLE sein (54 % der SLE-Patienten). Die genaue Zuordnung genannter Beschwerden zum SLE ist oftmals schwierig und bedarf unter enger Zusammenarbeit mit den Kollegen der Neurologie einer zum Teil umfangreichen Diagnostik (Kernspintomogramm, Punktion des Rückenmarkwassers u.a.).

Weitere Organsysteme

In selteneren Fällen können weitere Organsysteme befallen werden, wie zum Beispiel der Magen-Darm-Trakt (Magen- und Bauchschmerzen, Lebervergrößerung, usw.), das Lymphsystem (Lymphknotenvergrößerung), das blutbildende System (Verminderung der roten oder weißen Blutkörperchen bzw. der Blutplättchen) oder die Tränen- und Speicheldrüsen (Augen- und Mundtrockenheit im Sinne eines sekundären Sjögren-Syndroms).

Autor/Autoren: Ausarbeitung: Dr. Martin Welcker und Dr. Florian Popp, Planegg

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V.