Typ-2-Diabetes: Behandlung von Komplikationen

Behandlung akuter Komplikationen bei Typ-2-Diabetes

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Fällt der Blutzucker unter einen Wert von 50 mg%, spricht der Internist von einer Unterzuckerung. Sie tritt immer dann auf, wenn zu viel Insulin im Blut wirksam ist und die Blutzuckerkonzentration dadurch zu stark abfällt. Durch den Abfall der Blutzuckerwerte erhält das Gehirn plötzlich nicht mehr ausreichend Energie. Schwere Unterzuckerungen führen zu Bewusstseinsstörungen oder -verlust, Koma bis hin zum Tod.
Ist der Patient ansprechbar und zeigt Anzeichen von leichter Unterzuckerung, wie z. B.:

  • Heißhunger, Übelkeit, Erbrechen, Angst, Blässe, Zittern, Unruhe
  • Kopfschmerzen, Nervosität, weiche Knie, Verwirrtheit

muss er sofort Kohlenhydrate zu sich nehmen (2 Broteinheiten Traubenzucker, 8 Stück Würfelzucker oder 250 Milliliter Cola oder Fruchtsaft). Für eine schnelle Wirkung sind 20-25 Gramm Traubenzucker notwendig.

Ist der Patient nicht ansprechbar und treten Zeichen von schwerer Unterzuckerung auf, wie

  • Sehstörungen, Sprach- und Riechstörungen,
  • Konzentrationsmangel, Aggressivität, Verwirrtheit,
  • Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit

müssen mindestens 60-100 Milliliter 40%ige Glukose in die Vene gespritzt werden. Wenn das nicht möglich ist, wird 1 Milligramm Glukagon unter die Haut oder die Muskulatur gespritzt und danach sofort Kohlenhydrate verabreicht. Kommt der Patient danach nicht wieder zu Bewusstsein, muss unbedingt ein Notarzt gerufen werden.

Diabetisches Koma

Patienten im diabetischen Koma müssen sofort auf einer Intensivstation behandelt werden. Ersthelfer können lediglich den Notarzt rufen und den Patienten in stabiler Seitenlage lagern.
Bei der Behandlung eines diabetischen Komas ist es wichtig, dass der Blutzuckerwert langsam gesenkt wird, da sonst leicht ein Gehirnödem entstehen kann. Außerdem muss der Arzt dem Körper des Patienten Wasser und Salzlösung (v. a. Kalium) zuführen. Insulin wird bei einem diabetischen Koma in die Vene gespritzt, da es so besser dosiert und die Wirkung exakter gesteuert werden kann. Mit speziellen Medikamenten (Bikarbonaten) kann der Arzt einer Übersäuerung des Bluts entgegenwirken. Nicht zuletzt muss der behandelnde Arzt auch die komaauslösenden Erkrankungen behandeln.

Behandlung chronischer Komplikationen bei Typ-2-Diabetes

Um diabetesbedingte Folgeerkrankungen behandeln zu können, muss der Arzt die Blutzuckerwerte normalisieren und darauf hinwirken, dass der Patient seinen Lebensstil ändert. So kann er erreichen, dass sich das Fortschreiten dieser Begleiterkrankungen verlangsamt oder sie sich sogar bessern.
Darüber hinaus können die Symptome der Folgeerkrankungen wie folgt behandelt werden:

  • Diabetische Neuropathie:
    • Behandlung mit krampflösenden Medikamenten (Antikonvulsiva), selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern oder Antidepressiva
    • Physikalische Therapie (Elektro-, Mechano-, Lichttherapie)
  • Nervenbedingte Potenzprobleme (erektile Dysfunktion): Am wirksamsten ist eine Behandlung mit 5-Phosphodiesterase-Hemmern, allerdings in höherer Dosierung als bei Nichtdiabetikern
  • Herz-Kreislauf-Komplikationen: Medikamentöse Behandlung mittels ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorblocker, Betablocker, harntreibende Substanzen (Diuretika) oder Kalziumantagonisten. Zur weiteren Prophylaxe auch Blutfettsenker (Statine) und Hemmer der Blutplättchenfunktion bzw. der Blutgerinnung.

 

 

Experte: Wissenschaftliche Beratung und Ausarbeitung: Prof. Eberhard Standl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern
Meyer, J. et al (Hrsg.)
Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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