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Dialyse


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Eine Dialyse ist ein Verfahren, mit dem das Blut eines Menschen von giftigen Stoffen gereinigt wird, wenn seine Nieren dazu nicht mehr in der Lage sind. Sie muss in der Regel zeitlebens wiederholt werden, da der Körper fortwährend Giftstoffe produziert.

Eine Dialyse wird durchgeführt, wenn ein Patient typische Beschwerden einer zu starken Ansammlung von Giftstoffen (Erbrechen, Übelkeit, fehlender Appetit, Juckreiz, Kraftverlust) hat oder bei der Untersuchung durch den Arzt weitere Krankheitszeichen, wie z. B. eine Herzbeutelentzündung oder entzündete Haut, entdeckt werden. Auch sehr stark erhöhte Harnstoff- und Kreatinin-Werte im Blut können eine Dialyse notwendig machen. Eine Dialyse kann aber auch dann lebensrettend sein, wenn sich ein Mensch vergiftet hat und seine Organe die giftigen Substanzen nicht rechtzeitig aus dem Körper entfernen können.

Bei der Hämodialyse (Blutwäsche mit Maschine, „künstliche Niere") wird der Blutkreislauf des Patienten an eine „künstliche Niere" angeschlossen. Dieses Gerät heißt Hämodialysemaschine und reinigt das Blut des Patienten. Die eigentliche Blutreinigung findet im Dialysator statt, dem Filter der Dialysemaschine. Um das Blut durch den Hämodialysator zur leiten, legt der Arzt ähnlich wie bei der Blutabnahme einen Katheter in eine Vene, durch den das zu reinigende Blut durch die künstliche Niere gepumpt wird.

Viele Dialyse-Patienten müssen zusätzlich Medikamente einnehmen, um die Folgen einer Nierenschwäche abzuschwächen und die Blutwäsche zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem:

  • Phospat-Binder: Da Phosphate nur schlecht durch eine Dialyse aus dem Blut entfernt werden können, verhindern sie, dass sich diese Salzbestandteile im Körper anreichern.
  • Erythropoetin: Erythropoetin-Mangel führt bei Nierenkranken zu Blutarmut. Injektionen von Erythropoetin in die Vene wirken der Blutarmut entgegen. Eisenpräparate können die Wirkung des Hormons unterstützen.
  • Vitamin D: Vitamin D bremst die Bildung von Parathormon in der Nebenschilddrüse und kann so verhindern, dass die Knochen Kalk verlieren und leicht brechen.
  • Heparin: Heparin hemmt die Blutgerinnung und verhindert, dass das Blut in den Schläuchen der Dialysemaschine gerinnt.

 

Prinzip

Im Hämodialysator fließt das Blut des Patienten entlang einer halbdurchlässigen Membran. Auf der anderen Seite der Membran befindet sich Spülflüssigkeit, das so genannte Dialysat. Das Blut des Patienten fließt meist in einer Richtung an der Membran vorbei, die Spülflüssigkeit in der anderen Richtung (Gegenstromprinzip). Giftige Stoffe treten über winzige Poren in der Membran in die Spülflüssigkeit über. Kleinere Moleküle werden dabei besser aus dem Blut entfernt. Aus dem Dialysat gelangen Nährstoffe und Salze wie Natrium, Glukose oder Bikarbonat in das Blut des Patienten. Diese Stoffe sind unter anderem wichtig, damit z. B. der Säure-Basen-Haushalt des Patienten ausgeglichen wird und der Blutzuckerhaushalt nicht durcheinander gerät. Andere nicht-giftige Substanzen, wie z. B. Vitamine, werden bei einer Dialyse ebenfalls aus dem Blut entfernt und müssen dem Körper künstlich wieder zugeführt werden.

Wie schnell und wie stark das Blut gereinigt wird, hängt von der Art der Membran, der Zusammensetzung der Spülflüssigkeit und den eingestellten Druckwerten ab. Da bei einem Durchlauf das Blut nicht vollständig gereinigt werden kann, wird das Blut pro Dialysesitzung etwa 15-mal durch die künstliche Niere gepumpt. Damit es währenddessen nicht gerinnt, wird es durch Heparin flüssig gehalten.

 

Dialyse-Shunt

Da das Blut der Patienten regelmäßig gereinigt werden muss, schädigen die wiederkehrenden Einstiche die Blutgefäße. Außerdem besitzen die Blutgefäße bei Menschen mit einer chronischen Nierenschwäche häufig eine dünne Wand und sind dadurch sehr verletzlich und platzen leicht. Deshalb erhalten Dialyse-Patienten in einer Operation ein gut zugängliches, stabiles Blutgefäß: Den Dialyse-Shunt (sprich: Schant) oder Cimino-Shunt.

Der Chirurg schließt dabei ein arterielles Blutgefäß an eine Vene an, z. B. am Unterarm. Da in Arterien das Blut mit einem höheren Druck als in den Venen fließt, strömt nun das Blut mit einem hohen Druck aus der Arterie in die Vene. Dadurch wird diese Vene erweitert und bekommt eine dicke Wand. So kann die Vene für die Dialyse immer wieder angestochen werden. Da die Blutgefäße direkt unter der Haut verlaufen, sind die wulstigen Gefäße bei vielen Dialyse-Patienten gut sichtbar. Bis sich die Wand der Vene ausreichend verdickt hat, erfolgt die Dialyse über einen Katheter, der meistens am Hals des Patienten angelegt wird (zentraler Venenkatheter (ZVK) oder Shaldon-Katheter).

Ist der Shunt durch ein Blutgerinnsel verschlossen, kann das Gerinnsel mit einer kleinen Operation entfernt werden. Eine Engstelle kann ebenfalls operativ oder mit einem Ballonkatheter erweitert werden. 

 

Auswirkungen

Der Dialysevorgang selbst ist für die Patienten bis auf das Stechen der Dialysenadeln in den Shunt völlig schmerzfrei. Bereits wenige Tage bis Wochen nach Beginn einer Dialyse bessert sich das Befinden deutlich: Der Appetit wird besser, die Übelkeitsgefühle gehen zurück und die Patienten fühlen sich ausgeruhter. Außerdem normalisiert sich der Blutdruck und ein vorher eventuell bestehender Juckreiz verschwindet.

Probleme bei einer Dialyse sind selten. Mögliche Nebenwirkungen können sein:

  • Muskelkrämpfe an der Dialyse
  • Schwindel und Mattigkeit durch zu starken Abfall des Blutdrucks
  • Allergische Erscheinungen mit Juckreiz oder andere Unverträglichkeiten mit z.B. Kopfschmerzen oder Übelkeit

Die Dialyse kann die Funktion der Nieren nicht völlig ersetzen und nicht alle Giftstoffe aus dem Blut entfernen. Deshalb sammeln sich im Laufe der Jahre Stoffe an, die verschiedenen Komplikationen führen können. Dazu zählen unter anderem:

  • Knochenschmerzen, Knochenbrüche
  • Juckreiz, verletzliche Haut
  • Impotenz, Unfruchtbarkeit
  • Leichte Ermüdbarkeit
  • Herzschwäche
  • Muskelschwäche
  • Depressive Verstimmung
  • Nervenstörungen (z.B. Kribbelgefühle)

Diese Symptome werden wahrscheinlich von Giftstoffen hervorgerufen, die durch die Dialyse nicht ausreichend erfasst werden. Außerdem enstehen sie durch nicht ausreichend kontrollierte Nebenerscheinungen der Nierenschwäche, wie ein nicht ausreichend gut eingestellter Blutdruck. Sie lassen sich auch bei gut durchgeführter Dialyse nicht völlig vermeiden. Einziger Ausweg ist in solchen Fällen eine Nierentransplantation.

 

Verschiedene Dialyseverfahren

Das Blut kann dann auf unterschiedliche Weise gereinigt werden:

Hämodialyse

Die Hämodialyse ist das am häufigsten angewandte Dialyseverfahren. Es funktioniert nach dem Prinzip der Diffusion: Aus dem Blut mit einer hohen Konzentration von Abfallstoffen strömen diese Stoffe in die Flüssigkeit mit der geringeren Konzentration, in diesem Falle die Spülflüssigkeit (Dialysat). Umgekehrt bewegen sich zum Beispiel Natrium und Bikarbonat aus dem Dialysat in das Blut, wenn die Konzentration in der Spülflüssigkeit höher ist als im Blut. Die Teilchen bewegen sich also abhängig vom Konzentrationsunterschied in den beiden Flüssigkeiten.

Wie lange die Reinigung des Blutes dauert und wie häufig die Dialyse durchgeführt werden muss, ist von Patient zu Patient unterschiedlich und hängt von seiner Körpergröße ab und wie gut die Nieren des Patienten noch funktionieren.

Bei der chronisch-intermittierenden Hämodialyse wird der Patient 3-mal pro Woche für 4-5 Stunden an das Dialysegerät angeschlossen. Manche Patienten fühlen sich mit einer täglichen Blutreinigung wohler und leistungsfähiger. Wann und wie oft Patienten dialysieren, sollten sie sorgfältig mit ihrem Arzt besprechen.

Die Dialyse kann in bestimmten Dialysezentren oder an einem Gerät zu Hause (Heimdialyse) durchgeführt werden. Auch Feriendialysen sind mit entsprechendem Vorlauf an einer Vielzahl von klassischen Urlaubsorten inzwischen möglich

Peritonealdialyse

Hierbei dient das eigene Bauchfell (Peritoneum) des Patienten als Membran. Die Bauchhöhle ist der „Behälter" für die Spülflüssigkeit. Der Patient führt sie sich selbst über einen in einer kleinen Operation eingesetzten Katheter zu. Man unterscheidet 2 Varianten der Peritonealdialyse:

Bei der kontinuierlichen ambulanten Peritonealdialyse (CAPD) befindet sich ständig Spülflüssigkeit im Bauchraum. Der Patient oder ein Helfer wechselt die Spülflüssigkeit (2-2,5 Liter) 4- bis 5-mal pro Tag aus. Die Flüssigkeit bleibt 4-6 Stunden im Körper, über Nacht bis zu 9 Stunden. Bei der kontinuierlichen zyklischen Peritonealdialyse (CCPD) wird die Spülflüssigkeit regelmäßig von einem Gerät, einem so genannten Zykler, ausgetauscht. Praktischerweise geschieht dies nachts, da der Katheter aus dem Bauch des Patienten an das Gerät angeschlossen werden muss. Pro Nacht führt das Gerät ca. 6 Zyklen durch. Insgesamt werden dabei etwa 12-15 Liter Spülflüssigkeit in der Bauchhöhle ausgetauscht.

Viele Patienten schätzen an der Peritonealdialyse, dass sie nicht mehrere Tage pro Woche für mehrere Stunden an ein Gerät angeschlossen sind. Sie hat darüber hinaus den Vorteil, dass die giftigen Substanzen gleichmäßiger entfernt werden als bei der Hämodialyse und dass kein Blut verloren geht. Bei vielen Patienten kann die eigene Nieren-Restfunktion länger erhalten werden als bei der Hämodialyse. Die kontinuierliche zyklische Peritonealdialyse wiederum hat gegenüber der ambulanten Peritonealdialyse den Vorteil, dass die Patienten tagsüber durch ihre Nierenkrankheit kaum beeinträchtigt sind. Sie eignet sich daher gut für Berufstätige. Die Eignung für eines der beiden Verfahren ist individuell unterschiedlich. Sie hängt wesentlich von den Transporteigenschaften des Bauchfells des einzelnen Patienten ab und muss sorgfältig mit dem Arzt abgesprochen werden.

Einige Patienten finden jedoch die Dialyse über den eigenen Bauch unangenehm oder umständlich. Die Beutel mit der Spülflüssigkeit müssen gelagert und jedes Mal vorgewärmt werden. Außerdem besteht bei der Peritonealdialyse die Gefahr, dass über den Katheter Keime von außen in den Bauchraum wandern und sich der Katheter oder das Bauchfell entzündet (Peritonitis). Da die Dialyse über das Bauchfell etwas weniger effektiv als die Dialyse mit einem Dialysator, ist sie für Patienten, die eine hohe Rate an Entgiftung benötigen, nicht sinnvoll. 

Hämofiltration

Bei den meisten Dialyse-Patienten lässt nach ein paar Monaten die Urinproduktion stark nach. Um eine Wasseransammlungen zu vermeiden, kann dem Blut mittels Filtration Wasser entzogen werden. Dabei steht das zu reinigende Blut unter einem höheren Druck als die Spülflüssigkeit auf der anderen Seite der Membran. So wird Flüssigkeit aus dem Blut in das Dialysat abgepresst und giftige Stoffe im Blut aus dem Blut entfernt. Durch das Abpressen von Flüssigkeit kann mit dieser Methode das Blut auch eine entgiftet werden. Dabei muss allerdings Flüssigkeit zugeführt werden, um die mit den Giftstoffen abgepresste Flüssigkeit zu ersetzen.

Diese Methode ist von der Entgiftungsleistung deutlich inneffektiver als die Dialyse - wenn auch kreislaufschonender. Sie muss deshalb als kontinuierliches Verfahren über 24 Stunden angewendet werden, was Ihren Einsatz  nur auf der Intensivstation und in speziellen Sonderfällen sinnvoll macht. Die Filtration zum Entzug von Wasser ist jedoch Bestandteil fast jeder Dialyse.

Hämodiafiltration

Die Hämodiafiltration ist eine Kombination aus Hämodialyse und Hämofiltration. Patienten mit einer chronischen Nierenschwäche werden damit etwa 3-mal pro Woche 4-5 Stunden dialysiert.

Hämoperfusion

Bei der Hämoperfusion wird das Blut durch Substanzen gepumpt, die sehr gut absorbieren können, z. B. Aktivkohle. An der Kohle bleiben Giftstoffe hängen und werden so aus dem Blut entfernt. Dieses Verfahren wird vor allem dann durchgeführt, wenn sich ein Patient vergiftet hat, z. B. durch eine Überdosis Schlaf- oder Beruhigungsmittel.

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