Herzklappenfahler: Beschwerden, Auswirkungen & Prognose

Die klassischen Symptome eingeschränkter Leistungsfähigkeit bei einem Herzklappenfehler treten zunächst nur bei körperlicher Belastung auf. Es sind in erster Linie: Kurzatmigkeit (Dyspnoe), Pulsbeschleunigung, häufig auch Unregelmäßigkeit des Pulsschlags (Rhythmusstörungen), rasche Ermüdbarkeit, gelegentlich auch Schwindel. Sind die Klappen der linken Herzseite, also die Aorten - und/oder Mitralklappe betroffen, so ist Kurzatmigkeit (Atemnot) das führende Symptom der Linksherzschwäche. Die Kurzatmigkeit ist auf den Rückstau vom Blut in die Lunge zurückzuführen.

Der Schweregrad (I-IV) eines Herzklappenfehlers wird einerseits nach objektiven Kriterien beurteilt, wie zum Beispiel hinsichtlich des Druckgradienten bei einer Klappenstenose oder des Blutvolumens, das bei Undichtigkeit einer Klappe zurückfließt, ferner im Hinblick auf die Auswurfleistung der Herzkammer und die meist echokardiographisch beschriebenen Veränderungen an der Klappe selbst.
Die Beschwerden (Symptome) und der Grad der Leistungseinschränkung durch den Klappenfehler werden ebenfalls in vier Funktionsklassen nach NYHA (New York Heart Association) I – IV eingeteilt. Leicht - bis mittelgradige Herzklappenfehler bereiten häufig keine Beschwerden.

Sowohl die erhöhte Druckbelastung bei einer Klappenstenose als auch die erhöhte Blutmenge (Volumenbelastung) bei einer Klappeninsuffizienz führen zu morphologischen und funktionellen Veränderungen der betroffenen Herzkammern. Eine Verdickung der Herzmuskulatur (Herzmuskelhypertrophie) und/oder eine Erweiterung der Herzkammer sind die Folge. Beide Veränderungen sind Wegbereiter einer Herzschwäche.

Aortenklappenstenose

Die reine Aortenklappenstenose bleibt nicht selten über längere Zeit ohne Beschwerden (also asymptomatisch). Treten die typischen Symptome einer höhergradigen Aortenstenose auf – dies sind Kurzatmigkeit bei Belastung, Angina pectoris und Schwindel bis hin zur Ohnmacht – sollte mit der Indikation zum Klappenersatz nicht allzu lange abgewartet werden.

Aortenklappeninsuffizienz

Auch die Aortenklappeninsuffizienz bleibt so lange beschwerdefrei (asymptomatisch), wie die linke Herzkammer die vermehrte Volumenbelastung (durch das zurückfließende Blut) kompensieren kann. Ist das nicht mehr der Fall, wird wiederum Kurzatmigkeit (Atemnot) zum führenden Symptom.
Wie bei der Aortenstenose unterscheidet man vier Schweregrade der Aorteninsuffizienz. Der Blutrückstrom in die linke Herzkammer verursacht je nach dessen Schweregrad eine so genannte Volumenüberlastung; sie erweitert sich und eine Herzschwäche ist die weitere Folge.

Mitralklappenstenose

Auch bei der Mitralstenose ist die Atemnot bei Belastung und im fortgeschrittenen Stadium schon in Ruhe das hauptsächliche Symptom. Sehr häufig findet man bei diesem Klappenfehler einen unregelmäßigen schnellen Puls, bedingt durch Vorhofflimmern.

Mitralklappeninsuffizienz

Bei langsam zunehmendem Schweregrad einer Mitralinsuffizienz sind Leistungsknick, schnelle Ermüdbarkeit und Kurzatmigkeit bei Belastung die wichtigsten Symptome. Bei akut sich entwickelnder Mitralinsuffizienz (infolge einer akuten infektiösen Endokarditis oder Infarktkomplikation) kommt es zu rasch auftretender Atemnot und selbst auf Distanz hörbaren Rasselgeräuschen in der Lunge.

Erkrankung der Trikuspidal- und Pulmonalklappe

Sind die Trikuspidal- und Pulmonalklappe erkrankt, also die Herzklappen der rechten Herzhälfte, können sich die Symptome einer Rechtsherzschwäche ausbilden. Diese sind vor allem Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum (Aszites) und Anschwellung (Ödeme) der Knöchel und Unterschenkel.

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Wolfram Delius, Münc

Literatur:
Der Kardiologe 02/2018; https://www.springermedizin.de/interventionelle-therapie-von-av-klappenerkrankungen-fokus-mitra/15468312
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.