Schlaganfall: Warnzeichen, Symptome & Erste Hilfe

Warnzeichen bei einem Schlaganfall

In vielen Fällen kommt ein Schlaganfall nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich durch Warnzeichen an. Dazu gehören:

  • nur kurz andauernde Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte
  • kurzzeitige Sprachstörungen (d.h. Probleme, Sprache zu verstehen oder Störung der Sprachfähigkeit)
  • kurzes Erblinden auf einem Auge (Amaurosis fugax) oder Sehstörungen (Doppelbilder sehen, Einschränkung des Gesichtsfeldes)
  • Drehschwindel, Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, plötzliche Stürze
  • plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen
  • vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder Desorientierung in Bezug auf Raum, Zeit oder Personen

Solche Vorboten treten bei bis zu 30% aller Schlaganfall-Patienten im Vorfeld eines Schlaganfalls auf. Sie beginnen meist plötzlich und können einige Minuten oder Stunden andauern, um anschließend wieder abzuklingen. Ausfallerscheinungen, die nicht länger als 24 Stunden anhalten, werden als transitorisch ischämische Attacke (TIA) bezeichnet.

Patienten mit solchen Warnzeichen sollten, auch wenn sie schon wieder abgeklungen sind, unverzüglich in ein Krankenhaus gebracht werden. Schnelligkeit ist hier das oberste Gebot. Die Vorstellung eines unbedeutenden, weil rasch abklingenden Geschehens (früher auch gerne als „Schlägle" verharmlost) gehört der Vergangenheit an. Eine sofortige ärztliche Behandlung kann unter Umständen einen vollständigen Schlaganfall verhindern oder zumindest seine Folgen begrenzen. Befindet sich eine „Stroke unit" in der Nähe, sollte der Patient vorzugsweise dort ärztlich behandelt werden.

Erste Hilfe bei einem Schlaganfall

Bei dem leisesten Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Notarzt über den Notruf 112 oder die örtliche Notrufnummer alarmiert werden. Jede Minute zählt! Der Umweg über den Hausarzt kostet wertvolle Zeit. Wichtig ist es, im Telefonat den Verdacht auf Hirninfarkt zu äußern. Patienten, die innerhalb von drei Stunden im Krankenhaus eintreffen und dort in speziellen Schlaganfall-Einrichtungen behandelt werden, haben erheblich bessere Überlebens- und Rehabilitationschancen.
Bis zum Eintreffen des Notarztes sollten Hilfeleistende den Betroffenen beruhigen. Damit der Patient besser atmen kann, gilt es, den Oberkörper hochzulagern und enge Kleidung wie etwa Kragen oder Krawatte zu öffnen. Im Falle eines Kreislauf-Stillstands, also wenn der Patient bewusstlos ist und keine Atmung zu erkennen bzw. kein Puls mehr tastbar ist, muss sofort mit einer Herzdruckmassage und der Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen werden.

Symptome bei einem Schlaganfall

Die durch einen Schlaganfall verursachte Mangeldurchblutung im Gehirn führt in den meisten Fällen zu Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen oder Gangunsicherheit. Der Betroffene kann plötzlich hinfallen und anschließend Lähmungen auf einer Körperseite aufweisen. Je nach Stärke des Schlaganfalls können leichte Lähmungen von Gesicht oder Arm bis hin zur kompletten Lähmung einer Körperhälfte (Halbseitenlähmung) auftreten. Im Gesicht kann sich die Lähmung durch einen einseitig herunterhängenden Mundwinkel bemerkbar machen.

Weitere Symptome eines Schlaganfalls können Sprachstörungen, Sehstörungen, Schluck-störungen, Schwindel, Gefühlsausfälle und in schweren Fällen auch Bewusstseinsstörungen sein. Das plötzliche Sehen von Doppelbildern oder der Ausfall der Sehfähigkeit nach einer Seite gehören gelegentlich auch zu den Zeichen eines Schlaganfalls. Sprachstörungen machen sich dadurch bemerkbar, dass die Patienten Gegenstände oder Personen nicht mehr mit den passenden Begriffen oder Namen benennen können. Neben den genannten Symptomen kann es zu starken Kopfschmerzen kommen, die auch mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein können. Sie sind ein Hinweis darauf, dass eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls in Frage kommt.

Welche Ausfallerscheinungen bei den Patienten auftreten und wie stark sie sind, hängt in erster Linie von der betroffenen Gehirnregion und dem Ausmaß der Gehirnschädigung ab. Dauern die Symptome mindestens 24 Stunden an, liegt ein vollendeter Schlaganfall vor. Zumindest ein Teil des Hirngewebes ist dann meist dauerhaft geschädigt. Bilden sich die Ausfallerscheinungen innerhalb von Minuten oder Stunden wieder zurück, liegt eine transitorisch ischämische Attacke (TIA) vor. Ob vollendeter Schlaganfall oder TIA - jedes Ereignis dieser Art ist ein Notfall, und der Patient ist so schnell wie möglich in ein Krankenhaus einzuliefern. Am besten ist es, den Notarzt sofort zu verständigen und den Patienten mit Blaulicht ins Krankenhaus zu bringen. Je schneller er mit den richtigen Therapien behandelt wird, umso größer sind seine Chancen, dass sich die Symptome wieder möglichst vollständig zurückbilden.

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Dr. Gerhart Tepohl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 25.08.2017

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