Schlaganfall: Untersuchungen & Diagnose

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall gilt es, umgehend Ausfallerscheinungen oder auch versteckte Symptome, die auf einen Schlaganfall hinweisen, festzustellen und richtig einzuordnen. Zudem werden mögliche Risikofaktoren des Patienten und eventuell aufgetretene Frühwarnsymptome abgefragt. Die Diagnose Schlaganfall kann am Ende der Erstuntersuchung mit großer Sicherheit gestellt werden. Da die Therapie von der Ursache eines Schlaganfalls abhängt, müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob z. B. ein Blutgerinnsel oder eine Hirn-blutung den Schlaganfall ausgelöst haben.

Bildgebende Verfahren

Computertomografie

In den meisten Fällen wird nach der Erstuntersuchung zunächst eine Computertomografie (CT) des Kopfes durchgeführt. Diese Computertomografie liefert Bilder des Gehirns und seiner Blutgefäße. Sie ermöglicht, zwischen einer Durchblutungsstörung (ca. 80% der Schlaganfälle), einer Hirnblutung (ca. 15% der Schlaganfälle) und anderen Ursachen, z. B. einem Tumor, zu unterscheiden. Steht die Ursache fest, sollten umgehend entsprechende therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden.

Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie MRT)

Auch mit Hilfe der Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie MRT) können das Gehirn sowie der Verlauf und Zustand der Blutgefäße dargestellt werden. Eine MRT ermöglicht dem Arzt, sich ein präzises Bild über den Ort und das Ausmaß der Schädigung im Gehirn zu machen. Dies kann ihm auch bei der Beurteilung helfen, inwieweit sich der Patient eventuell von seinem Schlaganfall wieder erholen kann.
Die Magnetresonanztomografie liefert genauere Ergebnisse als die Computertomografie, benötigt auf der anderen Seite dafür aber auch mehr Zeit. Sie wird je nach Befund und Fragestellung manchmal auch zusätzlich zu einer Computertomographie eingesetzt. Im MRT ist eine Durchblutungsstörung deutlich eher (4-6 Stunden) als im CT diagnostizierbar.

Angiografie

Mit Hilfe der Angiografie können die Blutgefäße im Gehirn dargestellt werden. Man unterscheidet vier verschiedene Verfahren: Bei der arteriellen Angiografie wird unter örtlicher Betäubung ein Katheter in die große Körperschlagader oder eventuell die Halsschlagader eingeführt, dann spritzt der Arzt dem Patienten ein Kontrastmittel. Die anschließend durch-geführte Röntgenaufnahme zeigt die Hirnarterien. Diese Form der Angiographie wird aber ebenso wie die sogenannte digitale Subtraktions-Angiografie (DSA) nur noch eher selten eingesetzt.

Heute wird zunehmend die nichtinvasive kontrastmittelunterstützte Computertomografie-Angiografie (CTA) vorgezogen. Mit der strahlenfreien, aber kostenintensiveren Magnet-resonanz-Angiografie (MRA) können noch weitere Fragestellungen abgeklärt werden, dabei werden die Hirnarterien ebenfalls mittels eines Kontrastmittels dargestellt.

Ultraschalluntersuchungen

Mit einer Ultraschalluntersuchung der großen hirnversorgenden Gefäße (Doppler- bzw. Duplex-Sonografie), zu denen auch die Halsschlagader gehört, stellt der Arzt fest, wie stark die betroffenen Blutgefäße z. B. aufgrund einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) eingeengt sind. Die Doppler-Sonografie kann selten auch Hinweise auf den Ablösungsort eines Blutgerinnsels (Thrombus) erbringen.
Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) erlaubt es, Veränderungen am und im Herzen festzustellen, durch die es - in erster Linie bei erheblichen Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern!) - zu Verwirbelungen des Blutstromes kommen kann. Dies kann letztendlich zur Bildung eines Thrombus im Bereich des Herzens führen, der sich eventuell ablöst, ins Gehirn wandert und dort durch Verstopfung einer mehr oder weniger großen Arterie einen Schlaganfall auslöst.

Herzrhythmusstörungen (speziell Vorhofflimmern s.o.), können also auch eine mögliche Schlaganfall-Ursache sein. Diese kann der Arzt mit einem Elektrokardiogramm (EKG), speziell mit einem Langzeit-EKG über 24-Stunden, diagnostizieren.

Weitere, seltene Untersuchungsmethoden bei einem Schlaganfall

Lumbalpunktion

In eher seltenen Fällen wird eine Lumbalpunktion vorgenommen, dabei entnimmt der Arzt mit einer feinen Nadel etwas Flüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal. Veränderungen in der Zusammensetzung dieser Flüssigkeit (sog. Nervenwasser oder Liquor cerebrospinalis) liefern wichtige Hinweise auf entzündliche Erkrankungen oder Tumoren im Nervensystem. Diese Untersuchung wird durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Gehirn- oder Gefäßentzündung besteht und andere diagnostische Verfahren zunächst keine Klarheit gebracht haben. Ein anderes Beispiel für den Einsatz der Lumbalpunktion ist, wenn der Verdacht auf eine Blutung in den Raum zwischen Gehirnoberfläche und Hirnhaut (Subarachnoidalblutung) besteht und diese durch eine Computertomografie (CT) nicht nachgewiesen werden konnte.

Laboruntersuchungen

Dabei wird die Konzentration der roten (Erythrozyten) und weißen Blutkörperchen (Leukozyten, Lymphozyten, Granulozyten) festgestellt. Von besonderem Interesse sind auch die Blutplättchen (Thrombozyten) und andere Blutwerte, welche die Blutgerinnung beeinflussen. Bei einer krankhaften Störung des Gerinnungssystems verklumpen die Blutplättchen und bilden eventuell gefährliche Blutgerinnsel. Zudem werden Blutzuckerwerte, Kalium- und Natriumkonzentration sowie Leber- und Nierenwerte gemessen. Wichtig sind auch Hinweise auf Entzündungsprozesse, die auch eine wichtige Rolle spielen können.

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Dr. Gerhart Tepohl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 25.08.2017

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