Schilddrüsenkrebs: Untersuchungen & Diagnose

Die Schwierigkeit für den Arzt besteht darin, zwischen gut- und bösartigen Schilldrüsenknoten zu unterscheiden. Bei einem Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom wird der Arzt im Gespräch mit dem Patienten für seine Beurteilung wichtige Anhaltspunkte sammeln und diesen dann körperlich eingehend untersuchen. Wichtige Informationen für den Arzt sind unter anderem, ob der Patient in den letzten Jahrzehnten mit einer Strahlentherapie behandelt wurde und ob Familienmitglieder unter einem bösartigen Tumor der Schilddrüse oder an einer mutliplen endokrinen Neoplasie leiden. Auch ob die Schilddrüse vergrößert ist (Kropf) oder der Patient Probleme beim Atmen oder beim Schlucken hat, können wichtige Informationen sein.

Nach einer solchen Anamnese untersucht der Arzt den Patienten sorgfältig. Dabei stellt sich der Arzt hinter den sitzenden Patienten und tastet die Drüse von hinten ab. Bei der Untersuchung lässt er den Patienten schlucken, was allerdings nur maximal 2-mal hintereinander funktioniert. Tastet er einen harten Knoten, der sich beim Schlucken nicht verschiebt, ist dies höchstverdächtig für einen bösartigen Tumor. Ist die Geschwulst so groß, dass sie auf die Venen drückt, die das Blut aus dem Kopf zum Herzen zurücktransportieren, sind prall gefüllte Venen am Hals sichtbar. Manche Patienten haben dann das Gefühl, ihr Kopf sei „voller Blut" andere leiden unter Kopfschmerzen. Haben sich Tumorzellen eines Schilddrüsenkarzinoms in die Lymphknoten ausgebreitet, kann der Arzt die vergrößerten Lymphknoten am Hals oder oberhalb der Schlüsselbeine tasten.

Bei fortbestehendem Verdacht auf einen bösartigen Tumor, wird der Arzt die Schilddrüse mittels bildgebender Verfahren und Blut- sowie Gewebeuntersuchungen genauer untersuchen.

Schilddrüse (Sonografie)

Mit einer Ultraschall-Untersuchung können heutzutage Knoten in der Schilddrüse erkannt werden, die nur wenige Millimeter groß sind. Eine exakte Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Tumoren ist zwar mit dem Ultraschall nicht möglich, aber bestimmte Anzeichen im Ultraschall können darauf hinweisen, ob ein Knoten gut- oder bösartig ist. Insbesondere die seit kurzem eingesetzte farbcodierte Duplex-Sonografie kann durch typische verstärkte Durchblutung innerhalb der Knoten einen bösartigen Schilddrüsenknoten sichtbar machen.

Szintigrafie

Ein Szintigramm wird durchgeführt, wenn der Arzt einen Knoten getastet oder im Ultraschall gesehen hat. Dabei verabreicht er die schwach radioaktive Substanz Technetium, die sich in der Schilddrüse anreichern kann. Im Szintigramm der Schilddrüse können Knoten ab einer Größe von etwa einem Zentimeter entdeckt werden. Knoten, die kein Technetium speichern, nennt man auch „kalte Knoten". Ein kalter Knoten im Szintigramm kann auf ein Schilddrüsenkarzinom hindeuten und muss weiter untersucht werden. Manchmal können auch speichernde, so genannte heiße Knoten (autonome Adenome), ein Schilddrüsenkarzinom darstellen.

Gewebe- und Blutuntersuchung

Um herauszufinden, ob ein Knoten gut- oder bösartig ist, kann der Arzt mit einer feinen Nadel eine Gewebeprobe aus dem Tumor entnehmen (Feinnadelbiopsie) und diese von einem Pathologen untersuchen lassen. Kalte Knoten mit einem Durchmesser von mehr als einem Zentimeter sollten mittels Punktion weiter untersucht werden. Die Wahrscheinlichkeit, mit der Feinnadelbiopsie einen bösartigen Tumor zu erkennen, beträgt maximal etwa 80%. Die Schwierigkeit besteht darin, dass durch die Punktion nur einzelne Zellen erfasst werden, so dass differenzierte Karzinome unter Umständen nicht erkannt werden können. Besteht trotz eines negativen (gutartigen) Punktionsbefunds aufgrund der klinischen Symptome ein begründeter Verdacht auf einen Tumor, wird trotzdem eine Operation durchgeführt. Dabei werden während der Operation mittels Schnellschnittdiagnostik Gewebeproben entnommen und im Labor untersucht. Abhängig vom Ergebnis dieser Untersuchung wird dann das weitere operative Vorgehen festlegt.

Ein Schilddrüsenkarzinom kann zudem bestimmte Blutwerte erhöhen. So ist bei einem medullären Schilddrüsenkarzinom der Calcitonin-Wert erhöht. Außerdem werden die Schilddrüsenwerte (TSH, T3 und T4) und Kalzium, die Leberwerte und das Blutbild bestimmt. Leiden andere Familienmitglieder unter einer multiplen endokrinen Neoplasie und besteht der Verdacht, dass auch der Patient unter dieser erblichen Erkrankung leidet, können die zugrunde liegenden genetischen Veränderungen (Mutationen) über das Blut bestimmt werden. Die Bestimmung des Tumormarkers Thyreoglobulin ist nur nach der Erstbehandlung eines Schilddrüsenkarzinoms sinnvoll, um Reste von Schilddrüsengewebe oder einen Rückfall im weiteren Verlauf feststellen zu können. Zur Erkennung eines Schilddrüsenkarzinoms hat dieser Marker keinerlei Bedeutung, da er auch bei anderen, viel häufigeren Schilddrüsenerkrankungen erhöht ist.

Mit zusätzlichen bildgebenden Verfahren wie Computer- (CT), Magnetresonanztomografie (MRT/MRI), Röntgen, Knochenszintigrafie oder einer Positronenemissionstomografie (PET) kann der Arzt feststellen, ob sich bereits in anderen Bereichen des Körpers Tochtergeschwülste (Metastasen) abgesiedelt haben.

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