Behandlung bei Schilddrüsenkrebs

Um einen Patienten mit einem Schilddrüsenkarzinom von seinem Tumor zu heilen, arbeiten Chirurgen, Strahlenmediziner und Internisten eng zusammen. Ein Patient mit einem Schilddrüsenkarzinom sollte sich immer in einem spezialisierten Zentrum behandeln lassen.

Die Behandlung gliedert sich in mehrere Schritte:

Operation

In vielen Fällen muss der Chirurg die Schilddrüse vollständig entfernen (radikale Thyreoidektomie). Je nach Größe und Ausdehnung des Karzinoms werden Lymphknoten zusätzlich entfernt, das gilt insbesondere für das medulläre Schilddrüsenkarzinom, das immer in den Lymphknoten Tochtergeschwülste bildet. Ist ein Schilddrüsenkarzinom in die Umgebung eingewachsen, z. B. in die Speiseröhre, Luftröhre oder in Blutgefäße, muss der Chirurg versuchen, diese Anteile - soweit möglich - mit zu entfernen. Nur bei sehr kleinen papillären Schilddrüsenkarzinomen (kleiner als 1 Zentimeter) kann eine Entfernung ausschließlich der befallenen Schilddrüsenlappen auseichend sein.

Bestrahlung (Radiojodtherapie)

Etwa 3 Wochen nach der Operation wird die Schilddrüse des Patienten mit radioaktiv markiertem Jod behandelt, falls eine Jodspeicherung im vorausgegangenen Radiojod-Test nachweisbar ist. Damit können restliche Tumorzellen abgetötet werden. Das radioaktive Jod wird dem Patienten als Kapsel oder Flüssigkeit verabreicht, es lagert sich im speichernden Schilddrüsenrestgewebe ein und gibt dort seine Strahlung ab. Die Bestrahlung kann falls notwendig auch mehrfach durchgeführt. Die Strahlenbehandlung kann eine lokale Entzündung der Umgebung der Schilddrüse, selten der Magenschleimhaut (Gastritis) oder der Speicheldrüsen auslösen. Vor lokalen Entzündungen können eine kurzfristige Kortison-Therapie oder auch nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR) schützen.

Bei der Bestrahlung ist es wichtig, dass der Patient ausreichend trinkt, damit das Jod nicht seine Nieren schädigt. Um einer - selten auftretenden - Gastritis vorzubeugen, kann der Patient säurehemmende Medikamente (z.B. H2-Blocker) einnehmen. Schwangere Frauen mit einem Schilddrüsenkarzinom dürfen nicht bestrahlt werden.

Medikamente

Nach der Operation und einer eventuellen zusätzlichen Strahlentherapie erhält der Patient das Schilddrüsenhormon L-T4 (Levothyroxin), um einerseits die aus der Therapie resultierende Unterfunktion auszugleichen und andererseits die Produktion des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons (TSH) in der Hirnanhangsdrüse zu bremsen, denn nach Entfernung der Schilddrüse produziert der Körper TSH im Überschuss. Normalerweise bremsen die in der Schilddrüse produzierten Schilddrüsenhormone die Produktion von TSH (negative Rückkopplung). Nach Entfernung der Schilddrüse steigt das TSH massiv an, da der Körper zu wenig oder gar keine Schilddrüsenhormone mehr herstellt.

Ziel ist es, die Hormondosis zu finden, die den TSH-Spiegel möglichst niedrig hält, ohne dass die Schilddrüsenhormonwerte bereits zu hoch liegen. Je höher der TSH-Spiegel ist, desto größer ist das Risiko, dass mögliche noch verbliebene Schilddrüsenzellen zum Wachstum angeregt werden und wieder einen Tumor bilden können. Der TSH-Wert sollte weniger als 0,1 mU/l (Tausendstel Internationale Einheiten pro Liter) betragen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Perkutane Strahlentherapie

Lokal ausgedehnte Karzinome müssen zusätzlich eine von außen bestrahlt werden. Undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome reagieren etwas empfindlicher auf eine Strahlentherapie als differenzierte Tumore.

Chemotherapie

Patienten, bei denen der Tumor schnell wächst und sich rasch im Körper ausbreitet oder der nicht vollständig herausoperiert werden kann, profitieren - wenn auch sehr selten -  von einer Chemotherapie: In etwa 10-20% der Fälle bildet sich der Tumor zumindest teilweise zurück. Der Nutzen einer Chemotherapie ist jedoch noch nicht abschließend gesichert. Für die Chemotherapie von papillären oder follikulären Tumoren wird Doxorubicin eingesetzt. Als Alternative kommen Epirubicin und Aclarubicin in Frage.

Bei Patienten mit einem medullären Schilddrüsenkarzinom müssen Nutzen und Risiken einer Chemotherapie ebenfalls sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Eine gesicherte lebensverlängernde Wirkung der Chemotherapie gibt es auch bei dieser Tumorform nicht. Beim medullären Karzinom werden Doxorubicin alleine oder in Kombination mit  Cisplatin, Vindesin und anderen Präparaten eingesetzt. Alternativen sind Cyclophosphamid, Vincristin und Dacarbacin. Interferon, zusammen mit Octreotid wird ebenfalls bei einigen Patienten eingesetzt.

Die seltenen, aber sehr aggressiv wachsenden anaplastischen Karzinome werden mit Cisplatin und Mitoxantron bzw. Vincristin und Mitoxantron behandelt. Eine Alternative ist Doxirubicin, ggf. in Kombination mit Cisplatin. Auch hier ist die Chemotherapie mit ihren jetzigen Möglichkeiten durchaus umstritten. Der Einsatz einer Chemotherapie ist derzeit immer noch Einzelfällen vorbehalten.

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