Typhus, Paratyphus: Symptome & Komplikationen

Symptome

Die Inkubationszeit beim Typhus abdominalis beträgt meist 1-2 Wochen, kann jedoch erheblich schwanken (zwischen 3 und 60 Tagen); beim Paratyphus beträgt sie 1–10 Tage. Die ersten Krankheitszeichen sind wenig charakteristisch (sog. Prodromalstadium, also die Krankheitsphase, in der uncharakteristische Vorzeichen oder auch Frühsymptome, die so genannten Prodrome, auftreten) mit Kopf- und Gliederschmerzen, evtl. auch mit leicht erhöhter Körpertemperatur. Dann kommt es innerhalb von 2–3 Tagen zu einem langsamen (treppenförmigen) Fieberanstieg und einem deutlichen allgemeinen Krankheitsgefühl mit Benommenheit und uncharakteristischen Bauchbeschwerden (Stadium incrementi). Die Körpertemperatur kann hohe Werte um 40°C erreichen und schwankt meist wenig (sog. Kontinua). Fiebersenkende Maßnahmen haben oft nur begrenzte Wirkung. Die Zunge ist grau-gelb belegt mit freien rötlichen Rändern (sog. Typhuszunge).

In der 2. Krankheitswoche (Stadium acmes) treten bei einem Teil der Patienten kleine hellrote, stecknadelkopfgroße (2–4 mm), nichtjuckende Hautausschläge (Roseolen) zumeist an der Bauchhaut auf. Auffällig ist oft ein im Verhältnis zum hohen Fieber langsamer Puls (relative Bradykardie). Häufig besteht zunächst eine Verstopfung, erst später - in der 2. oder 3. Krankheitswoche - treten die typischen erbsbrei-artigen Durchfälle auf. Diese beruhen auf einer durch die Bakterien verursachten Entzündung von Lymphgefäßen in der Dünndarmschleimhaut (sog. Peyersche Plaques). Bei nicht antibiotisch behandelten Patienten können die hohen Temperaturen um 40 °C bis zu 3 Wochen anhalten oder auch täglich schwanken (Stadium amphibolicum) und es schließt sich dann oft eine lange Phase der Rekonvaleszenz an (Stadium decrementi). Bei weiterhin nachweisbaren erhöhten (subfebrilen) Temperaturen ist mit dem Wiederauftreten der Krankheit (Rückfall bzw. Rezidiv) zu rechnen. Auch mehrfache Rückfälle sind möglich.

Der klinische Verlauf bei Paratyphus ist ähnlich wie bei Typhus, jedoch meist leichter ausgeprägt. So treten häufiger gastroenteritische Verlaufsformen mit Durchfällen, Übelkeit, Erbrechen, abdominellen Schmerzen und Fieber bis 39 °C auf. Die Krankheitsdauer beträgt 4–10 Tage.

Eine überstandene Typhus-Erkrankung hinterlässt eine etwa ein Jahr anhaltende Immunität, die jedoch mit einer hohen Infektionsdosis jederzeit durchbrochen werden kann.

Auswirkungen & Komplikationen

Komplikationen treten meist erst nach der ersten Krankheitswoche auf und können dann rasch lebensbedrohlich verlaufen. Am häufigsten kommt es bei unbehandelten Patienten zu Darmblutungen und Darmdurchbrüchen mit Bauchfellentzündung. Weitere Komplikationen sind Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase, der Knochen, der Herzklappen und der Hirnhäute sowie Thrombosen in den Becken- und Beinvenen mit der Gefahr von Embolien der Lunge und anderer Organe. 

Bei Kindern im Alter von unter einem Jahr verläuft die Erkrankung schwerer und es treten häufiger Komplikationen auf. Ohne antibiotische Behandlung können 2 bis 5 % der Patienten zu Dauerausscheidern werden, selten kann dies auch nach einer Antibiotikabehandlung vorkommen. Die in der Regel symptomlosen Dauerausscheider (permanent carriers) von Salmonella Typhi oder Salmonella Paratyphi scheiden die Bakterien mit dem Stuhl (selten Urin) länger als 6 Monate aus, zum Teil sogar lebenslang. Sie können so eine Infektionsquelle für die Umwelt (Abwasser-Kontamination) und andere Menschen sein. In Deutschland bekannte Dauerausscheider sind meist älter als 50 Jahre und häufiger weiblich. Die Dauerausscheidung von S. Typhi kann durch eine chronische Besiedelung entweder des Darms oder der Gallenblase verursacht sein.

Autor/Autoren: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. Thomas Löscher, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: J. Meyer et al. ; Elsevier, 11/2018

Letzte Aktualisierung: 29.01.2019

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