Zöliakie: Ursachen & Risikofaktoren

Die genauen Ursachen, die zu einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten führen können, sind noch immer unbekannt. Wahrscheinlich löst aber eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Umwelteinflüssen die Zöliakie aus. Neuesten Erkenntnissen zufolge ist die Darmwand bei einer Gluten-Unverträglichkeit durchlässig für teilweise verdaute Gluten-Moleküle, die so in den Körper gelangen und dort eine Überreaktion des Immunsystems hervorrufen können.

Verwandte ersten Grades von Zöliakie-Patienten, also Eltern, Geschwister oder Kinder, leiden häufig ebenfalls unter der Erkrankung. Genetische Ursachen sind also offenbar an der Entstehung beteiligt. In der Tat weisen fast alle Betroffenen die so genannten Histokompatibilitätsantigene HLA DQ2 und DQ8 auf. Allerdings trägt auch ein Viertel aller gesunden Menschen diese Gene in sich, ohne zu erkranken. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass noch weitere Faktoren zusammen treffen müssen, um die Gluten-Unverträglichkeit auszulösen. Dazu zählen weitere, bislang unbekannte Gene, möglicherweise aber auch Infektionen im frühen Kindesalter (insbesondere wiederholte Magen-Darm-Erkrankungen im ersten Lebensjahr), Umwelteinflüsse oder die Dauer der Stillzeit im Säuglingsalter.

Die verschiedenen schädigenden Abschnitte des Gluten-Moleküls enthalten große Mengen der Aminosäuren Prolin und Glutamin. Diese Aminosäuren führen bei sensibilisierten Menschen zu einer Kettenreaktion sowohl in der Dünndarmschleimhaut als auch im Immunsystem. Zunächst binden die schädigenden Abschnitte des Glutens an die Oberfläche der Schleimhautzellen und hier insbesondere an die verstärkt gebildeten HLA-DQ2-Antigene. Erst diese Bindung löst eine kaskadenartige Aktivierung des Immunsystems aus, die in einer Entzündung gipfelt und in deren Folge unterschiedliche Antikörper ausgeschüttet werden, darunter der Gewebstransglutaminase-Antikörper (tTG-AK)

Als Folge dieser entzündlichen Prozesse bilden sich die Dünndarmzotten zurück, so dass die Darmoberfläche kleiner wird und Nahrungsbestandteile nicht mehr ausreichend aus dem Darm aufgenommen werden können.

Die Art und Weise der Säuglingsernährung ist wahrscheinlich ein beeinflussbarer Risikofaktor für die Entstehung einer Zöliakie. So haben Kinder, die bis zu ihrem sechsten Lebensmonat von ihren Müttern gestillt wurden, ein geringeres Risiko für die Entstehung einer Zöliakie. Offenbar stärkt Muttermilch das Immunsystem und führt zu einer Toleranz gegenüber Gluten. Zudem scheint entscheidend, dass der ersten Beikost nicht zu große Mengen an glutenhaltigen Lebensmitteln beigesetzt sind.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Dr. Martin Strauch, Neubiberg

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017
DGVS (05/2014) S2k-Leitlinie: „Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität“: https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitlinien-der-dgvs/zoeliakie/

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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