Internisten im Netz

News


12.07.2017

Risiko für Gluten-Unverträglichkeit durch Infektionen im Babyalter erhöht

Infektionen im frühen Kindesalter fördern das Risiko für eine spätere Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit). Diesen Schluss ziehen Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD). Sie hatten Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns von 295.420 Kindern, die in den Jahren 2005 bis 2007 geboren waren, ausgewertet (siehe American Journal of Epidemiology, Online-Veröffentlichung am 16.6.2017). Berücksichtigt wurden ärztlich dokumentierte Infektionen seit der Geburt bis zum Alter von - im Mittel - 8,5 Jahren. Insgesamt entwickelten 853 Kinder eine Gluten-Unverträglichkeit, das entspricht einem Anteil von 0,3 Prozent.

Wiederholte Magen-Darm-Erkrankungen im ersten Lebensjahr erhöhen das Risiko demnach besonders. In früheren Veröffentlichungen hatten die Wissenschaftler um Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler bereits einen Zusammenhang zwischen frühkindlichen Infektionen und der Entstehung von Typ-1-Diabetes nachgewiesen. Das höchste Erkrankungsrisiko beobachteten sie bei Kindern mit wiederholten Atemwegsinfektionen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate.

Nach der aktuellen Auswertung war hingegen das Risiko, an einer Zöliakie zu erkranken, besonders hoch, wenn im ersten Lebensjahr Infektionen des Magen-Darm-Trakts aufgetreten waren. Menschen mit Zöliakie vertragen das Klebereiweiß Gluten nicht, das in den meisten Getreidesorten wie Weizen, Dinkel und Roggen vorkommt. Sie müssen daher den Verzehr von Lebensmitteln, die auf diesen Getreidesorten basieren, vermeiden.

Zu einem geringeren Grad war ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auch im Zusammenhang mit frühen Atemwegserkrankungen nachweisbar. „Unsere Daten erlauben jedoch nicht den Schluss, ob die beobachteten Assoziationen kausal sind und beispielsweise auf Änderungen im Mikrobiom oder spezifischen Immunantworten beruhen", kommentiert Erstautor PD Dr. Andreas Beyerlein die Ergebnisse. „Allerdings sieht es so aus, dass das erhöhte Zöliakie-Risiko eher mit einer dauerhaften Entzündung des Magen-Darm-Trakts im frühen Kindesalter in Zusammenhang steht und nicht durch einen spezifischen viralen oder bakteriellen Erreger ausgelöst wird."

Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt


Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Hepatitis C in vielen Fällen heilbar

Mit neuartigen Medikamenten sind Ärzte jetzt in der Lage, Hepatitis C zu heilen – in sehr kurzer Zeit und ohne die starken Nebenwirkungen, die bei früheren Therapien häufig zum Abbruch der Behandlung geführt haben.

zum Artikel...

Personen mit Rückenschmerzen gesucht

Die Rolle von Gedächtnis und Stress bei Patienten mit Rücken- schmerzen soll in einer aktuellen Studie untersucht werden. Gesucht werden Teilnehmer in einem Alter zwischen 18 und 70 Jahren ...

zum Artikel...

Kostenübernahme der neuen Meningokokken-B-Impfung

Liste der  gesetzlichen Kranken- kassen, die eine Kostenübernahme für die neue Meningokokken-B-Impfung ohne Altersbeschränkung vornehmen.

zum Artikel...

Woher kommt Übelkeit?

Übelkeit kann ganz unterschied- liche Ursachen haben: Etwas Falsches gegessen, zu viel Alkohol getrunken oder aber es gibt psychische Gründe.

zum Artikel...

Was kann bei Reizmagen tun?

Ungesunde Ernährung und Stress sind die häufigsten Auslöser eines Druckgefühls und Schmerzen in der Magengegend...

zum Artikel...

Den Blutdruck korrekt messen

Für eine korrekte Messung des Blutdrucks zu Hause mit einem Messgerät für das Handgelenk gibt es einige Regeln zu beachten...

zum Artikel...

Herzrhythmusstörungen können vielfältig sein

Stolpern des Herzschlags oder Herzrasen haben auch gesunde Menschen gelegentlich. Bei längeren Beschwerden sollte man jedoch zum Arzt gehen...

zum Artikel...

Pseudoallergien durch Zusatzstoffe in der Nahrung

Zusätze zur Haltbar-machung und Färbung in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln können Reizungen des Mundraums oder des Magen-Darm-Traktes bewirken...

zum Artikel...

Joggen verbessert Durchblutung der Beine

Laufband-Training weitet die Blutgefäße und hilft gegen Schmerzen bei Durchblutungsstörungen...

zum Artikel...

Gesund essen statt Diäten

Ungesättigte Fettsäuren können vor Übergewicht, Diabetes und zu hohem Blutdruck schützen...

zum Artikel...