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Leberzirrhose



Was ist eine Leberzirrhose?


Die Leber ist mit einem Gewicht von 1,5 Kilogramm das größte Organ des Körpers und spielt eine wichtige Rolle beim Abbau und der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten. Sie trägt damit maßgeblich zur Entgiftung des Körpers bei.

Die Leberzirrhose stellt ein weit fortgeschrittenes Stadium einer lange bestehenden Lebererkrankung dar. Dabei wird die normale Architektur der Leber zerstört und das ursprüngliche Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt. Dieses Ersatzgewebe kann die Aufgaben der gesunden Leber nicht übernehmen. Die Funktion der Leber ist stark eingeschränkt. Die Veränderungen sind bereits mit bloßem Auge zu erkennen: Die Leber verhärtet und die Oberfläche ist mit Knoten, Narben und Höckern übersät. Die durch eine Leberzirrhose hervorgerufenen Schäden können in den meisten Fällen nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Die Leberzirrhose kann viele Ursachen haben: Alkoholmissbrauch, Viren-  und erbliche Stoffwechselerkrankungen zählen in den Industrienationen zu den häufigsten Ursachen einer Leberzirrhose. So lange diese zugrunde liegenden Krankheiten nicht behandelt werden, schreitet die Leberschädigung immer weiter voran. Durch eine gezielte Behandlung der Krankheitsursachen kann der Internist (Gastroenterologe oder Hepatologe) jedoch ein weiteres Fortschreiten vermeiden. In schweren Fällen hilft aber nur noch die Transplantation einer gesunden Spenderleber.

Der Begriff der Zirrhose leitet sich vom griechischen Wort für „gelb-orange" ab und beschreibt die gelb-grüne Färbung der veränderten Leber. Mit ca. 250 Erkrankten pro 100.000 Einwohner pro Jahr kommt die Leberzirrhose häufig vor. Im Durchschnitt erkranken und sterben etwa doppelt so viele Männer wie Frauen. Die Sterblichkeit hat in den letzten Jahren zugenommen, außerdem versterben die Patienten immer früher an der Erkrankung.


Ursachen & Risikofaktoren einer Leberzirrhose


Eine über Jahre oder auch Jahrzehnte bestehende chronische Lebererkrankung ist die Voraussetzung für die Entstehung einer Leberzirrhose. Viren, giftige Stoffe oder Stoffwechselkrankheiten zerstören dabei die Leberzellen. Dadurch werden Entzündungszellen aus dem Blut angelockt, die in die Leber einwandern und sie zusätzlich schädigen. Im weiteren Verlauf sterben Leberzellen ab und werden durch Bindegewebs- und neue Leberzellen ersetzt.

Alkohol: Ursache einer LeberzirrhoseIn Europa und den USA entstehen 60% der Leberzirrhose-Fälle durch übermäßigen Alkoholgenuss. Ein täglicher Konsum von ca. 40 Gramm Alkohol beim Mann und 20 Gramm Alkohol bei der Frau können die Leber bereits unwiederbringlich schädigen. Über 30% der Leberzirrhosen gehen auf eine Virushepatitis vom Typ B, oder C zurück.

Andere Ursachen für eine Leberzirrhose sind seltener. Dazu gehören Stoffwechselerkrankungen, autoimmune Leberentzündungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Herzprobleme und Infektionskrankheiten:

 

Stoffwechselerkrankungen

Hämochromatose

Diese Erbkrankheit tritt meist bei Männern (seltener bei Frauen) im höheren Lebensalter auf und ist durch eine erhöhte Eisenspeicherung im Körper gekennzeichnet. Das überschüssige Eisen wird in verschiedenen Organen abgelagert und schädigt auch die Leber.

Antitrypsin-Mangel (Alpha-1-Proteinase-Inhibitor-Mangel)

Eine Erbkrankheit, bei der verstärkt elastisches Gewebe durch Proteinasen abgebaut wird. Durch die Erkrankung, bei der ein verändertes Eiweißmolekül (Anti-Proteinase) in den Leberzellen gebildet wird und nicht ausgeschleust werden kann, werden diese zerstört, so dass eine Leberzirrhose entsteht.

Mukoviszidose

Die häufigste vererbte Stoffwechselstörung ist durch eine Funktionsstörung schleimproduzierender Drüsen gekennzeichnet. Die Drüsen produzieren in der Lunge und im Verdauungstrakt mehr und zähflüssigeres Sekret. Dieses Sekret kann schlecht vom Körper abtransportiert werden und zerstört dadurch das Organgewebe.

Morbus Wilson

Bei dieser vererbbaren Erkrankung kann Kupfer nicht ausreichend aus dem Körper ausgeschieden werden. Das Metall reichert sich in verschiedenen Organen an. Eine Leberzirrhose, Gedächtnisstörungen, Zittrigkeit und Psychosen können die Folge sein.

 

Immunbedingte Entzündungen

Autoimmunhepatitis

Die Erkrankung betrifft meist Frauen. Die Ursache dieser Form der Leberentzündung ist unbekannt. Im Körper der Patienten werden Abwehrstoffe (Antikörper) gegen körpereigenes Gewebe (Autoantikörper) gebildet. Diese werden jedoch nicht als Auslöser der Erkrankung angesehen.

Primäre biliäre Zirrhose (PBC)

Die PBC wird hervorgerufen durch eine chronische Entzündung der Gallenwege (Cholangitis) deren Ursache ebenfalls unbekannt ist. Auch hier sind in über 95% der Fälle Antikörper nachweisbar, was auf eine Autoimmunerkrankung hindeutet.

Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)

Die PSC ist eine chronisch verlaufende Krankheit, bei der sich entzündliche Narben an den mittleren und größeren Gallengängen bilden. Dadurch entsteht ein „Gallestau" und die Gallengänge gehen langsam zugrunde, was zu einer Leberzirrhose führen kann.

 

Weitere Ursachen

Bei lang andauerndem Gebrauch können manche Medikamente sowie Chemikalien zu einer Schädigung des Lebergewebes führen. Direkte Lebergifte sind z. B. Polyvinylchlorid (PVC) sowie die Lösungsmittel Tetrachlorkohlenstoff und Benzol. Pilze, wie z. B. Knollenblätterpilze, können die Leber akut massiv schädigen und zu Leberversagen führen.

Chronische Rechtsherzschwäche

Ist die Pumpleistung der rechten Herzkammer zu schwach, staut sich das Blut im Körperkreislauf zurück. Der dadurch ausgeübte erhöhte Druck in der Leber zerstört das Lebergewebe und kann zu einer Leberzirrhose führen.

Budd-Chiari-Syndrom

Sind die Lebervenen von Geburt an oder im späteren Leben durch Thrombosen oder Tumore verschlossen, kann es zu einer Leberzirrhose kommen.

Bilharziose

In tropischen Ländern ist eine Infektion mit den Saugwürmern eine der Hauptursachen für eine Leberzirrhose. Die Larven gelangen durch verunreinigtes Wasser durch die Haut in die Blut- oder Lymphbahn und entwickeln sich in der Leber zu ausgewachsenen Würmern. Zusätzlich können deren Eier die Pfortader verstopfen und damit das Lebergewebe schädigen.


Erste Anzeichen einer Leberzirrhose


Von einer beginnenden Leberzirrhose bemerken die Betroffenen meist nichts, da die Veränderungen keine Beschwerden verursachen. Der Internist findet oft nur zufällig auffällige Leberwerte bei einer Blutuntersuchung oder stellt bei einer Ultraschalluntersuchung die Verdachtsdiagnose einer Leberfibrose oder einer Fettleber.

Bei einer Leberfibrose ist die Architektur der Leber trotz Bindegewebebildung noch erhalten. Die Patienten verspüren ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Eine Fettleber erkennt der Internist an veränderten Blutwerten und insbesondere an ihrem typischen hellen Erscheinungsbild bei einer Ultraschalluntersuchung.


Symptome einer Leberzirrhose


Das persönliche Empfinden der betroffenen Patienten wird häufig erst im späten Stadium einer Leberzirrhose beeinträchtig. Zu den allgemeinen Krankheitszeichen zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsminderung. Ein großer Teil der Patienten klagt auch über ein Druck- oder Völlegefühl im Oberbauch sowie Blähungen und Übelkeit.

Typische Anzeichen für das Vorliegen einer Leberzirrhose äußern sich in Hautveränderungen und hormonellen Störungen:

Hautzeichen

  • Sternförmige Neubildungen von Blutgefäßen besonders am Oberkörper und im Gesicht (Spider naevi, Gefäßspinnen)
  • Juckreiz
  • Verlust der Behaarung und vermehrte Gefäßzeichnung im Bauchbereich (Bauchglatze)
  • Weißnägel, Uhrglasnägel
  • Verdickung der Sehnen im Bereich der Handinnenflächen (Duputyrensche Kontrakturen)
  • Rötung der Handballen
  • Rückbildung der Haut („Geldscheinhaut") mit Erweiterung der Hautgefäße
  • „Lacklippen, Lackzunge"
  • Rückbildung der Muskulatur und Neigung zur Osteoporose

In jeder zweiten Schwangerschaft treten Hautveränderungen, wie z. B. Rötungen der Handballen oder sternförmige Gefäßneubildungen, auf, die sich nach der Geburt meistens zurückbilden und daher nicht als Zeichen einer Leberzirrhose zu werten sind.

Hormonelle Störungen

Beim Mann kommt es oft zu Verlust der männlichen Behaarung, Potenzstörungen, Rückbildung der Hoden und zur Vergrößerung der männlichen Brustdrüsen. Frauen leiden vermehrt unter Menstruationsstörungen.

 

Ist bereits ein großer Teil der Leber zerstört können weitere Krankheitszeichen auftreten:

  • Gelbsucht (Ikterus) mit dunklem Urin, heller Stuhlfarbe und gelblicher Hautverfärbung

Auswirkungen & Komplikationen


Durch den Umbau der Leber und eine verminderte Durchblutung wird nur noch ein Teil des Blutes aus dem Magen/Darmtrakt durch die Leber geleitet und entgiftet. Die Haut und Bindehäute verfärben sich gelb und es treten Störungen der Hirnleistung, Gedächtnisstörungen, Bewusstseinstrübungen, psychische Veränderungen und Leberkoma auf. Außerdem kann es zu Blutungen kommen, da die geschädigte Leber nicht genügend Faktoren für die Blutgerinnung erzeugt. Als weiteres Problem haben Leberzirrhose-Patienten oft einen gestörten Kohlenhydratstoffwechsel und zu hohe Insulin-Werte.

Folgende Komplikationen kommen bei einer Leberzirrhose häufig vor und müssen sofort behandelt werden:

Hepatische Enzephalopathie

Die hepatische Enzephalopathie ist eine häufige Komplikation der Leberzirrhose. Giftige Abbauprodukte aus dem Eiweißstoffwechsel bleiben bei fehlender Entgiftung durch die Leber im Blut und schädigen das Gehirn (z. B. Ammoniak). Die Enzephalopathie kann anfangs völlig symptomlos und nur durch psycholometrische und psychologische Tests erfassbar sein. Zu den Krankheitszeichen gehören:

  • Konzentrationsstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Längere Reaktionszeiten
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Veränderungen des Schriftbildes  
  • Krankhafte Schläfrigkeit
  • Bewusstseinsverlust

Im Endstadium kommt es zum Leberausfallkoma. Bei einer geeigneten Behandlung kann sich die Gehirnschädigung jedoch auch wieder zurückbilden.

Pfortaderhochdruck (portale Hypertension)

Bei einer Leberzirrhose staut sich das Blut vor der vernarbten Leber. Dadurch steigt der Druck in der Pfortader, was zur Bildung neuer Blutgefäße (Krampfadern) führt. Diese können Ursache für schwere, lebensgefährliche Blutungen z. B. aus Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) sein oder zu Blutungen aus Hämorrhoiden führen. 

Bauchwassersucht (Aszites)

Die Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle stellt eine weitere Komplikation dar. Bauchschmerzen und erschwerte Atmung sind die Folge. Lebensbedrohlich wird die Situation, wenn es in Folge zu einer Infektion des Bauchfells kommt oder die Nieren versagen.

Leberkrebs

Eine Leberzirrhose birgt eine deutlich erhöhte Gefahr für Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom). Ein besonders hohes Risiko haben Patienten, bei denen sich die Zirrhose aus einer chronischen Hepatitis B oder C oder einer Hämochromatose entwickelt hat.


Leberzirrhose bei Kindern


Eine Reihe von Leberschädigungen kann zur Leberzirrhose im Kindesalter führen.

Dazu gehören Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Wilson, Mukoviszidose, der Antitrypsin-Mangel  und missgebildete/fehlende Gallenwege.

Eine weitere Ursache ist die Galaktosämie, eine seltene angeborene Stoffwechselstörung. Dabei befindet sich zu viel des Zuckers Galaktose im Blut. Die Erkrankung äußert sich schon in den ersten Lebenstagen: Die Neugeborenen trinken schwach, erbrechen und weisen die Symptome einer Gelbsucht auf. Wird die Milchernährung weitergeführt kommt es zu einer Verstärkung der schweren Leberfunktionsstörung und die Kinder versterben im Leberkoma. Überleben die Kinder die ersten Monate, bleiben schwere geistige und körperliche Schäden zurück.


Untersuchungen & Diagnose


Der Internist vermutet eine Leberzirrhose, wenn der Patient z. B. Hautveränderungen aufweist oder er unter chronischen Leberkrankheiten (z.B. Hepatitis B oder C) leidet. Die einfachste Untersuchungsmethode ist das Abtasten. Eine verhärtete Leber und eine vergrößerte Milz können auf eine Leberzirrhose hindeuten.

Die Suche nach den Ursachen einer Leberzirrhose kann sehr schwierig sein. Während der Internist Alkoholmissbrauch, die Einnahme von Medikamenten oder giftiger Stoffe bereits anhand der Angaben des Patienten feststellen kann, muss er zur Diagnose anderer Ursachen weitere Blutwerte messen oder eine Leberbiopsie durchführen.

 

Wichtige Hinweise auf eine Leberzirrhose liefern eine Blut- und Ultraschalluntersuchung:

Blutwerte

Bei einer Leberzirrhose ist die Menge verschiedener Substanzen im Blut verändert, was ein Hinweis für Leberschäden sein kann. Dazu gehören:

  • Albumin, verschiedene Faktoren für die Blutgerinnung und die Cholinesterase sind niedriger als normal.
  • Weniger Blutplättchen (Thrombozyten) und weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sind die Folgen eines Pfortaderhochdrucks und der Milzvergrößerung.
  • Ein Anstieg der Konzentration von Transaminasen im Blut ist ein Hinweis auf eine Schädigung der Leberzellen.

Ultraschall

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung Bauchraums kann der Internist in erster Linie die bei einer Zirrhose veränderte Leberoberfläche und die auftretenden Komplikationen, wie z. B. Bauchwassersucht, Milzvergrößerung oder Neubildung von Blutgefäßen erkennen. Da eine veränderte Leberstruktur auch ein Zeichen für Leberkrebs sein kann, muss der Internist unter Umständen eine Gewebeprobe aus der Leber entnehmen (Leberbiopsie). Anhand des veränderten Gewebes in der Probe kann der Internist erkennen, ob tatsächlich eine Leberzirrhose vorliegt. Eine spezielle Form der Ultraschalluntersuchung, die Doppler-Sonografie, ermöglicht dem Internisten, das Ausmaß des Pfortaderhochdrucks zu messen.

Magenspiegelung

Bei Patienten mit neu entdeckter Leberzirrhose sollte der Gastroenterologe eine Magenspiegelung (Gastroskopie) vornehmen, um Krampfadern in der Speiseröhre oder im Magen erkennen und behandeln zu können.

Psychometrische Tests

Psychometrische Tests oder Schriftproben von Patienten können dem Internisten Hinweise auf eine leichte hepatische Enzephalopathie geben.


Behandlung der Leberzirrhose


Die Behandlung hängt in erster Linie von der der Zirrhose zu Grunde liegenden Erkrankung ab. Es gibt jedoch zurzeit noch keine Medikamente, mit denen die übersteigerte Bildung von Bindegewebe bei einer Leberzirrhose behandelt werden kann. Auch für viele Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen gibt es noch keine ursächlichen Therapiemöglichkeiten.

In vielen Fällen kann Ihr Internist die Zerstörung der Leber aufhalten, wenn er die Ursachen kennt. Bereits eingetretene Schäden kann er jedoch nicht wieder rückgängig machen. In schweren Fällen und bei fortgeschrittener Erkrankung ist deshalb eine Lebertransplantation die einzige Chance auf Heilung.

In jedem Fall sollten Patienten möglicherweise leberschädigende Substanzen meiden und Medikamente nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen. Patienten mit alkoholbedingter Leberzirrhose sollten auf Alkohol konsequent verzichten und ihre Alkoholkrankheit behandeln lassen. Die Entscheidung zum Alkoholentzug muss in jedem Fall vom Betroffenen selbst ausgehen. Angehörige können unterstützend auf den Patienten einwirken und Kontakte zu Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder Therapiezentren herstellen.

Wichtig sind auch eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung sowie die Förderung des Stuhlgangs, um den Körper von Giftstoffen zu befreien. Bei einer Fettleber sollten übergewichtige Patienten ihre Lebensweise ändern und durch fettarme Ernährung und Kalorienreduktion ihr Gewicht vermindern. Eine spezielle Leberdiät ist bei fehlenden Komplikationen und normalem Ernährungszustand aber nicht sinnvoll. Auch so genannte Leberschutzpräparate haben keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen.

Rasch auftretende Bauchwassersucht, hepatische Enzephalopathie oder eine Speiseröhren-Magen-Darm-Blutung sind lebensbedrohliche Komplikationen und müssen sofort in einer Klinik behandelt werden:

  • Die Flüssigkeit bei einer Bauchwassersucht kann durch harntreibende Medikamente (Diuretika) ausgeschwemmt werden. Außerdem sollten Patienten auf eine natriumarme Ernährung (max. 3 Gramm pro Tag) achten. Bei großen Flüssigkeitsmengen oder wenn die Diuretika nicht wirken, kann die Flüssigkeit auch durch eine Punktion abgelassen werden.

  • Eine Entzündung im Bauchraum muss mit Antibiotika behandelt werden.

  • Bei einer hepatischen Enzephalopathie ist es das Ziel, die Giftstoffe im Blut zu verringern. Dazu sollte der Patient weniger Eiweiß über die Nahrung zu sich nehmen, durch verstärkte Aufnahme von Kohlenhydraten den Eiweißstoffwechsel verringern und mit Hilfe von Laktulose die Ausscheidung von Ammoniak aus dem Darm zu verbessern. Durch eine Antibiotika-Gabe kann darüber hinaus der Darm gereinigt werden.

  • Eine Blutung aus Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) kann der Gastroenterologe durch Veröden oder Anbringen von Gummibandligaturen während einer Magenspiegelung (Gastroskopie) stillen. Außerdem wird er versuchen, den Blutverlust durch die Gabe von Blutkonserven auszugleichen. Mit Hilfe von Medikamenten kann er darüber hinaus den Druck in den Krampfadern senken und so die Gefahr von erneuten Blutungen verringern.

Prognose & Verlauf


Die Lebenserwartung von Patienten mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose ist gegenüber Gesunden deutlich verkürzt. So stirbt jeder zweite Patient mit alkoholbedingter Leberzirrhose innerhalb von 5 Jahren, wenn er weiter Alkohol trinkt. Kommen weitere Komplikationen hinzu, sterben 3 von 4 Patienten innerhalb dieses Zeitraums. Deshalb ist es wichtig, dass die Ursachen der Lebererkrankung rechtzeitig von einem Gastroenterologen oder Hepatologen erkannt und die leberschädigenden Faktoren behandelt werden.

Das Ausmaß der Zirrhose wird mit Hilfe der so genannten Child-Pugh-Kriterien in verschiedene Stadien eingeteilt. Dabei werden die Leberfunktion (Albumin, Blutgerinnung, Bilirubin) gemessen sowie Folgeerkrankungen (Bauchwassersucht, Enzephalopathie berücksichtigt. Die daraus resultierende Einteilung in die Stadien A-C erlaubt dem Internisten eine Aussage über die Prognose. Dem Child-Pugh-Score vergleichbar ist der in letzter Zeit zunehmend verwendete MELD-Score.

Jeder zweite Patient mit einer Bauchwassersucht und Pfortaderhochdruck stirbt innerhalb von 2 Jahren. Entzündet sich der Bauchraum sinken die Heilungschancen weiter: 50-90% dieser Patienten versterben.

Die häufigsten Todesursachen sind Leberversagen, Blutung aus Krampfadern der Speiseröhre und des Magens und Leberkrebs. So entwickelt sich pro Jahr bei 2-6 % der Hepatitis C-Patienten mit Leberzirrhose ein Leberkrebs.


Vorsorge & Schutz


Potenziell leberschädigende Medikamente sollten Sie grundsätzlich nicht länger als notwendig und nur nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Internisten einnehmen. Von ihm erhalten Sie auch Auskünfte über Nebenwirkungen Ihrer Medikamente. Ein Schutz gegen Hepatitis A und B durch Impfung ist bei Leberzirrhosepatienten dringend zu empfehlen.

Außerdem schonen Sie ihre Leber, in dem Sie Alkohol in Maßen trinken. Gesunde Männer können pro Tag 3 Viertel Liter Bier oder 3 Achtel Liter Wein gefahrlos trinken. Für gesunde Frauen ist die Menge mit einem halben Liter Bier bzw. einem Viertel Wein deutlich geringer. Wer dauerhaft mehr Alkohol trinkt, bei dem ist das Risiko für die Entstehung einer Leberzirrhose um das 6fache erhöht.

Bei bekannter Leberzirrhose ist eine zusätzliche Magenspiegelung (Gastroskopie) wichtig, um die Bildung von Krampfadern in der Speiseröhre oder im Magen nachzuweisen und gegebenenfalls zu behandeln. Da eine Leberzirrhose eine Vorstufe für Leberkrebs sein kann, sollten Sie alle 3-6 Monate eine Ultraschalluntersuchung vornehmen lassen.


Wichtige Adressen


Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100
50935 Köln
Tel: 0221 / 2 82 99-80
Fax: 0221 / 2 82 99-81
E-Mail: info@leberhilfe.org
www.leberhilfe.org

Deutsche Leberstiftung
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel: 0511 - 532 6819
Fax: 0511 - 532 6820
E-Mail: info@deutsche-leberstiftung.de
www.deutsche-leberstiftung.de

Bundesarbeitsgemeinschaft Leber (BAG Leber)
c/o Deutsche Leberhilfe e.V.
Luxemburger Str. 150
50937 Köln
Tel.: 0221 / 2 82 99 80
Fax: 0221 / 2 82 99 81
E-Mail: info@bag-leber.de
www.bag-leber.de

Selbsthilfe Lebertransplantierter Deutschland e.V.
Karlsbader Ring 28
68782 Brühl
Tel.: 06202 / 70 26 13
Fax: 06202 / 70 26 14
E-Mail: info@lebertransplantation.de
www.lebertransplantation.de

Hämochromatose - Vereinigung Deutschland e.V.
Oberstraße 115
51149 Köln
Fax: 02203 / 1 83 20 20
E-Mail: Info@haemochromatose.org
www.haemochromatose.org

Fachverband Sucht e.V.
Walramstraße 3
53175 Bonn
Tel.: 0228 / 26 15 55
Fax: 0228 / 21 58 85
E-Mail: sucht@sucht.de
www.sucht.de


Bücher zum Thema


Das Leber-Buch
Hannover, 2013
ISBN 978-3-89993-642-1
http://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch 

Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse: Wirksame Hilfe bei Beschwerden  
Heinrich Liehr
Trias, 2002
Preis: 14,95 Euro
ISBN: 3-83043-025-6

Leber-Galle-Kur
von Brunhild Zechelius
Buchag, 2002
Preis: 10,60 Euro
ISBN: 3-95229-650-3

Köstlich essen für Leber und Galle  
Sven-David Müller-Nothmann, Christiane Weißenberger, Sven-David Müller- Nothmann
Trias, 2006
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ISBN: 3-83043-293-3


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