14.04.2013
Immunsuppressive Therapie bei Lupus nicht mit erhöhtem Krebsrisiko verbunden
Immunsuppressive Medikamente, die Lupuspatienten einnehmen müssen, erhöhen nicht wie bislang befürchtet grundsätzlich das Krebsrisiko. Darauf machen Experten des BDRh aufmerksam.
Bisher wurde angenommen, dass die immunsuppressiven Medikamente, die zur Therapie des systemischen Lupus erythematodes (SLE) eingesetzt werden, das Risiko für bösartige Tumoren - insbesondere des Lymphatischen Gewebes (Lymphome) - erhöhen. Jetzt zeigt eine internationale Studie mit über 5000 Lupus-Patienten (siehe Annals of the Rheumatic Diseases, Online-Veröffentlichung am 8.1.2013) auf, dass diese Befürchtung unbegründet ist. „Den Forschern zufolge ist das Risiko, an einem malignen Lymphom zu erkranken, für Lupus-Patienten weder durch eine gesteigerte Krankheitsaktivität, noch durch Immunsuppressiva erhöht. Lediglich für Cyclophosphamid Cyclophosphamid fand sich eine gewisse Tendenz in diese Richtung. Insgesamt traten in einem Zeitraum von ca. 11 Jahren Lymphome in 1,5% der Fälle auf", berichtet Prof. Dr. med. Christof Specker, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) und Leitender Arzt der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Kliniken Essen Süd. „Bisher war die Angst vor Krebs so groß, dass manche Lupus-Patienten die empfohlenen immunsuppressiven Medikamente ablehnten. Die aktuelle Untersuchung weist darauf hin, dass Lymphomfälle, die bei Lupus-Patienten - wie auch in der Normalbevölkerung - auftreten, nicht grundsätzlich durch die Medikamente hervorgerufen werden. Auch die Krankheitsaktivität scheint in keinem direkten Zusammenhang mit dem Lymphomrisiko zu stehen."
Medikation nach ärztlicher Anweisung konsequent durchführen
SLE gehört zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und unter diesen zur Gruppe der Bindegewebsentzündungen (Kollagenosen). In Deutschland gibt es etwa 60.000 Lupus-Patienten. Über 80% der Erkrankten sind Frauen, die meist zwischen der Pubertät und den Wechseljahren erkranken. Lupus ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet: Es sieht körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als fremd an und bildet Abwehrstoffe (Antikörper), die gegen bestimmte Gewebestrukturen gerichtet sind (so genannte Autoantikörper) und so zu Entzündungen und Schädigungen führen. Der Lupus kann potenziell viele Organe und Organsysteme in Mitleidenschaft ziehen - daher auch die Bezeichnung „systemisch". Es kann zu chronischen Entzündungen von Bindegewebe, Haut, Gelenken, verschiedenen Organen, Schleimhäuten, Gehirn und der Blutgefäße (Vaskulitis) kommen. Behandelt wird die Erkrankung hauptsächlich mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, wie z.B. Kortison (Glukokortikoide) oder Basistherapeutika (wie Azathioprin, Mycophenolat oder Cyclophosphamid). „Cyclophosphamid ist stark wirksam und wird bei schweren Verlaufsformen von SLE mit Befall verschiedener Organe, vor allem der Nieren und des Gehirns, eingesetzt", erläutert Prof. Specker. „Es hemmt vornehmlich das Wachstum von immunaktiven Zellen und dadurch das Fortschreiten der Erkrankung. Cyclophosphamid wird fast immer mit Kortison kombiniert, da dessen Wirkung erst nach 4-6 Wochen eintritt. Im Hinblick auf das positive Untersuchungsergebnis, dass Cyclophosphamid nicht grundsätzlich mit einem erhöhten Lymphomrisiko verbunden ist, wollen wir Rheumatologen vom BDRh Lupus-Patienten darin bestärken, eine immunsuppressive Therapie, falls erforderlich, nach ärztlicher Anweisung auch konsequent durchzuführen."
Quelle: äin-redDiese Pressemeldung des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh) ist zur Veröffentlichung (ohne Bild) freigegeben. Bitte weisen Sie bei Verwendung im Printbereich auf das Patientenportal des BDRh, www.rheumatologen-im-netz.de, hin. Bei Online-Veröffentlichung erbitten wir eine Verlinkung auf die Website.
