12.09.2018

Warnung vor dem Verzehr von Giftpilzen

Speise- und Giftpilze unterscheiden sich in der Optik oft kaum von essbaren Varianten. Um Vergiftungen zu verhindern, rät die Deutsche Leberstiftung zur Vorsicht beim Pilzesammeln.

Der trockene Hitze-Sommer 2018 hat auch das Pilzwachstum eingeschränkt. In vielen Gebieten Deutschlands wachsen Pilze bislang nur an Bachläufen und dauerbeschatteten Plätzen. Doch Pilzexperten sind optimistisch und prophezeien, dass trotz der Dürre der vergangenen Monate die Herbstpilze zwischen September und November noch gute Wachstumschancen haben. Viele Pilzsorten reagieren auch nach längeren Trockenperioden auf Niederschläge und beginnen zu wachsen: Speisepilze und auch Giftpilze, die sich häufig in der Optik kaum von essbaren Varianten unterscheiden. Um lebensgefährliche Vergiftungen zu verhindern, rät die Deutsche Leberstiftung zur Vorsicht beim Pilzesammeln.

„Im schlimmsten Fall kommt es nach dem Verzehr von Giftpilzen zu einem Organversagen. Wenn die Toxine aus dem Magen- und Darmtrakt aufgenommen sind und über die Blutbahn in die Leber kommen, kann das zu einem Leberversagen führen“, warnt Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. Im Jahr 2017, in dem durch das feuchtwarme Klima bereits im Juni und Juli die Wachstumsbedingungen für Pilze gut waren, stieg die Zahl der Pilzvergiftungen extrem an. Auch schwere Vergiftungen, die zum Leberversagen führten, gab es 2017 vermehrt.

Neben kleinen Kindern, die beim Spielen Giftpilze pflücken und verzehren sowie Erwachsenen, die Giftpilze mit essbaren heimischen Pilzen verwechseln, gibt es eine weitere gefährdete Gruppe: Geflüchtete und Spätaussiedler. Diese Menschen verwechseln meistens den hochgiftigen Knollenblätterpilz mit Speisepilzen aus den jeweiligen Heimatländern.

Als Präventionsmaßnahme informiert die Medizinische Hochschule Hannover gemeinsam mit dem Giftinformationszentrum-Nord und dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung mit Knollenblätterpilz-Warn-Plakaten in neun verschiedenen Sprachen.

Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen in Europa verantwortlich. Wenn der Knollenblätterpilz verzehrt wurde (er schmeckt nach Aussagen Betroffener ausgesprochen gut), treten Symptome erst nach einer beschwerdefreien Zeit von sechs bis 24 Stunden auf. Der Knollenblätterpilz ist genau deshalb so gefährlich, weil in den ersten Stunden nach dem Verzehr noch keine wesentlichen Beschwerden auftreten. Wenn das Gift Wirkung zeigt, hat es sich bereits im ganzen Körper verteilt.

Es kommt dann zu schweren sechs bis neun Stunden anhaltenden choleraartigen Durchfällen und Erbrechen. Die Gifte des Knollenblätterpilzes, die sogenannten Amatoxine, beginnen bereits etwa 24 Stunden nach dem Verzehr die Leber zu zerstören.

Eine frühe Diagnose ist extrem wichtig, denn die Vergiftung kann behandelt werden. Bei günstigem Verlauf zeigt sich nach sieben bis zehn Tagen ein kompletter Rückgang der Symptome. Es liegt dann eine vollständige Heilung vor. Im schlimmsten Fall kann eine Knollenblätterpilz-Vergiftung aber zum Leberversagen führen, sodass nur noch eine Lebertransplantation das Leben des Patienten retten kann.

Prof. Manns rät zur Vorsicht: „Besteht auch nur der Verdacht einer Pilzvergiftung, sollte dringend der Notarzt gerufen werden. Je früher diagnostiziert und behandelt wird, umso größer sind die Heilungschancen. Eine Erhöhung der Leber- und Nierenwerte sind Zeichen einer systemischen Vergiftung. Zum Nachweis des Pilzgiftes und somit zur leichteren Diagnose sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben und an den Notarzt weitergegeben werden.“

Prof. Manns appelliert an alle Pilzsammler, gefundene Pilze nur dann zu verspeisen, wenn sie sich nach langjähriger Erfahrung und mit fundiertem Wissen absolut sicher sind, dass es sich um essbare Pilze handelt. Unerfahrene Pilzsammler sollten in jedem Fall vor dem Verzehr einen Pilzsachverständigen zu Rate ziehen.

Angebliche Merkmale für die Ungiftigkeit von Pilzen wie Maden- oder Schneckenbefall sind irreführend, betont Prof. Manns: „Schnecken beispielsweise bekommen keine Leberschädigung durch Amatoxine, weil sie keine ‚richtige‘ Leber haben, ihr zentrales Stoffwechsel-Organ ist die Mitteldarmdrüse.“

Quelle: Deutsche Leberstiftung

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.