Typ-1-Diabetes: Nicht-medikamentöse Therapie

Typ-1-Diabetes-Patienten müssen den richtigen Umgang mit ihrer Erkrankung lernen. Deshalb ist eine „Diabetikerschulung" schon im frühen Stadium sinnvoll. Hier erhalten die Patienten u. a. Informationen über:

  • Therapieziele und die Entwicklung einer auf sie persönlich zugeschnittenen Behandlungsstrategie
  • Insulinarten und ihre Anwendung
  • Erkennung und Behandlung von Komplikationen einer Insulintherapie (insbesondere Unterzuckerung)
  • Selbstkontrolle und Führen eines Diabetestagebuchs
  • Diabetesgerechte Ernährung und die Auswirkungen körperlicher Aktivität
  • Vermeidung und Behandlung von Folgeschäden
  • Auswirkungen der Therapie auf Lebensführung und Sozialkontakte sowie der Umgang damit

 

Ernährung

Parallel zur Insulinbehandlung ist eine vielseitige und ausgewogene Ernährung ein wesentlicher Bestandteil einer Diabetesbehandlung. Sie sollte fettarm, kohlenhydrat- und ballaststoffreich und wie folgt zusammengesetzt sein:

Ca. 50 % Kohlenhydrate:

  • Lebensmittel, die reich an löslichen Ballaststoffen sind oder niedrige Blutzuckerwirksamkeit haben, sind zu empfehlen. Dazu gehören alle Vollkornprodukte, Kartoffeln, ungeschälter Reis, Müsli und Obst.
  • Haushaltszucker (Saccharose) und Honig und damit gesüßte Getränke sollten Sie vermeiden, da sie rasch den Blutzucker erhöhen. Ist der Zucker jedoch mit Fett, Eiweiß oder mit Ballaststoffen kombiniert, wie z. B. in Schokolade, Eis oder Vollkornprodukten, geht er langsamer ins Blut über und ist in kleinen Mengen vertretbar. Diabetikerprodukte dieser Art bringen keinen wesentlichen Vorteil.
  • Malzzucker im Bier erhöht zwar schnell den Blutzuckerspiegel, da Alkohol gleichzeitig zuckersenkend wirkt, gleicht sich dieser Effekt bei einer Flasche Bier pro Tag wieder aus. Alkoholfreies Bier sollten Sie jedoch aus diesem Grund meiden.

30-35 % Fett:

  • Maximal ein Drittel gesättigte Fettsäuren (v. a. tierische Fette, wie Butter, Speck, Sahne, Wurst, Fleisch, Milchprodukte).
  • Etwa ein Drittel einfach ungesättigte Fettsäuren (v. a. pflanzliche Fette, wie z. B. Raps-, Oliven oder Erdnussöl).
  • Etwa ein Drittel mehrfach ungesättigte Fettsäuren (v. a. pflanzliche Fette, wie grünes Blattgemüse, Getreidekeimölen, Soja- oder Rapsöl, Fisch).
  • Maximal 300 Milligramm Cholesterin pro Tag.

15-20 % Eiweiß:

  • Sie sollten 0,8-1,0 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht täglich zu sich nehmen (weniger als 0,6 Gramm führen jedoch zu Mangelerscheinungen). Viel tierisches Eiweiß enthalten Fisch und Fleisch (100 Gramm enthalten 20-25 Gramm Eiweiß), Eier (100 Gramm: 10 Gramm) und Milchprodukte (100 Gramm Quark oder Käse: 10 Gramm, ein Viertel Liter Milch oder Joghurt: 7-8 Gramm)
  • Diabetiker mit einer Nierenschädigung sollten den Eiweißanteil möglichst gering halten.

Ballaststoffe:
Die empfohlene Ballaststoffmenge beträgt 30 Gramm pro Tag (180 Gramm Vollkornbrot enthalten 14 Gramm Ballaststoffe, 200 Gramm Apfel: 4 Gramm, 200 Gramm Gemüse: 6 Gramm). Sie ernähren sich ballaststoffreich, wenn Sie fünf Portionen Gemüse oder Obst pro Tag, vier Portionen Hülsenfrüchte pro Woche zu sich nehmen. Vollkornprodukte, Nüsse, Leinsamen und Salate enthalten ebenfalls viele Ballaststoffe.

Zuckerersatzstoffe:

  • Gehen nicht in die Zuckerbilanz ein.
  • Zyklamat, Saccharin, Azesulfam und Aspartam sind erlaubt.
  • Fruktose und andere kalorienhaltige Austauschstoffe werden nicht empfohlen.

Alkohol:

  • 1-2 Gläser Wein pro Tag sind vertretbar.
  • Sollte nur zusammen mit kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln eingenommen werden.

Kochsalz:
Patienten sollten maximal 6 Gramm Kochsalz pro Tag zu sich nehmen.

Außerdem sollten Patienten die Nahrungsmenge an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen: Sie sollten jeweils so viel essen, dass Übergewichtige abnehmen, Normalgewichtige ihr Körpergewicht halten und Untergewichtige zunehmen. Mit Hilfe des Body Mass Index (BMI) können Patienten sicherstellen, dass ihr Gewicht im Normbereich liegt: Empfohlen wird ein BMI von 19-25.

Die Diabetesdiät hängt von der Art der Insulintherapie  ab. Bei einer Behandlung mit Normalinsulin nehmen die Patienten sechs Mahlzeiten pro Tag zu sich (drei kleinere Haupt-, drei Zwischenmahlzeiten). Bei einer Therapie mit Insulinanaloga wird die Nahrungsaufnahme auf drei Mahlzeiten verteilt. So werden extreme Schwankungen des Blutzuckerprofils vermieden und gleichzeitig das Risiko für eine Unterzuckerung verringert.

Experte: Wissenschaftliche Beratung und Ausarbeitung: Prof. Eberhard Standl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern Meyer, J. et al. (Hrsg.) Elsevier, 11/2022 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/057-013.html

Letzte Aktualisierung: 05.12.2022

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