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HIV-Test: Untersuchung und Diagnose bei Infektion mit HIVJe früher eine Infektion mit dem HI-Virus festgestellt wird, desto besser kann der Internist entscheiden, wann der optimale Zeitpunkt gekommen ist, den Patienten antiviral zu behandeln. Die Erfolgsaussichten der Behandlung sind umso besser, je weniger fortgeschritten die AIDS-Erkrankung ist. Personen, die einer Risikogruppe angehören oder einer Risikosituation ausgesetzt waren, sollten sich deshalb unbedingt testen lassen, ob sie sich mit dem HI-Virus angesteckt haben. Außerdem können Personen den Erreger aus Unwissenheit beim ungeschützten Geschlechtsverkehr auf ihre Partner übertragen. Die Kenntnis des HIV-Status schützt daher auch den Partner.

 

Übersicht:

 

HIV-Tests

Tests auf Antikörper gegen HIV müssen sehr empfindlich und sehr spezifisch sein. Sie dürfen weder vorhandene Antikörper übersehen, noch dürfen sie andere Antikörper fälschlicherweise für HIV-Antikörper halten. Für einen Suchtest ist es dagegen besser, über das Ziel hinauszuschießen und einige falsch positive Testergebnisse zu zeigen als infizierte Patienten nicht zu entdecken. Ein positives Ergebnis im Suchtest muss daher immer mit Hilfe eines 2. Testverfahrens, dem sogenannten Bestätigungstest (Western-Blot), überprüft werden. Sicherheitshalber wird im Allgemeinen sogar eine 2. Blutprobe der Testperson untersucht.

Bei einem HIV-Test handelt es üblicherweise zunächst um einen Suchtest auf Abwehrstoffe (Antikörper) des Körpers gegen das HI-Virus im Blut (ELISA-Test). Antikörper gegen das HI-Virus werden innerhalb von 3-12 Wochen nach einer Ansteckung gebildet. Wenn sich ein Mensch mit HIV infiziert hat, so sind 6 Wochen nach der Übertragung in ca. 80% der Fälle bereits Antikörper nachweisbar. Nach 8 Wochen sind es bereits knapp 95% und nach 12 Wochen hat beinahe jeder der Betroffenen HIV-Antikörper gebildet. Ein Antikörpertest sollte also frühestens 6 Wochen nach einer möglichen Ansteckung durchgeführt werden.

Mit einem ELISA-Test (Suchtest) kann der Internist nahezu jede Infektion entdecken. In 0,5% der Fälle ergibt er jedoch ein positives Ergebnis, obwohl der Proband gar nicht infiziert ist (falsch positiver Befund). Deshalb muss ein positives Ergebnis durch einen 2. Test (Bestätigungstest) abgesichert werden. Um eine Verwechselung auszuschließen, wird dieser Test üblicherweise aus einer 2. Blutprobe wiederholt. In Einzelfällen kann es nach einer Risikosituation trotz negativem Testergebnis sinnvoll sein, den Test nach 6 bzw. 12 Monaten zu wiederholen.

Die Durchführung eines HIV-Testes ist zustimmungspflichtig. Erst das positive Ergebnis des Bestätigungstestes darf dem betroffenen Menschen mitgeteilt werden. Gesundheitsämter und viele Aidshilfen bieten kostenlose und anonyme HIV-Tests an. Niedergelassene Ärzte müssen eine geringe Gebühr erheben, wenn sie einen HIV-Test veranlassen. Nur im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge ist der HIV-Test beim Arzt kostenfrei. 

Infiziert trotz negativem Testergebnis

Ein negatives Testergebnis besagt, dass die Testperson zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Antikörper gegen das HI-Virus gebildete hatte. Das heißt aber nicht, dass die Testperson auf gar keinen Fall mit HIV infiziert ist. Der Zeitpunkt der Ansteckung könnte erst so kurze Zeit zurück liegen, dass der Körper noch keine nachweisbaren Antikörper bilden konnte.

Ein positives Testergebnis bedeutet, dass sich die Testperson mit HIV angesteckt hat. Der Betroffene kann also das HI-Virus auf HIV-negative Partner übertragen. Das Ergebnis bedeutet jedoch nicht, dass der Betroffene bereits an Aids erkrankt ist. 

Direkter Nachweis erkennt Viren frühzeitig

Daneben kann der Internist die Viren im Blut von HIV-Patienten auch direkt nachweisen (PCR). Dieser Test erkennt das Erbgut des Virus bereits 1-2 Wochen nach einer Ansteckung. Er ist jedoch teuer und wird daher normalerweise nur in besonderen Situationen z. B. in bestimmten Notsituationen, bei akuten HIV-Infektionen vor einer eventuellen frühen Behandlung oder bei Neugeborenen durchgeführt, da sie erst im Alter von 12-15 Monaten eigene Antikörper gegen den Erreger bilden.

Darüber hinaus gibt es inzwischen Schnelltests, die in weniger als einer halben Stunde ein Ergebnis liefern. Diese Schnelltests sind jedoch nicht so zuverlässig wie der Antikörpernachweis durch herkömmliche Tests. Insbesondere positive Ergebnisse eines Schnelltests sollten daher durch einen zuverlässigen Antikörpertest bestätigt werden.

 

Bestimmung der Viruslast

Zwei Blutwerte zeigen den Verlauf einer HIV-Infektion an: Die CD4-Zellzahl und die Viruslast. Der Internist überprüft diese Werte daher bei HIV-Patienten in der Regel in bestimmten Abständen z. B. alle drei Monate.

Die CD4-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen, die die Immunabwehr aktivieren. Da sie von HI-Viren infiziert und zunehmend zerstört werden, lässt ihr Bestand im Blut Rückschlüsse über das Ausmaß der Schädigung des Immunsystems zu. Bei einem gesunden, HIV-negativen Erwachsenen liegt die CD4-Zellzahl normalerweise bei über 800 pro Mikroliter Blut. Sinkt bei einem HIV-Patienten die CD4-Zellzahl unter 200 pro Mikroliter Blut, ist seine Immunabwehr nicht mehr stark genug, um andere Infektionen zu verhindern. Dies ist dann der Zeitpunkt, an dem der behandelnde Arzt eine Behandlung mit Medikamenten unabhängig vom Vorhandensein von Symptomen oder HIV-spezifischen Erkrankungen beginnen wird.

Anhand der CD4-Zellzahl werden HIV-Patienten in 3 verschiedene Erkrankungsstadien eingeteilt:

Patienten der Kategorie A sind mit dem HI-Virus infiziert, weisen aber keine Krankheitssymptome auf. In der Kategorie B leiden die Patienten unter Erkrankungen, die nicht Aids-definierend sind, aber mit der Immunschwäche zusammenhängen. Kategorie-C-Patienten weisen die so genannten Aids-definierenden Erkrankungen (opportunistische Erkrankungen) auf, die bei einem gesunden Immunsystem nicht auftreten.

Die Viruslast gibt die Zahl der HI-Viren pro Milliliter Blut an. Ziel einer medikamentösen Behandlung ist es, die Zahl der Viruspartikel unter die Nachweisgrenze zu senken, die derzeit bei 50 Kopien pro Milliliter Blut liegt. So kann sich die Zahl der CD4-Zellen im Laufe der folgenden Jahre wieder erholen.

Die HI-Viren befinden sich jedoch nicht nur im Blut. Sie wandern auch in Darm, Gehirn, Lymphknoten und in die Hoden. Die Medikamente können oft die Erreger in diesen Geweben nicht zerstören. Deshalb ist es möglich, dass HIV-Patienten ihre Partner anstecken, obwohl ihre Viruslast im Blut unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Ein Nachweis der Viruslast außerhalb vom Blut gehört nicht zu den Routineuntersuchungen.

 

Resistenz-Test

Von dem HI-Virus gibt es viele Varianten, da es sich bei dem Erreger um ein sehr veränderungsfähiges Virus handelt. HIV passt sich sehr schnell an seine Umgebung an und bildet bei seiner Vermehrung Nachkommen mit leicht verändertem Erbgut (RNA). Diese Veränderungen in der RNA nennt man Mutationen. Einem Teil dieser Varianten kann es nun gelingen, die Abwehrmechanismen des Immunsystems oder die Angriffspunkte der antiviralen Medikamente zu umgehen. Die Medikamente verlieren dann ihre Wirkung und die weiterentwickelte Erregervariante vermehrt sich ungehindert - man spricht dann von einer Resistenz.

In manchen Fällen stecken sich die Betroffenen mit solchen resistenten (mutierten) Viren an. Deshalb empfehlen Experten häufig vor einer medikamentösen Behandlung einen Resistenz-Test. Bei diesem Test wird untersucht, ob sich ein Patient mit resistenten HI-Viren angesteckt hat und welche Medikamente den Erreger angreifen können. Der Internist kann die Patienten so von Anfang mit den optimalen Medikamenten behandeln. Sein Ziel ist es, die Vermehrung der Viren so schnell wie möglich zu bremsen. Resistenzen können sich auch im Verlauf einer Behandlung entwickeln. Die Medikamente werden dann unwirksam, und die Viruslast steigt plötzlich an. Bevor der Internist die Behandlung auf andere Medikamente umstellt, wird er ebenfalls einen Resistenz-Test durchführen.

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