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08.03.2011

Warum Entzündung müde macht

Patienten mit entzündlichen Erkrankungen oder Infekten leiden oftmals zusätzlich an Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und sogar Depressionen. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und des Universitätsklinikums Erlangen um den Mediziner Prof. Dr. Georg Schett haben jetzt herausgefunden, was diese Symptome auslöst. Sie identifizierten einen Botenstoff, der die Kommunikation zwischen Immunsystem und Gehirn entscheidend steuert. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS, Online-Vorabveröffentlichung am 18.1.11) veröffentlicht.

Für ihre Studie untersuchten die Erlanger Forscher Patienten mit rheumatoider Arthritis, einer der schwerwiegendsten Autoimmunkrankheiten, sowie Mäuse, die aufgrund eines Gendefektes eine ganz ähnliche Erkrankung zeigen. Sowohl Menschen als auch Mäuse können von Gelenkentzündungen und damit verbundenen starken Schmerzen betroffen sein. Menschliche Patienten klagen in vielen Fällen auch über Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Depressionen. Solche Symptome entstehen bekanntlich im zentralen Nervensystem. Allerdings war bisher nicht bekannt, inwiefern das Nervensystem von der Immunabwehr und der Entzündung in den Gelenken beeinflusst wird.

Mithilfe einer speziellen Aufnahmetechnik für die funktionelle Magnet-Resonanztomographie an narkotisierten Mäusen konnten die Forscher jetzt neue Erkenntnisse gewinnen. Bei der Analyse der Aufnahmen von Mäusehirnen entdeckte das Team, dass ein wesentlicher Entzündungsbotenstoff - der so genannte Tumornekrosefaktor alpha - zwischen Immunsystem und Gehirn vermittelt und dabei auch die Schmerzwahrnehmung entscheidend beeinflusst. Diesen Effekt konnten die Forscher auch beim Menschen beobachten.

„Interessanterweise werden Medikamente, die den Tumornekrosefaktor alpha hemmen, schon weltweit erfolgreich zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt", erläutert Prof. Schett. „Warum aber diese Therapien so rasch zu einer Linderung dieser chronischen Erkrankung führen, war bisher unbekannt. Dabei dämpfen die Medikamente die Schmerzen und steigern das Wohlbefinden noch bevor die Entzündung abgeklungen ist." Diese Wirkung können die Erlanger Forscher nun erklären: Hemmt man den Tumornekrosefaktor, verringert sich die Schmerzempfindlichkeit im Gehirn, und auch die psychischen Veränderungen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit werden positiv beeinflusst.

„Unsere Forschungsergebnisse lassen sich vermutlich auf eine ganze Reihe von entzündlichen Erkrankungen oder auch Infektionen übertragen", meint Prof. Schett. „Die Erkenntnisse tragen dazu bei, die Mechanismen von Erkrankungen des Immunsystems aufzuklären. Sie zeigen aber gleichzeitig auch, dass mit Hilfe moderner Techniken der Bildgebung neue Therapien gegen unterschiedlichste chronische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis entwickelt und analysiert werden können."



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