Internisten im Netz

Risikofaktoren für Krebs



Risikofaktoren für Krebs


Warum ein Mensch einen Tumor bekommt und ein anderer nicht, lässt sich bis heute nicht eindeutig beantworten. Krebs entsteht in der Regel durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener auslösender Faktoren. Einerseits kann die Veranlagung für Krebs vererbt werden, d.h. in den Genen festgelegt sein. Andererseits können äußere Faktoren die Entwicklung verursachen oder eine vererbte Veranlagung verstärken. So gelten beispielsweise Rauchen, exzessive Sonneneinstrahlung, der Umgang mit gefährlichen Chemikalien, aber auch die falsche Ernährungsweise, verbunden mit Übergewicht, als Krebs fördernd. Zudem steigt die Häufigkeit vieler Tumoren mit dem Alter, manche Krebsarten kommen wiederum gehäuft bei Männern, andere bei Frauen vor. Auch bakterielle oder virale Infektionen können Krebs auslösen.

Meist wirken mehrere Faktoren zusammen und führen dazu, dass sich eine Zelle genetisch verändert. In den meisten Fällen kann der Körper diese Veränderungen selbst „reparieren", in manchen Fällen gelingt ihm dies jedoch nicht. Vermehrt sich die veränderte Zelle und gibt die Veränderungen an ihre Tochterzellen weiter, entsteht ein Tumor.

Wichtige Faktoren, die die Krebsentstehung fördern können, sind:


Falsche Ernährung & Übergewicht


Eine unausgewogene Ernährungsweise kann die Entstehung einiger Krebsarten fördern. Etwa jede 3. Krebserkrankung hängt möglicherweise mit der Art der Ernährung zusammen. Einer Untersuchung der amerikanischen Krebsgesellschaft zufolge könnte Übergewicht bei Frauen für 20%, bei Männern für 14% aller mit Krebs in Zusammenhang stehender Todesfälle verantwortlich sein. Zu viel Fett, Fleisch, gebratene Speisen, Grillgut und frittierte Nahrung auf der einen Seite, zu wenig Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe auf der anderen Seite - manche Krebsarten werden durch eine solche ungesunde Ernährung begünstigt.  

Anhaltende Fehlernährung führt zudem oft zu Übergewicht, welches wiederum die Bildung von bösartigen Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane (Brustdrüse, Gebärmutter, Eierstöcke), Nieren, Gallenblase und Speiseröhre fördert. Eine erhöhte Aufnahme von Nahrungsfetten regt außerdem zur vermehrten Ausschüttung von Verdauungssäften an. Die dort enthaltende Gallensäure kann von der Darmflora zu Dickdarmkrebs erzeugenden Substanzen abgebaut werden.


Körperliche Aktivität


Regelmäßige Bewegung kann Krebs vorbeugen. So erkranken bewegungsaktive Menschen seltener an Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs, Dick- oder Enddarmkrebs. Bei anderen Tumorarten besteht ebenfalls ein Zusammenhang, wenn auch weniger ausgeprägt. Möglicherweise reguliert körperliche Aktivität die Konzentration von Insulin, Östrogen und anderen Botenstoffen im Blut, die den Zellen des Körpers als Wachstumssignale dienen. Hinzu kommt, dass regelmäßige Bewegung zusammen mit ausgewogener Ernährung eine große Rolle bei der Vermeidung von Übergewicht spielt, das wiederum ein erwiesener Risikofaktor für Krebs ist.

Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walken, Joggen oder Radfahren eignen sich besonders gut zur Senkung des Krebsrisikos. Vor allem sanftes Training verbessert die Leistung des Immunsystems, Hochleistungssport oder Marathonläufe dagegen können die Immunabwehr schwächen. Auch ein aktiver Beruf kann die Krebsgefahr senken.


Alkohol


Alkohol im Übermaß fördert die Entstehung von Brust-, Leber-, Darm-, Mund-, Kehlkopf-, Speiseröhren- und Magenkrebs. Auch der regelmäßige Konsum geringerer Alkoholmengen kann bereits das Krebsrisiko erhöhen: Schon ein Glas Wein (0,3 Liter) oder 2 Gläser Bier (0,6 Liter) täglich steigern das Brustkrebsrisiko von Frauen um etwa 30%.

Verantwortlich scheint das im Alkohol enthaltende Stoffwechselprodukt Azetaldehyd zu sein, das Krebs erregend wirkt. Deshalb steigt die Gefahr mit zunehmender Alkoholmenge. Gleichzeitig führt Alkohol zu einem erhöhten Östrogenspiegel, was ebenfalls die Entstehung von Brustkrebs begünstigen kann. Wer hochprozentigen Alkohol trinkt und auch noch raucht, steigert sein Krebsrisiko zusätzlich.


Rauchen


Tabak wirkt Krebs erregend. Dennoch ist die lebensgefährliche Sucht nach dem Glimmstängel scheinbar ungebrochen. In Deutschland rauchen rund 20 Millionen Menschen zwischen 18 und 59 Jahren. Ein Viertel aller Erwachsenen (22% der Frauen, 35% der Männer) raucht regelmäßig, weitere 4% bezeichnen sich als Gelegenheitsraucher. Bei Frauen sind 60% der Lungenkrebsfälle auf das aktive Rauchen zurückzuführen, bei Männern sogar 90%. Etwa 80% der Lungenkrebs-Patienten innerhalb der ersten 5 Jahre nach Diagnosestellung. Daher rangiert Lungenkrebs in der Krebstodesstatistik bei Männern auf Platz 1, bei Frauen auf Platz 3. Aktives und passives Rauchen ist bei Frauen zudem ein Risikofaktor für die Entwicklung von Gebärmutterhals- und Brustkrebs.


Sonne


Kurzwellige, besonders energiereiche Strahlen der Sonne, so genannte UV-Strahlen, können in zu hoher Dosis das Erbgut der Hautzellen schädigen. Dadurch kann es vor allem bei wiederholten Sonnenbränden zu einem unkontrollierten Wachstum der Zellen und somit zu Hautkrebs kommen. Geschädigte Pigmentzellen bilden kleine Tumoren, die zunächst wie harmlose Leberflecken bzw. Muttermale aussehen. Solche Krebszellen zerstören nicht nur die Hautregion, in der sie ursprünglich entstanden sind, sondern können sich im Körper ausbreiten (Metastasen). Diese schädlichen Wirkungen werden nicht nur durch natürliche UV-Strahlung der Sonne ausgelöst, sondern auch durch künstliche UV-Strahlung in Solarien.

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 140.000 Menschen an verschiedenen Formen von Hautkrebs (einschließlich den harmloseren Basaliomen). Etwa 2.000 Menschen sterben pro Jahr am schwarzen Hautkrebs, dem so genannten malignem Melanom, einem äußerst aggressiven Hauttumor.

Während intensive UV-Strahlung eine Krebsgefahr für die Haut darstellt, kann Sonnenlicht in kleinen Mengen jedoch auch vor bestimmten Krebsarten schützen. Wissenschaftliche Studien belegen dies für Brustkrebs, Eierstockkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs sowie für Tumore der Lymphknoten.


Giftstoffe & Strahlung


Wer mit chemischen Stoffen oder im Umfeld von radioaktiver oder ionisierender Strahlung arbeitet, ist trotz strenger Sicherheitsvorschriften oft einem höheren Krebsrisiko ausgesetzt. In der Bundesrepublik werden insgesamt 6% aller Krebserkrankungen auf ein beruflich bedingtes Risiko zurückgeführt.

Bei vielen Stoffen sind die Langzeitfolgen noch nicht untersucht. Bekannt ist aber, dass der regelmäßige Umgang mit Asbest, Arsensäure, Benzol, Radon, Nickel- und Zinkverbindungen Krebs auslösen kann. Auch Beschäftigte in der Aluminiumproduktion leben mit einem erhöhten Risiko für Lungen- und Blasenkrebs. Flugpersonal ist ebenfalls einem insgesamt größerem Krebsrisiko ausgesetzt. So erkranken Flugbegleiterinnen z.B. häufiger an Brustkrebs als die Allgemeinbevölkerung. Ursache könnte die radioaktive Höhenstrahlung während des Fluges sein.


Virusinfektionen


 
Bild: HIV-Partikel unter dem
.
Auch wenn Viren bei der Entstehung mancher Krebsarten eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielen können, so ist die Virusinfektion nie der alleinige Auslöser für eine Krebserkrankung. Nur ein Bruchteil der mit Viren infizierten Personen entwickelt tatsächlich einen entsprechenden Tumor und das meistens erst nach Jahrzehnten. Zu den krebsauslösenden, onkogenen Virustypen gehören:

Epstein-Barr-Virus (EBV)

Gehört zur Gruppe der Herpes-Viren und löst das infektiöse Pfeiffersches Drüsenfieber aus. Eine Infektion kann zur Entstehung von Lymphknotenkrebs (malignen Lymphomen) führen, der vorwiegend bei Menschen mit dauerhaft geschwächtem Immunsystem vor allem  in Zentral- und Ostafrika auftritt.

Humanes Herpesvirus 8 (HHV 8)

Nicht zu verwechseln mit den Herpesviren, die Lippenbläschen, Genitalherpes oder Gürtelrose auslösen. Es trägt maßgeblich zur Entstehung der so genannten Kaposi-Sarkome bei. Überwiegend betroffen sind Personen mit geschwächtem Immunsystem, wie AIDS-Kranke.

Hepatitis-B-Virus (HBV)

Das Virus ist Auslöser der weltweit häufigsten Infektionskrankheit, der Leberentzündung des Typs B (Hepatitis B). Die Ansteckung erfolgt meist über Geschlechtsverkehr oder über Kontakt mit infiziertem Blut. Das Hepatitis-B-Virus ist wesentlich an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt. Gegen das Hepatitis-B-Virus gibt es eine Schutzimpfung.

Hepatitis-C-Virus

Wird in erster Linie auf dem Blutweg übertragen und ruft eine Leberentzündung vom Typ C (Hepatitis C) hervor. HCV ist für über 70% aller weltweiten Fälle von Leberkrebs verantwortlich. Bis heute steht noch keine Schutzimpfung gegen HCV zur Verfügung.

Humane Papillomviren (HPV)
Bild: Modell eines Humanen
Papillomvirus.

Humane Papillomviren sind weltweit die häufigsten sexuell übertragbaren viralen Infektionserreger. Vor allem die beiden Virus-Typen HPV 16 und HPV 18 tragen zur Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs bei. In Deutschland stehen Impfstoffe zur Verfügung, die vor Gebärmutterhalskrebs schützen sollen.

Humane Immundefizienzvirus (HIV)

Das Virus ist für die Immunschwäche AIDS verantwortlich, verursacht aber selbst keine Krebserkrankung. Dennoch tragen AIDS-Kranke vermutlich aufgrund des geschwächten Immunsystems, ein gesteigertes Risiko für bösartige Erkrankungen, wie Lymphknotenkrebs (maligne Lymphome) und Kaposi-Sarkome.


© Copyright by Monks - Ärzte im Netz GmbH