Häufigkeit und Altersverteilung der Meningokokken-Erkrankungen

Pro Jahr erkranken weltweit etwa 500.000 Menschen an invasiven Meningokokken-Erkrankungen. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder sind wegen ihres unreifen Immunsystems besonders häufig von Meningokokken-Erkrankungen betroffen. Ein zweiter Erkrankungsgipfel findet sich bei Jugendlichen.

In Deutschland sind Meningokokken mit Abstand die häufigsten Auslöser einer bakteriellen Meningitis und für knapp die Hälfte aller Fälle verantwortlich. Insgesamt werden 90% der Meningitisfälle hierzulande von den Erregern der Gruppen B und C verursacht. Dabei ist der Anteil der Meningokokken C, die für besonders schwere Krankheitsverläufe bekannt sind, an der Gesamtzahl der Meningokokken-Erkrankungen von Jahr zu Jahr in den einzelnen Regionen sehr schwankend. Für die restlichen 10% der Fälle in Deutschland sind die Serogruppen W135 und Y verantwortlich.

Vor allem Infektionen mit Meningokokken B, deren Zahl weltweit auf 20.000 bis 80.000 Fälle pro Jahr geschätzt wird, stellen eine erhebliche Krankheitslast dar, zumal sie mit einem schweren Krankheitsverlauf einhergehen und die Sterblichkeitsrate 5-15 Prozent beträgt. Diese Serogruppe B stellt die häufigste Ursache für bakterielle Meningitis in Europa dar und gleichzeitig auch eine der tödlichsten Erreger - in manchen Fällen ist es nach einer Infektion mit Serogruppe B binnen weniger als vier Stunden zum Tode gekommen! In Europa verursachen Meningokokken der Serogruppe B bis zu 80 Prozent aller Meningokokken-Erkrankungen.

Allein in Großbritannien gibt es 1.200 Meningitis-B-Fälle pro Jahr, die zu rund 120 Toten führen bzw. rund 250 überlebende Kinder hinterlassen, die lebenslange Folgeschäden wie Amputationen, Blind- oder Taubheit und Gehirnschäden davon tragen. Sechs Familien pro Woche beklagen in den UK einen Toten durch Meningokokken, wofür dort in 90 Prozent der Fälle Meningokokken der Serogruppe B verantwortlich sind.

Die Stämme zirkulieren weltweit, können sich verändern (mutieren) und auch zu anhaltenden regionalen Epidemien führen. Solche Epidemien wurden weltweit beobachtet und traten u. a. in Neuseeland, Großbritannien und Frankreich auf (detailliertere Angaben siehe Geografische Verbreitung).

Aber nicht nur die geografische Verteilung variiert mit den einzelnen Kontinenten, sondern auch die Häufigkeiten, mit denen Meningokokken-Erkrankungen auftreten, sind sehr unterschiedlich und oftmals kaum vorherzusagen. Während Meningokokken-Erkrankungen in Europa oder den USA meist Einzelfälle darstellen und höchstens in Form kleinerer Ausbrüche z.B. infolge zweier Einzelerkrankungen innerhalb einer Einrichtung wie einer Schule auftreten, lösen die Erreger vor allem in Afrika im so genannten Meningitis-Gürtel (in Zentralafrika - in einem Streifen südlich der Sahara von Guinea im Westen bis nach Äthiopien im Osten) regelmäßig schwere Epidemien aus.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass in Europa jährlich im Durchschnitt zwischen 0,5 (Italien) und 4 (Irland) Personen pro 100.000 Einwohner an invasiven Meningokokken-Infektionen erkranken. Im Meningitis-Gürtel in Afrika kann dagegen die Häufigkeit während Epidemien immer wieder auf 100 bis 800 Fälle pro 100.000 Einwohner ansteigen. Übertragen auf eine Stadt mit 3 Millionen Einwohnern - wie zum Beispiel Berlin - hieße dies, dass innerhalb von einigen Wochen bis zu 24.000 Menschen aufgrund einer Meningokokken-Erkrankung in Krankenhäusern behandelt werden müssten.

Wann und mit welcher Schwere Meningokokken-Epidemien in Afrika ausbrechen, ist wiederum kaum vorherzusagen - in der Vergangenheit sind sie etwa alle 8 bis 10 Jahre aufgetreten. Grundsätzlich lässt sich beobachten, dass die Fallzahlen jedes Jahr während der Trockenzeit ansteigen, vermutlich weil die Schleimhäute aufgrund der extremen Trockenheit in dieser Jahreszeit angegriffen werden und somit an Abwehrkraft einbüßen. Auch Touristen und sogar Geschäftsreisende können sich im Rahmen solcher Ausbrüche anstecken.

Altersverteilung von Meningokokken-Erkrankungen

Insgesamt treten 80% aller Meningokokken-Erkrankungen bei Personen bis 20 Jahre auf.

Vor allem Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche sind betroffen. Hierzulande treten etwa 35% aller Fälle in der Altersgruppe der 0- bis 4-Jährigen auf. Als Grund dafür wird das noch unreife Immunsystem von Kindern in diesem Alter angesehen. Ein zweiter Häufigkeitsgipfel mit etwa 25% aller Erkrankungen lässt sich bei Jugendlichen von 15 bis 19 Jahren in Deutschland beobachten. Man vermutet, dass dieser ursächlich mit dem im Jugendalter typischen Sozialverhalten - erste intime Kontakten, häufige Besuche von Discotheken, Aufenthalte in Internaten oder Kasernen - zusammenhängen könnte.

Abweichend von dieser klassischen Altersverteilung treten Erkrankungen durch die Serogruppe Y typischerweise eher bei älteren Personen auf. So gab es zum Beispiel in Deutschland im Jahr 2008 unter den 21 Personen, die an Meningokokken Y-Infektionen erkrankt waren, niemanden, der jünger als 5 Jahre war, andererseits aber neun Personen, die älter als 50 Jahre waren.

Krankheitslast in Deutschland

Heute sind Meningokokken-Infektionen bei uns die häufigste Ursache von bakterieller Meningitis, zumal Hirnhautentzündungen durch Haemophilus influenzae B und Pneumokokken durch Impfungen bereits erfolgreich zurück gedrängt werden konnten. Im Jahr 2009 ist die Zahl der Meningokokken-Erkrankungen gegenüber dem Vorjahr sogar angestiegen. Insgesamt wurden 478 Meningokokken-Erkrankungen gemeldet.

Gemeldete Meningokokken-Fälle in Deutschland

2008

453

2009

478

Serogruppe

Anzahl

Serogruppe

Anzahl

A

            1

A

            3

B

            293

B

            267

C

            91

C

            82

W135

            4

W135

            13

Y

            21

Y

            20

Quelle: RKI (stand 13.1.2010)

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