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Bluthochdruck

Behandlung von Bluthochdruck


Ziel jeder Hochdruck-Therapie ist es, die Gefahr für Folgeerkrankungen zu verringern. Daher wird in der Regel eine Blutdrucknormalisierung unter 140/90 mmHg angestrebt, bei Patienten mit Diabetes mellitus II unter 140/85 mmHg und bei Nierenerkrankungen unter 125/75 mmHg. Die Behandlung findet unabhängig von fühlbaren Beschwerden statt, da der Hochdruck zunächst einmal keine Symptome macht. Die ärztlichen Therapieentscheidungen berücksichtigen neben der Höhe der Blutdruckwerte auch das Gesamtrisikoprofil, d.h. die Summe der individuellen Risikofaktoren, des Patienten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Übergewicht, Diabetes, Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall in der Krankengeschichte).

 

Allgemeine Maßnahmen

Zur Absenkung des Blutdruckes ist es in jedem Fall sinnvoll, dass der Patient:

  • seine Ernährung anpasst (ausgewogen/vollwertig, viel Gemüse, Obst, Ballaststoffe (z.B. Vollkornprodukte), wenig tierische Fette), d.h. vorhandenes Übergewicht reduziert; wenig Salz (unter 6 Gramm pro Tag) zu sich nimmt.

  • nicht raucht und wenig Alkohol (unter 30 g/Tag bei Männern bzw. unter 15g /Tag bei Frauen; (30 g = 2,5 Gläser Wein à 0,125 l, 20 g = ca. 0,5 l Bier)) konsumiert.

  • sich regelmäßig - mind. 2- bis 3-mal die Woche für mind. 30 Minuten - körperlich belastet und bewegt. Besonders Ausdauertraining (Schwimmen, Wandern, Radfahren, Nordic-Walking, Skilanglauf, Golf) wirkt sich günstig auf den Blutdruck aus.

  • Stress abbaut. Genügend Schlaf, kurze Verschnaufpausen am Tage, Aufgaben zu verteilen und Verantwortung abzugeben sowie Sport und ein entspannendes Hobby helfen, eine ständige innere Anspannung zu reduzieren.

Diese Maßnahmen sind bei einer leichten Hypertonie (etwa 140/90 mmHg) oft allein ausreichend, um den Blutdruck wieder zu normalisieren. In jedem Fall unterstützt ein gesunder, aktiver Lebensstil grundsätzlich die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung.

 

Medikamentöse Therapie

Ist es zusätzlich notwendig, Medikamente einzunehmen, sollte dies konsequent und regelmäßig geschehen. Es stehen folgende Medikamente/Substanzklassen (Antihypertensiva) zur Bluthochdruckbehandlung zur Verfügung:

  • ACE-Hemmer und AT-1-Rezeptor-Antagonisten
    Präparate dieser Wirkstoffklassen wirken über mehrere, verschiedene Reaktionswege gefäßerweiternd. Im Wesentlichen hemmen sie die Bildung des Blutdruck steigernden Hormons Angiotensin II. Sie senken nachhaltig den Blutdruck und beugen Endorganschäden vor.

  • Diuretika (entwässernde, harntreibende Mittel)
    Zu diesen nierenwirksamen Medikamenten gehören Thiazide und Schleifen-Diuretika (speziell bei eingeschränkter Nierenfunktion) sowie kaliumsparende Diuretika. Sie steigern die Ausscheidung von Kochsalz und Wasser über die Nieren und verstärken in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Medikamenten gegeben deren Wirkung. Auf längere Sicht senken Diuretika den Blutdruck, indem sie die Ansprechbarkeit auf gefäßverengende Reize herabsetzen. Da bei höheren Dosierungen auch Mineralstoffe wie Kalium ausgeschieden werden, sollte die Ernährung bei Diuretika-Einnahme kaliumreich (z.B. Bananen, Trockenobst, Kartoffeln) sein bzw. das Mineral in Tablettenform zugeführt werden.

  • Betablocker
    Betablocker sind Arzneimittel, die im Körper die so genannten ß-Rezeptoren blockieren. Dadurch wird die Wirkung bestimmter Stresshormone gehemmt. Diese Stresshormone (Noradrenalin, Adrenalin) haben normalerweise einen anregenden Effekt auf verschiedene Organe (u.a. das Herz). Werden sie blockiert, sinken Puls und Blutdruck sowie die Schlagkraft des Herzens. Das Herz schlägt also etwas langsamer und wird entlastet.

  • Kalziumantagonisten bzw. Kalziumkanalblocker
    Kalziumantagonisten blockieren die Kalzium-Kanäle in den Herz- und Gefäßmuskelzellen. Sie vermindern den Kalzium-Einstrom in die Zellen, setzen dadurch die Gefäßspannung herab und somit auch den Blutdruck.

Medikamente dieser Wirkstoffklassen können einzeln (Monotherapie) oder zusammen (Kombinationstherapie) - unter Berücksichtigung möglicher Grund- oder Begleiterkrankungen - verordnet werden. Bringt die anfängliche Therapie keinen ausreichenden Erfolg, kann das Präparat bzw. die Kombination gewechselt werden, bis der Blutdruck effektiv gesenkt wird.

Eine Behandlung mit Blutdruck-Medikamenten wird von Patienten bisweilen als belastend erlebt, da das Absenken des Blutdruckes zunächst müde und abgeschlagen machen kann. Der Körper muss sich erst umstellen und an den niedrigeren Blutdruck gewöhnen. Die Medikamente sollten daher am Anfang einschleichend gegeben werden, d.h. niedrige Dosis zu Beginn, die nach und nach gesteigert wird. So hat der Organismus Zeit, sich langsam daran anzupassen. Die Umstellung kann bis zu einem Monat dauern.

 

Konsequenz ist wichtig

Bedenken Sie, auch wenn Sie keine Beschwerden haben, dass ein unbehandelter Bluthochdruck letztendlich zu einer mehr oder weniger gefährlichen Schädigung Ihres Körpers führt. Wenn Sie die Folgen spüren, ist diese Schädigung meist unumkehrbar. Rechtzeitig behandelt kann man das Risiko, das mit einem Bluthochdruck einhergeht, in den Griff bekommen. Dafür ist es meist notwendig, die Therapie lebenslang durchzuführen. Bei Bedarf kann Ihre Motivation (Compliance) durch Einzel- und Gruppengespräche sowie durch Arzt-Patienten-Seminare verbessert werden. Der Therapieerfolg, d.h. die Blutdrucksenkung, muss vom Arzt regelmäßig überprüft und die Medikamente möglicherweise angepasst werden. Durch die Einhaltung eines gesunden Lebensstils, können Sie die Dosierung der Wirkstoffe so gering wie möglich halten.

Neben der regelmäßigen Messung des Blutdrucks durch den Arzt haben sich zur Therapiekontrolle auch Selbstmessungen und 24-Stunden-Blutdruckmessungen unter häuslichen Bedingungen, während der Aktivitäten des Tages und im Nachtschlaf zu einer wichtigen ergänzenden Messmethode entwickelt. Patienten, die ihren Blutdruck selbst messen, sollten eine ausführliche Einweisung in die Messtechnik erhalten, am besten im Rahmen eines strukturierten Hypertonie-Schulungsprogramms.

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