19.05.2007

Gefrorene Früchte können Infektionskrankheiten auslösen

Durch den Verzehr tiefgekühlter Lebensmittel, speziell von Obst und Gemüse, können Erreger von Durchfall-Erkrankungen und Hepatitis übertragen werden...

Der Verzehr von kontaminierten Tiefkühlfrüchten kann zur Übertragung von krankmachenden Keimen führen. Im Bundesgesundheitsblatt (2/2007) wird ein Ausbruch von Durchfallerkrankungen, der sich in einer Hamburger Firmenkantine ereignete, mit dem Verzehr von Brombeer-Joghurt und Eiskonfekt in Verbindung gebracht. Beide Nachspeisen wurden in der Großküche aus gefrorenen Brombeeren und Joghurt zubereitet. Offenbar waren die Früchte mit Noroviren infiziert. "Wir wissen, dass manche Erreger, die durch kontaminierte Speisen übertragen werden, äußerst temperaturresistent sind. Sowohl in nicht ausreichend gegarten Speisen als auch im tiefgefrorenen Zustand bleiben viele dieser gefährlichen Keime vermehrungsfähig und können so Erkrankungen auslösen. Leider sind nur wenige Fälle gut dokumentiert. Insofern ist es schwer zu sagen, wie häufig Infektionen tatsächlich von gefrorenen Lebensmitteln ausgehen", erläutert Prof. Wolfgang Jilg, Mikrobiologe von der Universität Regensburg.  Laut Angaben des Robert Koch-Institutes haben sich seit Beginn des Jahres fast 90.000 Menschen in Deutschland mit Noroviren infiziert - etwa dreimal mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Großteil dieser Infektionen erfolgte durch direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch.

Neben Durchfallerregern können aber auch andere Viren in tiefgefrorenen Lebensmitteln - in erster Linie Obst und Gemüse - lauern. „Es gibt mehrere Studien die zeigen, dass auch Hepatitis-A-Viren - die Erreger einer infektiösen Leberentzündung - durch gefrorene Speisen übertragen werden können. Von tiefgekühlten Himbeeren, Blaubeeren, Erdbeeren und verschiedenen Gemüsesorten sind in der Vergangenheit Gelbsuchtausbrüche ausgegangen. Auch der Verzehr von ungeschältem Obst, Gemüse und Salaten, die mit kontaminiertem Wasser in Kontakt gekommen sind, können eine Hepatitis A auslösen. Leider kann der Konsument infizierte Speisen nicht von keimfreier Ware unterscheiden. Daher ist man in Ländern mit niedrigem Hygienestandard auch im 4-Sterne-Hotel nicht unbedingt vor einer Ansteckung geschützt", warnt Jilg. Durchfallerkrankungen durch Viren kamen in letzter Zeit auch auf Kreuzfahrtschiffen gehäuft vor: So litten Ende des vergangenen Jahres fast 500 Passagiere der „Freedom of the Seas" während einer Karibik-Kreuzfahrt an schweren Durchfällen - der Auslöser: Noroviren.

Impfung - einziger Schutz

Um sich vor Infektionen mit Noroviren oder anderen Erregern, die durch kontaminierte Nahrungsmittel übertragen werden zu schützen, empfehlen Experten strikte Hygienemaßnahmen. „Sehr häufig stecken sich Familienmitglieder untereinander an. Wenn z.B. ein Kind an Brechdurchfall leidet, ist äußerste Hygiene ratsam - auch wenn es schnell gehen muss. In jedem Fall sollten die Hände gründlich gereinigt werden, wenn man mit verschmutzten Kleidungsstücken, Erbrochenem oder Stuhlresten in Kontakt gekommen ist", rät Jilg.

Bei Auslandsreisen in Länder, in denen die Hepatitis A - die so genannte Reisegelbsucht - weit verbreitet ist, raten Mediziner zur vorbeugenden Impfung. „Während sich in Süditalien immer wieder Hepatitis-Erkrankungen ereignen, die auf den Verzehr von infizierten Muscheln und Meeresfrüchten zurückzuführen sind, können die Infektionsquellen in anderen beliebten Reiseländern nicht so eindeutig eingegrenzt werden. In einem Hotel kann der Orangensaft am Frühstücksbuffet ebenso ansteckend sein, wie das Salatbuffet. Da das Virus vor allem in Entwicklungsländern aber auch noch in vielen Ländern Süd- und Osteuropas weit verbreitet ist, kommen die meisten Einheimischen im Laufe ihres Lebens in Kontakt mit diesem Erreger. Und so kann ein infizierter Arbeiter, der bei der Ernte hilft oder in einer Lebensmittelfabrik beschäftigt ist, diese hoch ansteckenden Viren weiterverbreiten. Daher raten wir allen Touristen mit diesen Reisezielen zur Impfung", empfiehlt Prof. Thomas Löscher vom Tropeninstitut in München.

Neben Fieber, Übelkeit und allgemeiner Abgeschlagenheit ist vor allem die Gelbfärbung von Haut und Augen typisch für die Erkrankung. Ausgelöst wird diese "Gelbsucht" durch eine Funktionsstörung der infizierten Leber - in der Folge lagern sich Gallenfarbstoffe in der Haut ab. Die Symptome klingen in der Regel innerhalb einiger Wochen wieder ab - in schweren Fällen kann eine Erkrankung aber zu einem längeren Krankenhausaufenthalt und in seltenen Fällen - insbesondere bei älteren Menschen oder bei Vorschädigung der Leber - zum Tode führen. Gegen eine Infektion mit Hepatitis-A-Viren gibt es keine Therapie. Eine Hepatitis-A-Impfung ist noch kurzfristig vor Reisebeginn möglich. Schon nach ca. 10-14 Tagen hat sich der Schutz aufgebaut. Aufgrund der langen Inkubationszeit (Dauer zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch) gibt sogar eine „Last-minute"-Impfung kurz vor Abreise noch einen Schutz. Die Impfung selbst ist gut verträglich und schützt mindestens 1-2 Jahre. Eine weitere Impfung, normalerweise nach frühestens 6 Monaten, bietet dann einen Langzeitschutz für mindestens 10 Jahre.

Erste deutsche Krankenkasse bezahlt auch Reiseimpfungen

Laut Informationen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) in Hannover werden die Kosten für Schutzimpfungen bei Auslandsaufenthalten - zu denen auch die Impfungen gegen Hepatitis A gehören - ab sofort für alle KKH-Versicherten erstattet. Neben den Impfungen gegen Gelbsucht (Hepatitis A und B) gibt die KKH an, auch die Reiseimpfungen gegen Gelbfieber, FSME, Meningokokken, Tollwut, Cholera und Typhus, sowie die Auffrischimpfungen gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und Kinderlähmung (Poliomyelitis) zu bezahlen. Nach eigenen Angaben hat die KKH etwa 1,9 Mio. Versicherte.

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