15.02.2021

Mehr Corona-Tote durch schlechte Mundhygiene

Menschen mit geschwollenem oder blutendem Zahnfleisch haben ein um bis zu 70 % höheres Risiko, an COVID-19 zu sterben. Auch die Zahnhygiene ist im Kampf gegen das Virus also wichtig.

Eine neue britische Studie belegt, dass Menschen mit geschwollenem oder blutendem Zahnfleisch ein um bis zu 70 % höheres Risiko haben, an COVID-19 zu versterben (siehe Frontiers in Medicine, Online-Veröffentlichung am 23.11.2020). Das zeigt, wie wichtig eine gesunde Mundhöhle im Kampf gegen das Virus ist. Schon lange betonen Zahnmediziner Prof. Roland Frankenberger (Universität Marburg) und Diabetologe Prof. Andreas Pfützner (Pfützner Science & Health Institute, Mainz) die Wichtigkeit der oralen Immunkompetenz, auch im Rahmen der Pandemie.

Es ist bekannt, dass das Corona-Virus hauptsächlich über Rezeptoren in Mund und Rachen in den Körper eindringt. Daher sind eine starke Immunabwehr der Mundhöhle und eine gesunde Mundschleimhaut die erste Hürde für die Viren (siehe International Journal of Oral Science, Online-Veröffentlichung am 24.2.2020). Sind diese geschwächt oder finden unbemerkt parodontale Degenerationsprozesse statt, stellen zusätzliche bakterielle Infektionen ein hohes Risiko dar, an einer Lungenentzündung zu erkranken oder gar an einer Sepsis zu versterben. Oft ist eine schlecht gepflegte Mundhöhle die Quelle für derartige Infektionen.

Eine Studie mit fast 100.000 Menschen hat über einen Zeitraum von 12 Jahren den engen Zusammenhang von Dentalhygiene und Lungenentzündung belegt. Durch eine Parodontal-Behandlung konnte das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, um 31 % gesenkt werden; durch eine intensivierte Therapie sogar um bis zu 66 %. Patienten mit Diabetes hatten sogar ein um 78% erhöhtes Risiko, eine Lungenentzündung zu entwickeln. „Die orale Prävention stärkt die Immunkompetenz am Entstehungsort der Virusinfektion und hilft über diese Fitmacherfunktion, sie zu vermeiden oder ihren Verlauf abzumildern“, so Prof. Dr. Roland Frankenberger.

In einer gemeinsamen Veröffentlichung fordern der Diabetologe Prof. Dr. Pfützner (Mainz) und der Zahnmediziner Prof. Roland Frankenberger (Universität Marburg), die aktuellen Empfehlungen zur Prävention von SARS-CoV-2 um die Bestimmung der oralen Immunkompetenz und die Behandlung des Mund- und Rachenraumes zu erweitern. Patienten sollten ihre Termine zur Routineuntersuchung und zum Check-up keinesfalls verschieben.

Darüber hinaus steht Medizinern und Zahnärzten mit dem sogenannten aMMP-8-Test (MMP-8: aktivierte Matrix-Metallo-Protienase-8) ein effektiver Test zur Verfügung, um die Schutzwirkung der oralen Immunbarriere zu bestimmen. Der von der Universität Helsinki und dem deutschen Biotech-Unternehmen Dentognostics entwickelte Schnelltest dauert nur 5 Minuten und kann sowohl kontaktfrei zu Hause als aMMP8-Selbsttest oder direkt beim Zahnarzt oder Mediziner durchgeführt werden.

Der Test bestimmt die Aktivität eines Enzyms, das die Barriere durch Gewebeabbau (Kollagenolyse) löcherig macht. So haben Bakterien und Viren leichtes Spiel, in den Körper einzudringen. Besteht ein verstärkter Abbau von Gewebe, können Patienten und Ärzte die Abwehrkraft des oralen Immunsystem mit geeigneter Dentalhygiene und anderen Präventionsmaßnahmen schnell verbessern.

Die Corona-Infektionszahlen steigen, die Impfzentren nehmen nur langsam Fahrt auf und zu allem Überfluss breitet sich die gefürchtete Virusmutation B.1.1.7. in ganz Europa aus. Diese Variante des Virus ist 50 - 70 % infektiöser als das bisherige Virus und könnte unser Gesundheitssystem schon bald an seine Grenzen bringen. Neben den üblichen AHA-Regeln und den Kontaktbeschränkungen sieht die Mundgesundheitsstiftung die orale Immunbarriere als einen der wichtigsten Bausteine beim Schutz vor dem Virus. So auch Prof. Zastrow, der die Desinfektion der Mundhöhle mit einer geeigneten Mundspülung als wichtiger ansieht als das Lüften.

Quelle: Die MundgesundheitsStiftung (DMS)

 

 

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