Venenthrombose: Erste Anzeichen & Symptome

Zu den ersten Anzeichen einer tiefen Venenthrombose der Gliedmaßen gehören:

  • Spannungsgefühl oder auch muskelkaterähnliche Schmerzen in den Gliedmaßen (Abnahme der Beschwerden durch Hochlegen der Gliedmaße)
  • Schwellung und etwas stärkeres Hervortreten der direkt unter der Hautoberfläche verlaufenden Venen im Vergleich zur Gegenseite ( „Warnvenen")
  • leicht bläuliche (livide) Verfärbung sowie evtl. Überwärmung der betroffenen Gliedmaße
  • Druckschmerz an der Innenseite des Fußes (Payr-Zeichen)
  • Wadenschmerzen bei Beugung des Fußes (Homans-Zeichen) oder auf Druck (Meyer-Zeichen)

Diese Anzeichen kommen jedoch nur in 50% der tiefen Venenthrombosen vor. Sie können sogar vollkommen fehlen und finden daher und nach der Entwicklung neuerer diagnostischer Methoden heutzutage auch kaum noch Anwendung!

Wenn zusätzlich Brustschmerzen und Atemnot auftreten, kann dies ein ernst zu nehmender Hinweis auf eine Lungenembolie sein. Dann handelt es sich um einen akuten Notfall - alarmieren Sie daher umgehend den Notarzt!

Symptome einer Thrombose

Thrombosen bilden sich vorwiegend in den tief gelegenen Bein- und Beckenvenen. Ein plötzlich eintretender, vollständiger Verschluss einer Vene ist mit einem wesentlich ausgeprägteren Krankheitsbild verbunden als eine langsam fortschreitende, sich unter Umständen über mehrere Tage oder Wochen entwickelnde Gerinnselbildung, die erst allmählich zu einem Verschluss führt.
Wichtig ist die Unterscheidung einer oberflächlichen „Thrombophlebitis“ und einer „tiefen Venenthrombose“.

Thrombophlebitis

Hierbei handelt es sich in der Regel um eine - ohne Bakterien ablaufende - Entzündung und Thrombose der direkt unter der Haut verlaufenden, oberflächlichen Venen als typische Komplikation von Krampfadern. Frauen sind hiervon etwas häufiger betroffen als Männer. Auch bei gesunden Gefäßen kann es als Folge einer Verletzung oder als Zeichen einer internistischen Erkrankung (s.u.) zu einer Thrombophlebitis kommen. Die erkrankte Vene zeigt dabei die klassischen Anzeichen einer Entzündung: Überwärmung, Rötung, Schwellung und Schmerz. Im Rahmen der Entzündungsprozesse kommt es dann zu Verletzungen der Gefäßinnenwand und schließlich zu einer Gerinnselbildung.

In 90% der Fälle tritt eine Thrombophlebitis in den Beinen auf. Seltener findet sich diese Thromboseform an den Armen - meist als unerwünschte Folge eines Venenkatheters oder auch nur einer Blutentnahme. Nicht selten werden Venenwände auch durch Infusionen gereizt oder verletzt, wodurch sie sich entzünden (Infusionsthrombophlebitis).

Eine seltene, septische Thrombophlebitis entsteht als Folge einer bakteriellen Entzündung, wobei auch das umgebende Gewebe entzündlich verändert sein kann.

Eine Thrombophlebitis migrans breitet sich kontinuierlich in kleinen oberflächlichen Venen aus. Häufig liegt in einem solchen Fall eine ernstere Erkrankung oder gelegentlich auch ein Tumor vor. Die Thrombophlebitis saltans, auch als springende Thrombophlebitis bezeichnet, tritt ebenfalls als Rötung im Verlauf kleiner oberflächlich verlaufenden Venen auf und ist nicht an das Vorliegen von Krampfadern gekoppelt. Die Entzündungserscheinungen betreffen kurze Venensegmente und klingen schon nach wenigen Tagen wieder ab, um dann allerdings an anderer Stelle in gleicher Form erneut aufzutreten. Die Erkrankung bricht in Intervallen von Wochen oder Monaten schubweise aus und verlangt immer eine gründliche internistische Abklärung.

Tiefe Bein- und Beckenvenenthrombose

Der Thrombus entsteht hier meistens im Bereich der Wadenmuskelvenen Zunächst bilden sich kleinere Gerinnsel, die jedoch rasch heranwachsen und zu einem längeren Gefäßverschluss führen können. Wenn die Thrombose die tiefe Kniekehlenvene und weiter die tiefe Oberschenkelvene erreicht, kommt es - falls nicht schon jetzt eine Therapie erfolgt - zum Vollbild einer tiefen Beinvenenthrombose, welches mit druckartigen Schmerzen, Schwellung und bläulicher Verfärbung des betroffenen Beines einhergeht. Die Schmerzen können aber gelegentlich auch nur gering ausgeprägt sein oder auch völlig fehlen!

Seltene Formen einer Thrombose:

Thrombose der Vena subclavia bzw. der Vena. axillaris

Hierbei handelt es sich um eine Thrombose im Verlauf der tiefen Arm-, Achsel- oder Schlüsselbeinvenen. Als mögliche Ursachen kommen neben körperlicher Überanstrengung (z.B. beim Sport oder handwerklichen Tätigkeiten), eine Einengung der tiefen Vene im Schultergürtelbereich (thoracic-inlet-Syndrom), ein zentraler Venenkatheter oder sehr selten auch mal ein Tumor in Frage.

Thrombose der unteren Hohlvene

Eine Thrombose der unteren Hohlvene (Vena cava inferior) stellt eine schwerwiegende Erkrankung dar und verlangt fast immer eine umgehende stationäre Behandlung. Da diese großlumige Vene für den Rücktransport des Blutes aller Organe unterhalb des Zwerchfells zum Herzen verantwortlich ist, führt ihr thrombotischer Verschluss zum Anschwellen beider Beine.

Phlegmasia coerulea dolens (sehr selten!)

Dies ist eine schlagartig einsetzende, komplette Thrombose aller Venen einer Extremität. Sie ist gekennzeichnet durch äußerst schmerzhafte Flüssigkeitseinlagerungen (Ödem) und eine bläulich-fahle Verfärbung der betroffenen Extremität. Da auf Grund des vollständigen, ausgedehnten Venenverschlusses auch der Einstrom des arteriellen Blutes in die Extremität zum Erliegen kommt, besteht höchste Gefahr für die betroffene Extremität und letztlich auch für den Patienten!

Reisethrombose (Economy-Class-Syndrom)

Hierbei handelt es sich um eine tiefe Venenthrombose während oder nach einer Flug- oder auch Autoreise von mehr als vier Stunden. Als Folge des langen Sitzens wird der Blutfluss langsamer, die tiefen Venen werden im Kniebereich und in den Leisten „abgeknickt“, und zusätzlich wird bei gleichzeitig vielleicht reduzierter Flüssigkeitszufuhr das Blut „dicker" und die Gefahr einer Blutgerinnselbildung steigt. Betroffene Personen weisen oft schon eine Vorschädigung ihres Venensystems auf.
Bemerkbar macht sich diese Form der Thrombose ebenfalls durch Ödeme im Knöchel- und Unterschenkelbereich und Schmerzen insbesondere beim Auftreten. Im schlimmsten Fall kann es auch hier zu einer Lungenembolie kommen.

Experte: Wissenschaftliche Beratung und Ausarbeitung: Dr. Gerhart Tepohl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 21.08.2017

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