26.01.2018

Vitamin D-Mangel im Winter vorbeugen

Lichtmangel im Winter kann zu einem Mangel an Vitamin D führen. Wie wir dieses am besten aufnehmen, erklären zwei Experten im Interview.

In unserer Breiten kann der Lichtmangel in der Winterszeit bei vielen Menschen Stimmungsschwankungen hervorrufen. Schuld daran ist unter anderem ein Mangel an Vitamin D. Wie wir dieses am besten aufnehmen, erklären Prof. Jüstel vom Fachbereich Chemieingenieurwesen und Prof. Dr. Joachim Gardemann, Kinderarzt und Leiter des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe, im Interview:

Herr Prof. Gardemann, wofür brauchen wir Vitamin D?

Gardemann: Das Vitamin D steuert biochemische Reaktionen im gesunden Körper. Es unterstützt den Aufbau der Knochen und der Muskulatur, führt zur Stärkung des Immunsystems, hat eine Schutzfunktion für die Nervenzellen des Gehirns und für das Herz-Kreislaufsystem, senkt den Blutdruck und schützt auch vor Krebserkrankungen.

Herr Prof. Jüstel, wie nehmen wir Vitamin D auf?

Jüstel: Zu 90 Prozent erfolgt das über die Sonne, genauer mithilfe der UV-B-Strahlung, zu zehn Prozent über die Ernährung. Lebensmittel, die besonders viel Vitamin D enthalten, sind beispielsweise Seefische wie Lachs oder Makrele. Sie müssten aber schon sehr viel Fisch essen, um Ihren Vitamin D-Haushalt aufrechtzuerhalten. Besser wäre es, viel Sonne zu tanken. Guter Schutz, abhängig von Ihrem Hauttyp, ist dabei natürlich wichtig, übertreiben sollten Sie es mit dem Eincremen aber nicht. Verwenden Sie zum Beispiel Lichtschutzfaktor 50, bilden Sie quasi überhaupt kein Vitamin D mehr, denn dann dringt die UV-B-Strahlung nicht zu den Vitamin D bildenden Hautzellen durch. Lieber nehmen Sie also einen geringeren Lichtschutzfaktor, bleiben dafür aber kürzer in der Sonne – aber bitte nicht in der Mittagszeit.

Und wie verhindere ich Vitamin D-Mangel im Winter?

Jüstel: Den verhindern Sie eigentlich nur, indem Sie in der kalten Jahreszeit dahin fahren, wo die Sonne kräftig scheint. Denn zwischen Oktober und März haben wir in unseren Breiten eigentlich keine Chance, Vitamin D über die Sonne aufzunehmen – das ist das Problem beim Winter hierzulande. Eine Woche Sonne pur würde schon genügen. Aber da wir ja nicht ständig Urlaub in der Karibik machen können, bleibt nur eins: Von April bis September so viel wie möglich rausgehen und die Sonne genießen, denn der Körper speichert Vitamin D für eine gewisse Zeit. Etwa zwei bis drei Monate dürften das sein. Je älter Sie werden, desto mehr sollten Sie sich in der Sonne aufhalten, denn mit zunehmendem Alter bilden die Hautzellen langsamer Vitamin D. Zu viel davon über die Sonne aufnehmen können Sie übrigens nicht, denn der Körper baut es photochemisch wieder ab. Gefährlich wird es aber, wenn Sie Vitamin D durch Ernährung überdosieren, zum Beispiel spezielle Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tabletten einnehmen. Das sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt machen. Generell leiden wir aber in den Wintermonaten eher unter einem Mangel.

Ob bei Erwachsenen ein Vitamin D-Mangel vorliegt, lässt sich am besten durch einen Bluttest nachweisen. Wer unsicher ist, sollte den ruhig mal machen lassen – er zählt allerdings nicht zu den Kassenleistungen.

Die gesundheitlichen Folgen von Vitamin D-Mangel könnten auch viele zufluchtssuchende Frauen in Deutschland spüren. Denn aus religiösen Gründen verdecken einige von ihnen ihren Körper. Ob sie deshalb einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an Vitamin D-Mangel zu leiden, wird derzeit an der Fachhochschule Münster in einer Masterarbeit untersucht.

Quelle: Fachhochschule Münster

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