Schilddrüsenunterfunktion: Therapie & Tipps

Behandlung

Eine Schilddrüsenunterfunktion sollte so früh wie möglich behandelt werden, um bleibende Schäden zu verhindern. Bislang ist eine Heilung der eigentlichen Ursache jedoch nicht möglich. Mit Medikamenten können aber die Auswirkungen der Erkrankung sehr wirkungsvoll verringert werden.

Schilddrüsenhormone werden in Form von Levothyroxin verabreicht, das im Körper wie die körpereigenen Schilddrüsenhormone wirkt. Meist müssen die Patienten Levothyroxin lebenslang einnehmen. Bei richtiger Dosierung kommt es zu keinen Nebenwirkungen. Bei zu schneller Steigerung der Menge oder Überdosierung von Levothyroxin können Herzprobleme oder andere Zeichen der Schilddrüsenüberfunktion auftreten.

In der Regel beginnt der Spezialist (Internist/Endokrinologe) mit einer geringen Menge, die dann bis zur angemessenen Dosis langsam erhöht wird. So kann sich der Körper langsam auf die Hormongabe einstellen. Die richtige Menge ist sowohl vom Alter der Patientin als auch der Ursache für die Erkrankung abhängig. Bei über 60-Jährigen liegt die erforderliche Dosis um 30% unter der Dosis für jüngere Erwachsene, da der natürliche Hormonspiegel in höherem Lebensalter von dem jüngerer Menschen abweicht. Während der Schwangerschaft sollte die Levothyroxin-Menge dagegen erhöht werden, da der Körper in dieser Zeit mehr Schilddrüsenhormone benötigt. Behandlungs-Ziel ist die Normalisierung des basalen TSH-Spiegels, wobei gerade bei alten Patienten ein leicht erhöhter TSH-Wert zu tolerieren ist und nicht unbedingt zur weiteren Erhöhung der Thyroxin-Dosis führen sollte (TSH < 10µE/ml).

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis liegt die Dosis häufig unter der Menge nach einer operativen Entfernung der Schilddrüse oder einer Radio-Jod-Therapie. Der Grund hierfür liegt darin, dass bei einer Hashimoto-Thyreoiditis in der Regel noch etwas hormonbildendes Restgewebe vorhanden ist. In manchen Fällen wird zusätzlich die Einnahme von Selen empfohlen (100-200 µg täglich), das durchaus den bei der Hashimoto-Thyreoiditis ablaufenden Immunprozess beeinflusst, d.h. z.B. die Antikörper-Bildung vermindert. Ob hierdurch das Ausmaß der Hypothyreose verringert wird, ist nicht gesichert.

Tipps für Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion

Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion können dank der Hormontherapie ein normales Leben führen. Unerlässlich hierfür ist allerdings die regelmäßige tägliche Einnahme der Tabletten, die morgens etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück erfolgen sollte, damit die Wirkstoffaufnahme in den Körper nicht durch Nahrungsmittel und Medikamente beeinflusst wird. Nimmt man die Einnahme auf diese Weise in das morgendliche Ritual wie etwa das Zähneputzen auf, ist die gleichmäßige Aufnahme über den Darm gesichert. So steht täglich zuverlässig die gleiche Menge an den benötigten Hormonen zur Verfügung. 

Auch sollte grundsätzlich das Thyroxin-Präparat der gleichen Pharma-Firma verschrieben werden, um pharmakologisch bedingte Unterschiede zu vermeiden.

Wenn bei Patienten mit bekannter Hashimoto-Thyreoiditis trotz regelrechter Ersatztherapie mit Thyroxin (normalisiertes TSH) weitere Beschwerden auftreten, sollten diese nicht automatisch auf die Hashimoto-bedingte Entzündung zurückgeführt werden. Vielmehr sollten die beklagten Beschwerden unabhängig von der Hashimoto-Thyreoiditis abgeklärt werden.

Patienten, die wegen einer Schilddrüsenunterfunktion ins Koma gefallen sind (was sehr selten ist), erhalten Levothyroxin in hoher Konzentration in eine Vene gespritzt.

Sind Medikamente zur Behandlung einer Überfunktion Auslöser für die Unterfunktion, müssen sie niedriger dosiert oder können sogar abgesetzt werden.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Otto-Albrecht Müller, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J (Hrsg.); Elsevier 11/2016
Thyreotoxische Krise: Medizinische Klinik Intensivmedizin Notfallmedizin 2012, Band 107, Seite:448–453

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